Verpackungen im Bioabfall: Lösungen um Mikroplastik zu vermeiden

Lebensmittelverpackungen sind durch Fehlwürfe in die Biotonne eine potentielle Mikroplastikeintragsquelle. Das Bündnis Mikroplastikfrei liefert Lösungsstrategien um an dieser Quelle anzusetzen. Ein Gastbeitrag von Daniel Steinitz.

Autor Daniel Steinitz ist Geschäftsführer des Bündnis Mikroplastikfrei. © Naturabiomat

Die Verwertung von Bioabfällen aus Haushalten ist eine zentrale Säule der Kreislaufwirtschaft. Aus diesen Abfällen entsteht Kompost, ein wertvoller Dünger, den unsere Böden dringend brauchen. Es ist ein geschlossener Stoffkreislauf: Alle im Bioabfall enthaltenen Haupt- und Spurennährstoffe werden so zurückgeführt, sowie Kohlenstoff, welcher dringend für den Erhalt und Aufbau von Humus benötigt wird, im Boden gebunden. Zudem können beträchtliche Mengen an Mineraldüngern eingespart werden. Ein Teil (rund 25%) des Bioabfalls aus Haushalten wird derzeit in Biogasanlagen behandelt und daraus wird hochwertige Speicherenergie gewonnen.

Die Umsetzung des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes sieht eine Recyclingquote der Siedlungsabfälle von 65% bis 2035 vor. ExpertInnen der Abfallwirtschaft sind sich einig, dass mehr Bioabfälle sortenrein aus dem Restmüll „geborgen“, sprich getrennt gesammelt, werden müssen um diese Quoten annähernd zu erfüllen. Denn hier ist ein enormes Potential vorhanden – derzeit sind im Restmüll bis zu 37% biogene Anteile enthalten:

Auswertung der Restmüllzusammensetzung in Österreich (2018/2019), Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft, Universität für Bodenkultur Wien

Leider sind die gesammelten Bioabfälle jedoch – je nach Sammelregion unterschiedlich stark – mit Fremdstoffen verschmutzt. Konventionelle Kunststoffe spielen hier eine bedeutsame Rolle. Denn trotz der aufwendigen Technologien („Störstoffentfrachtung“), die heute in professionellen Kompostanlagen eingesetzt werden, können die Kunststoffreste nicht vollständig entfernt werden. Verdorbene, aber noch verpackte Waren, die in der Biotonne entsorgt werden, sind das Kernstück der Problematik.

Lösungen, die es dringend braucht

Um das Risiko der Entstehung von Mikroplastik im biogenen Abfallstrom zu minimieren, arbeiten ExpertInnen aus allen betroffenen Sektoren im Bündnis gemeinsam daran, Lebensmittel-Einwegverpackungen in den Produktbereichen Brot, Obst & Gemüse auf zertifiziert (vgl. EN 13432) abbaubare Materialien umzustellen. Denn diese Lebensmittelverpackungen sind durch Fehlwürfe in die Biotonne eine potentielle Mikroplastikeintragsquelle.

Einheitliche Kennzeichnungen sollen einen klaren Entsorgungs-/Verwertungsweg der Verpackung vorgeben. Der richtige Entsorgungsweg ist grundsätzlich nicht die Biotonne, da die optimale Verwertung der Verpackungsmaterialien nach der Abfallhierarchie nicht die Kompostierung ist. Angesichts der Kunststoffproblematik in der Biotonne, ist es aber essentiell, dass die genannten Lebensmittel (Brot, Obst, Gemüse) nur unverpackt oder in abbaubaren Verpackungsmaterialien angeboten werden. So kann gewährleistet werden, dass noch mehr des angefallenen Bioabfalls aus den Haushalten mit weniger Kunststoffanteil gesammelt wird, denn Verpackungen aus zertifiziert abbaubaren Materialien, die sich in die Biotonne „verirren“ (falsch entsorgt werden) hinterlassen kein persistentes Mikroplastik im fertigen Kompost.

Partner im Bündnis Mikroplastikfrei entwickeln Lösungen

Bündnispartner der ersten Stunde sind das Unternehmen Novamont, weltmarktführender Hersteller von Biopolymeren, sowie BASF, die jahrzehntelange Expertise aus der Biopolymerforschung einbringen. Hier wird intensiv an der Weiterentwicklung der Materialien gearbeitet. Eine Vielzahl innovativer Lösungen wurde entwickelt und ist bereits auf dem Markt erhältlich.

Frischhaltefolie aus Mater-Bi Material und zertifiziert abbaubarem Aufkleber © Novamont

„Bio-Kreislauf-Sackerl“ als erster Schritt in die richtige Richtung

Die herkömmlichen Tragetaschen für Obst, Gemüse oder Gebäck wurden mit dem „Plastiksackerlverbot“ 2020 verpflichtend durch kompostierbare Tragetaschen ersetzt. Diese Tragetaschen dienen zunächst als Transportverpackung für unverpackt angebotene Waren und können nach dem Einkauf ideal zum Frischhalten von Brot Gemüse und Obst verwendet werden. Danach kann der Bioabfall im Haushalt damit gesam­melt und über die Biotonnen entsorgt werden.

Was muss weiter geschehen?

Für Obst und Gemüse gilt es zunächst das Angebot an unverpackten Waren auszuweiten. Hier gibt es bereits effiziente Technologien um die Haltbarkeit wie z.B. durch den Einsatz von Trockenbenebelungs-Anlagen zu erhöhen. Überall dort, wo Verpackungsmaterialien notwendig sind, muss in diesem Segment – und auch bei Brot und Backwaren – gänzlich auf abbaubare Packstoffe umgestellt werden damit bei Fehlwürfen in die Biotonne kein langfristiges Mikroplastik entsteht.

Über das Bündnis

Das bündnis mikroplastikfrei ist ein Zusammenschluss aus Industrie und Kommunen, begleitet durch die Wissenschaft und wurde im Herbst 2021 gegründet um den weiteren Mikroplastik-Eintrag in die Umwelt drastisch zu reduzieren. Das gemeinsame Ziel: Der Einsatz abbaubarer Materialien und Packstoffe zur Substitution von Einwegmaterialien in verschiedenen Anwendungsbereichen.

Über den Autor

Daniel Steinitz war im Themenfeld Mikroplastik und biologisch abbaubare Werkstoffe für den Kompost & Biogas Verband Österreich tätig und seit 2021 Geschäftsführer des bündnis mikroplastikfrei.

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