Kaisersemmel, Landbrot und Co. – fast 86 Prozent aller Backwaren kaufen Österreicherinnen und Österreicher heute im Einzelhandel. Eines bleibt beim Griff ins Regal aber auf der Strecke: Konsumentinnen und Konsumenten wollen wissen, woher die Zutaten im Brot und Gebäck kommen. Ein Gastbeitrag von Land schafft Leben.

Täglich Brot im One-Stop-Shop
Im Vorjahr gingen rund elf Prozent vom gekauften Brot und Gebäck in Bäckereien über die Theke. Umgemünzt bedeutet das: Der Großteil der Österreicherinnen und Österreicher kauft Backwaren im Supermarkt. Brot gilt heute weniger als Hauptnahrungsmittel, sondern als Snack für zwischendurch. Anstatt für jede Produktgruppe bei einzelnen Fachgeschäften zu stoppen, werden Backwaren mit anderen Lebensmitteln an nur einem Ort – beim sogenannten „One-Stop-Shopping“ – gekauft. Auch der Preis ist für viele ein Faktor: Während in der Bio-Bäckerei die Semmel auch deutlich über einen Euro kosten kann, bietet der österreichische Einzelhandel die billigste Semmel im Zehnerpack um 15 Cent pro Stück an.
Herkunftskennzeichnung: Semmel ohne Stammbaum
Woher die Zutaten für Semmel und Co. kommen ist beim Einkauf oft nicht ersichtlich. Denn egal wo die Österreicherinnen und Österreicher ins Supermarktregal greifen: weder der Backprozess noch die Herkunft der Rohstoffe müssen bei Brot verpflichtend gekennzeichnet werden. Ob der Hauptrohstoff Mehl also aus Österreich kommt oder nicht, bleibt oft unbekannt. Eine Erhebung aus dem Jahr 2022 zeigt, dass nur rund ein Drittel des Gebäcks im österreichischen Einzelhandel mit Getreide aus Österreich hergestellt wird.
Hannes Royer, Gründer des Vereins Land schafft Leben: „Ich kann mich nur dann bewusst für oder gegen ein Lebensmittel entscheiden, wenn ich weiß, woher es kommt und wie es produziert worden ist. Deshalb fordern wir ganz klar eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung – und zwar überall dort, wo wir mit Lebensmitteln in Berührung kommen.“

Ist da Österreich drin?
Wer auf Regionalität setzen möchte, dem wird das nicht leicht gemacht. Zwar weist beispielsweise das AMA-Gütesiegel darauf hin, dass alle wertbestimmenden Zutaten im Brot aus Österreich stammen. Häufiger sind Backwaren aber mit irreführenden rot-weiß-roten Fahnen und Angaben wie „Hergestellt in Österreich“ gekennzeichnet. Diese weisen nur darauf hin, wo das Getreide vermahlen wurde, nicht wo es angebaut wurde. Außerdem dürfen pflanzliche Rohstoffe wie Oliven und Haselnüsse, die nicht in Österreich erzeugt werden, bis zu einem gewissen Mengenanteil auch in Broten mit AMA-Gütesiegel vorkommen.
Dass die Herkunftskennzeichnung im Einzelhandel Zukunft hat, zeigen aktuell 15 österreichische Groß-Bäckereien und Supermarktketten. Sie verkaufen bereits Brot und Gebäck mit AMA-Gütesiegel. Denn wer die Konsumentinnen und Konsumenten heute informiert, sichert sich bewusste Kaufentscheidungen für morgen.

