Regionalität im Kühlregal: Verarbeitungsunterschiede bei heimischer Milch

Österreich ist ein Land der Milchwirtschaft: Mit kaum einem anderen Lebensmittel können wir uns so gut selbst versorgen wie mit Milch. Das trifft sich gut, denn heimische Milch steht für hohe Qualität bei Fütterung und Tierwohl, Grünlandbewirtschaftung, regionale Wertschöpfung und kurze Transportwege. Zum Tag der Milch am 1. Juni erklärt der Verein Land schafft Leben, was die österreichische Milch so besonders macht und warum es sich für Händler lohnt, Konsument:innen über Unterschiede in der Milchherstellung zu informieren.

© Land schafft Leben

Butter, Brot, Salat, Milch, Käse, Eier, Topfen, Joghurt, … Eine Liste, wie sie vermutlich viele beim Einkauf im Supermarkt begleitet. Ein Lebensmittel sticht ganz besonders hervor: Milch. Vielseitig einsetzbar nimmt sie in einer omnivoren oder vegetarischen Ernährungsweise einen wesentlichen Platz ein. Fast 43 Kilogramm Konsummilch wurden 2024 hierzulande pro Kopf verbraucht. Konsumentinnen und Konsumenten, die bewusst auf österreichische Herkunft achten möchten, sind gut bedient, denn der Selbstversorgungsgrad bei Konsummilch lag 2024 bei stolzen 177 Prozent. Regionalität als Kaufargument stärker in den Fokus zu rücken, zahlt sich hier aus, denn die Milchwirtschaft trägt maßgeblich dazu bei, dass heimische Grünlandflächen für Endkonsumentinnen und -konsumenten in Form eines Lebensmittels nutzbar gemacht werden.

Milchwirtschaft: Was Grünland so wertvoll macht

Dass Österreich ein Land ist, in dem Milch (und Honig) fließen, liegt unter anderem an den geografischen Gegebenheiten. Fast die Hälfte unserer heimischen Agrarfläche ist Grünland. Solche Wiesen und Almen sind für Ackerbau meist ungeeignet, speziell in steilen Gebieten. Indem unter anderem Kühe dort grasen und anschließend Milch geben, können die Flächen trotzdem zur Lebensmittelproduktion beitragen. Hinzu kommt, dass das Beweiden die Grünlandflächen vor dem Verwalden bewahrt und so unsere schönen Kulturlandschaften erhalten werden.

Frischmilch oder Haltbarmilch?

Im Kühlregal präsentiert sich eine große Auswahl: Konsumentinnen und Konsumenten können nicht nur zwischen biologisch oder konventionell produzierter Milch wählen, sondern beim Einkauf auch nach Fettgehalt, Fütterung oder Haltbarkeit entscheiden. Speziell bei der Haltbarkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges verändert. Während Frischmilch immer weiter in den Hintergrund rückt, dominiert die ESL-Milch, wie die Länger-Frisch-Milch, den Markt. Wie Frischmilch wird auch Länger-Frisch und Länger-Haltbar-Milch wärmebehandelt. Je nach Herstellungsverfahren kommen zusätzlich Filtrationsverfahren oder stärkere Erhitzungsverfahren zum Einsatz, wodurch sich die Haltbarkeit verlängert. Daher ist diese Milch mehrere Wochen lang haltbar – allerdings nur im ungeöffneten Zustand. Ist die Milchpackung einmal geöffnet, sollte jede Milch, Frischmilch wie Haltbarmilch, innerhalb von maximal fünf Tagen verbraucht werden. Die längere Haltbarkeit lohnt sich also nur bedingt, speziell dann, wenn regelmäßig eingekauft und die Milch ohnehin rasch verbraucht wird. Außerdem kann ultrahocherhitzte Länger-Frisch- und Länger-Haltbar-Milch einen leichten Kochgeschmack aufweisen.

Aufklärung schafft Orientierung und Wertschätzung

Die Milch mit all ihren Facetten steht exemplarisch dafür, wie wichtig es ist, Informationen zu Lebensmitteln und allem, was dahintersteckt, an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Der Handel hat mit Kanälen wie Infotafeln, Instore-Radio oder gegebenenfalls auch mit Etiketten direkt am Produkt verschiedene Möglichkeiten, Aufklärarbeit zu leisten und so bestmöglich bei den Kaufentscheidungen zu unterstützen. Denn wenn nicht mehr der Preis das einzige Argument ist, sondern auch andere Aspekte dazukommen, wird aus einem schnellen Gang in den Supermarkt ein Lebensmitteleinkauf mit großer Wirkung – auf die heimische Lebensmittelproduktion, auf unseren Lebensraum und unsere Versorgungssicherheit.

Leave a Reply