TikTok als attraktiver Verkaufskanal für Händler:innen

Die junge Zielgruppe liebt TikTok – eine App, die ungeheures Potenzial als Vertriebskanal für Unternehmen bietet.

TikTok wird bald zum Online-Händler und plant bis 2022 mehr als 185 Milliarden Dollar pro Jahr im E-Commerce-Bereich umzusetzen. Doch auch schon jetzt ist die Social-Media App ein hochattraktiver Vertriebskanal.

TikTok hat die Welt im Sturm erobert. Tik was? Es handelt sich dabei um eine Kurzform-Video-Streaming-App, mit der 60 Sekunden lange Videoclips vom Smartphone aus erstellt und mit der Community geteilt werden können. In den letzten 12 Monaten entwickelte sich TikTok mit rund 689 Millionen monatlichen Nutzer:innen zu einer der am häufigsten heruntergeladenen Apps der Welt. Allein in Deutschland sind 64% der TikTok-Nutzer:innen täglich auf der Plattform unterwegs. Der Unterschied zu anderen Apps besteht darin, dass durch den speziellen Algorithmus wirklich jeder viral erfolgreich werden kann.

Dass die sozialen Medien die Nachfrage der Konsument:innen beeinflussen, ist nichts Neues. Doch dieser Einfluss wird immer größer und die Online-Shopping-Gewohnheiten verändern sich durch Plattformen wie TikTok und Co. Das zeigt die Studie des britischen Preisvergleichsportal Uswitch, die 4.380 Online-Käufer:innen in Großbritannien zum Einfluss der Online-Trends auf das eigene Kaufverhalten befragte.

TikTok beeinflusst Kaufentscheidungen stärker als Instagram

Den Umfrageergebnissen nach ist es vor allem TikTok, die die britischen Konsument:innen zum Kauf verleitet. Gleichzeitig wird die App als große Inspirationsquelle angesehen, denn laut der Studie lassen sich 61% der Befragten von aktuellen Trends beeinflussen. Auf der Suche nach den neuesten Trends ist Tik Tok für 41% die erste Anlaufstelle. Es folgen Instagram (27%), Pinterest (18%) und YouTube (8%). Facebook scheint für Trendscouts keine wichtige Rolle mehr zu spielen, denn nur 2% besuchen das soziale Ur-Netzwerk für diese Zwecke.  

Die Uswitch Umfrage zeigt außerdem, dass sich 37% der Befragten von TikTok-Influencern inspirieren lassen, während 25% den Content auf Instagram präferieren. Bezahlte Anzeigen werden von den User:innen durchwegs positiv aufgenommen, denn durch Ads und Sponsored Posts ließen sich 55% schon einmal zum Kauf anregen.

Auch die zahlreichen Lockdowns hatten großen Einfluss auf das Online-Shoppingverhalten der Menschen aus dem Vereinigten Königreich: 36% gaben an, ihre Online-Ausgaben hätten sich in Zeiten der Pandemie “sehr” erhöht – und zwar um 196 Euro monatlich. Ein Resultat der Corona-Pandemie war die Verlagerung vieler kleiner Geschäfte ins Netz. Zwar wurde befürchtet mit den großen eCommerce Playern nicht mithalten zu können, doch die Uswitch Umfrage schwächt diese Sorge ab. Denn fast die Hälfte (45%) der Briten gab an, dass ein Einkauf bei kleinen Onlineshops “sehr wahrscheinlich” ist. Darüber hinaus investieren 36% lieber in Produkte von Kleinunternehmen als in etablierte Marken.

ByteDance-App als Sprungbrett für den Online-Handel

Die Plattform selbst wird bald keine reine Social Media App mehr sein. Schon jetzt bestehen konkrete Pläne für die Eroberung des E-Commerce Markts außerhalb Chinas. TikTok arbeitet mit potenziellen Anbietern zusammen, um Produkte online an Millionen von Nutzer:innen zu vertreiben, wie Leadersnet berichtet. Obwohl der Fokus aktuell noch auf Werbekampagnen liegt, soll die die Einführung eines globalen E-Commerce-Dienstes bald Realität werden. Momentan werden Tests durchgeführt und auch einen Prototyp für ausgewählte Shopbetreiber:innen ist bereits im Einsatz. Wann TikTok mit dem eigenen Online-Shop auf den Markt erscheint steht noch nicht fest, unter den Verhandlungspartnern befinden sich allerdings große Anbieter wie Walmart. Ziel ist es, bis 2022 mehr als 185 Milliarden Dollar pro Jahr im E-Commerce-Bereich umzusetzen – basierend auf der Reichweite durch TikTok´s breite Fangemeinde.

Social Commerce auch am deutschen Markt auf Überholspur

Auch eine Studie des ECC Köln zeigt: TikTok ist eine der beliebtesten Social-Media-Apps der jungen Zielgruppe und birgt ein ungeheures Potenzial als Vertriebskanal für Unternehmen. Dabei sind allem die jungen Konsument:innen auf Social Media für Influencer-Marketing empfänglich. 77% der 16- bis 29-Jährigen in Deutschland sind täglich auf der Plattform unterwegs – mehr tägliche User:innen dieser Altersgruppe verzeichnet aktuell nur Instagram (83%). Diese Entwicklung sollten auch österreichische Handelsunternehmen möglichst früh für sich nutzen.

Fest steht jedenfalls: Die Möglichkeit TikTok als zusätzlichen Vertriebskanal einzusetzen bietet Händler:innen vielfältige Möglichkeiten, für ihre Produkte und Dienstleistungen zu werben und gleichzeitig neue (junge) Zielgruppen zu erschließen. Nichtsdestotrotz kostet ein gutes und durchdachtes Werbekonzept auf der Plattform Zeit und Geld, für das ausreichend personelle Ressourcen notwendig sind.

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