Vor allem im beginnenden Frühling begegnen uns im Supermarkt einige Obst- und Gemüsesorten viel früher, als sie in Österreich geerntet werden. Spargel etwa, oder Erdbeeren, die es sogar das ganze Jahr über zu kaufen gibt. Der Verein Land schafft Leben geht der Frage nach, warum es sich lohnen würde, mehr Wert auf Saisonalität zu legen und welche Problematiken importierte Waren mit sich bringen.

Die Österreicherinnen und Österreicher essen gerne Obst. Allerdings nicht nur zur Haupterntezeit im Sommer, sondern das ganze Jahr über. Ein Beispiel dafür sind Erdbeeren: Sie stehen den Konsumentinnen und Konsumenten mittlerweile bereits ganzjährig zur Verfügung und werden häufig sogar schon Monate, bevor die Erdbeersaison in Österreich beginnt, im Rahmen von Aktionen beworben. Allein im Jahr 2022 wurden in Österreich rund 32.000 Tonnen Erdbeeren gegessen. Das sind 3,5 Kilogramm pro Person. Eine Menge, die die österreichische Landwirtschaft nicht decken kann, weshalb sie aus anderen Ländern importiert werden muss. Unter jenen Ländern, die weltweit die meisten Erdbeeren importieren, reiht sich Österreich damit sogar auf Platz elf ein. Hier drängt sich die Frage auf, warum Erdbeeren ganzjährig erhältlich sein müssen? Ist es der Konsument beziehungsweise die Konsumentin, die dies einfordert, oder ist es der Handel, der sie allzeit zur Verfügung stellt?
Folgen der Importware
Maria Fanninger, Gründerin des Vereins Land schafft Leben, gibt zu bedenken, welche Problematiken mit dem Import vieler Obst- und Gemüsesorten verbunden sind. „Die ständige Verfügbarkeit vieler Obst- und Gemüsesorten gehen auf Kosten von Mensch und Umwelt: Importierte Erdbeeren etwa haben meist nicht nur sehr lange Transportwege hinter sich, sie werden auch oft in Regionen angebaut, die von Wasserarmut betroffen sind.“ Regenarme Gegenden müssten dann aufwändig bewässert werden, um die enormen Mengen an Erdbeeren für den Export überhaupt produzieren zu können. „Das hinterlässt tiefe Spuren im dortigen Ökosystem.“ Doch nicht nur die Umwelt leide unter einem exzessiven Anbau, auch die Arbeitsbedingungen blieben in anderen Ländern oft im Verborgenen. In Österreich hingegen sind diese deutlich strenger geregelt, es gibt Kollektivverträge und Mindestlöhne in der Landwirtschaft.
Eine ähnliche Situation zeigt sich beim Spargel. Das Gemüse wird von Ende April bis in den Juli hinein aus heimischem Anbau geerntet. Mit etwa 2,5 Tonnen Erntemenge können die österreichischen Spargelbäuerinnen und -bauern den Verbrauch aber nur zur Hälfte decken. Die Folge ist der Import von Spargel aus anderen EU-Ländern wie Italien, Deutschland, Spanien oder Slowenien oder gar aus dem südamerikanischen Peru. Peruanischen Spargel können österreichische Konsumentinnen und Konsumenten bereits zwischen Ende Februar und Anfang März kaufen. Teile Perus sind allerdings bekannt dafür, dass dort Wasserknappheit herrscht, weshalb der Anbau von Spargel zu Folgen für die dortige Umwelt führen kann.
Wissen über Lebensmittel schwindet
Neben diesen belastenden Folgen für Mensch und Natur, die der Import vieler Lebensmittel mit sich bringen kann, weist Maria Fanninger auf einen weiteren Aspekt hin: Das Wissen darum, wann etwas Saison hat, gehe zunehmend verloren und Erdbeeren oder Spargel, die schon im März in den Regalen liegen, werden nicht selten als heimische Ernte wahrgenommen. „Abgesehen davon wissen die Konsumentinnen und Konsumenten oft gar nicht, wie Lebensmittel produziert werden und welche Folgen ihr Wunsch nach dauerhafter Verfügbarkeit für die Umwelt mit sich bringen kann.“
Für sie liegt es auf der Hand, der Jahreszeit entsprechend zu heimischen Produkten zu greifen. Denn nur so könne die österreichische Lebensmittelproduktion weiterhin auf ihrem hohen Standard produzieren: „Kaum ein Land produziert Lebensmittel unter Einhaltung derart hoher sozialer und ökologischer Standards, wie es in Österreich getan wird. Wenn wir diese Standards weiterhin haben wollen, dann sollten wir auch genau zu diesen greifen. Dazu müssen die entsprechenden Lebensmittel aber natürlich auch im Regal liegen.“
