Ein leicht steigender Anteil von Bio- und Tierwohlschweinefleisch ist erkennbar, die Einkaufsgewohnheiten ändern sich dennoch nur langsam. Was jede und jeder von uns tun kann, um die Produktionsbedingungen von Fleisch mitzugestalten und welche Rolle der Handel hier einnehmen kann, erklärt der Verein Land schafft Leben.

Tierwohl spielt für viele Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf tierischer Produkte eine immer größer werdende Rolle. Allerdings nur theoretisch, denn im Supermarktregal bildet sich diese Entwicklung noch weitaus weniger deutlich ab. Beim Schwein bewegen sich die Bio- und Tierwohlprodukte, bei denen beispielsweise die Tiere über mehr Platz im Stall oder einen Auslauf im Freien verfügen, aktuell bei rund vier beziehungsweise drei Prozent. Damit sind sie in den vergangenen Jahren zwar langsam, aber dennoch gestiegen. Insgesamt zeigen die Zahlen jedoch, dass zwischen dem Wunsch nach mehr Tierwohl und unserem tatsächlichen Einkaufsverhalten noch eine große Lücke klafft.
Kaufentscheidungen lenken Angebot
Wem also bessere Haltungsbedingungen für Schweine wichtig sind, der müsse auch zu diesen Produkten im Supermarktregal greifen, sagt Maria Fanninger, Gründerin des Vereins Land schafft Leben. Sie sieht hier die Gesellschaft in der Pflicht: „Wollen wir mehr Tierwohl oder nicht? Momentan ist es so, dass wir uns zwar bessere Haltungsbedingungen für Nutztiere wünschen, wenn uns jemand danach fragt. Im Supermarkt greifen wir aber dann doch wieder zum billigsten Fleisch und zur billigsten Wurst.“ Fanninger macht damit deutlich, dass wir durch dieses Handeln genau jene Haltungsform fördern, die wir eigentlich nicht haben wollen. Denn mittlerweile setzt auch die Landwirtschaft deutliche Signale, dass man sich in Richtung Tierwohl weiterentwickeln will. Ebenso der Handel, der mit Markenprogrammen und Sortimentswechseln klare Schritte setzt. „Aber ohne Konsumentinnen und Konsumenten, die dann auch zu Tierwohlprodukten greifen, funktioniert es nicht. Wenn anders produziert werden soll, muss auch anders konsumiert werden“, so Maria Fanninger.

Voraussetzung: Herkunfts- und Haltungskennzeichnung
Um den Konsumentinnen und Konsumenten einen bewussten Griff ins Regal zu ermöglichen, brauche es eine umfassende Kennzeichnung der Fleischwaren, dies betrifft vor allem die verarbeiteten Produkte. Denn jährlich lassen sich die Österreicherinnen und Österreicher rund 34 Kilogramm Schweinefleisch schmecken, dazu zählen auch Fleischwaren wie Wurst oder Fertiggerichte. Oft sind es genau diese Produkte, bei denen die Haltungsbedingungen der Tiere im Verborgenen bleiben. Denn eine Herkunfts- und Haltungskennzeichnung für alle Fleischwaren ist aktuell nicht verpflichtend. Lediglich bei Frischfleisch muss die Herkunft angegeben werden, Hinweise auf die Haltung dagegen sind optional. Eine bewusste Kaufentscheidung werde so unnötig erschwert. Maria Fanninger dazu abschließend: „Wir alle können einen Beitrag dazu leisten, dass sich unsere Schweinehaltung möglichst schnell weiterentwickeln kann. Und zwar, indem wir konsequent auf die Herkunft von Fleisch und Wurst achten – egal, ob wir im Supermarkt Schinken kaufen oder im Gasthaus ein Schnitzel bestellen. Hier sehe ich großes Potenzial in einer verpflichtenden Kennzeichnung von Herkunft und Haltung, und zwar bis auf jeden einzelnen Teller.“
