Sommer, Sonne, kühles Bier: Steigen die Temperaturen, sind nicht nur Grill- und Gartenpartys angesagt, sondern auch ein erfrischendes Bier gehört fast immer dazu. Der Verein Land schafft Leben gibt Einblick, warum Österreich nicht nur in der warmen Jahreszeit als wahre Bierhochburg gilt und was die Biertradition hierzulande auszeichnet.

104 Liter Bier trinken wir in Österreich pro Person in einem Jahr. Eine ganze Menge, vergleicht man diese mit anderen Ländern Europas: Damit liegen wir weit vor Deutschland, dessen Konsum bei vergleichsweise geringen 89 Litern pro Jahr und Person liegt, und vor Polen, die mit 91 Litern auch deutlich hinter Österreich anzutreffen sind. Nur Tschechien liegt mit einer jährlichen Menge von 129 Litern pro Person im Ländervergleich vorne.
Vielfalt und Tradition als Markenzeichen
Aufgrund einer langen Biertradition und einem erstaunlichen Pro-Kopf-Verbrauch kann man Österreich daher aus gutem Grund als Bierhochburg bezeichnen. Besonders was die Vielfalt der Brauereilandschaft, die angebotene Qualität auch im großen Maßstab und nicht zuletzt das zunehmende Interesse an einschlägiger Weiterbildung in Sachen Biergenuss und Bierkennerschaft anbelangt.
Die österreichischen Brauereien bevorzugen Großteils heimische Rohstoffe. Hopfen, Gerste, Hefe und Wasser – mehr braucht es nicht für ein Bier und mehr darf auch nicht drin sein. Das schreibt das Österreichische Lebensmittelbuch vor und verbietet den Einsatz von Zusatzstoffen. Einzig für die Herstellung von glutenfreiem Bier dürfen sogenannte technische Enzyme eingesetzt werden. Diese müssen dann in der Zutatenliste angegeben sein.
Wasser ist ein wichtiger Bestandteil guten Bieres und hat großen Einfluss auf den Geschmack. Die österreichischen Brauereien beziehen das Wasser aus ihren eigenen Brunnen, eigenen Quellen oder aus der Ortswasserleitung, denn Brauwasser muss Trinkwasserqualität haben. Neben Wasser ist auch die richtige Hefe für das Bierbrauen essenziell. Sie sorgt dafür, dass der gelöste Zucker aus dem Malz zu Alkohol und Kohlensäure vergoren wird. Aufgrund der Hefe unterscheidet man zwischen untergärigen und obergärigen Bieren. Untergärige Hefe setzt sich während der Gärung im Bottich unten ab, während obergärige Hefe beim Gärungsprozess mit der Kohlensäure im Tank nach oben steigt und dort vergärt. Zu den untergärigen Bieren zählen Märzen und Lager, Pils, Bock und Spezialbiere. Obergärige Biere sind beispielsweise Weißbiere, Ale und Stout, Kölsch- und Altbiere.
Bier in Aktion
Bier hat mit seiner langen Tradition in Österreich etwas geschafft, was sonst kaum einem Lebensmittel gelingt: die Erhaltung regionaler Marken. Kaum jemandem ist es ganz gleichgültig, welche Marke auf dem Etikett steht. Der Absatz einzelner Brauereien ist in und rund um deren Heimatstädte und -orte am größten.
Dass Bier dennoch oft unter seinem Wert verkauft wird, liegt unter anderem an den Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel. Die Österreicherinnen und Österreicher kaufen ihr Bier liebend gerne in Aktion. Mittlerweile fallen 70 Prozent des im Einzelhandel gekauften Bieres auf so genannte Promotionskäufe, bei kontinuierlich steigender Tendenz. Im internationalen Vergleich liegt Österreich hier im Spitzenfeld. Bier in Aktion anzubieten, kam in den 1970er-Jahren auf und dient seither als bewährtes Lockmittel, aber auch als Mengenhebel, also als Mittel dazu, große Mengen an Bier kurzfristig abzusetzen. „Aktionen sind Teil des Lebens“ ist daher eine über viele Jahre etablierte Erwartungshaltung der Konsumentinnen und Konsumenten. Viele richten ihr Einkaufsverhalten danach und kaufen Bier immer nur dann, wenn ihre Lieblingsmarken gerade in Aktion zu haben sind.
Zurecht hat sich Bier in Österreich als wahres Kulturgut etabliert und schmeckt den Österreicherinnen und Österreichern daher nicht nur bei den aktuellen heißen Temperaturen, sondern mit einem Konsum von über 100 Litern pro Person und Jahr das ganze Jahr über.
