“Die Goldmedaille hat mich umgehauen!”

Victoria Hudson ist Österreichs Sportlerin des Jahres 2024. Die Speerwerferin stellte im vergangenen Jahr mit 66,06 Metern neuen österreichischen Rekord im Speerwurf auf und gewann bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Rom die Goldmedaille. Wir haben Sie zum retail.at-Interview getroffen.

Wie sind Sie zum Speerwurf gekommen?

Mein Papa Paul ist Engländer, er hat mich schon in jungen Jahren zum Cricket-Training mitgenommen. Ich konnte schon als Kind beim Werfen mit den Erwachsenen mithalten. Eine Freundin hat mich zu einem Leichtathletik-Training mitgenommen. Das war Liebe auf den ersten Blick. Mit 17 Jahren habe ich von meinem Verein, SVS Schwechat, den ersten Speer geschenkt bekommen – damit habe ich letzten Juni EM-Gold in Rom gewonnen.

Was fasziniert Sie an dieser Sportart?

Am Speerwerfen fasziniert mich die Vielseitigkeit bzw. Komplexität der Sportart. Gefragt sind gute Wurftechnik, Schnelligkeit und Kraft. Kaum ein Training gleicht dem anderen. So anstrengend es manchmal auch sein kann – ich habe nach wie vor meinen Spaß. Nicht immer, aber immer öfter.

Was macht eine erfolgreiche Speerwerferin aus?

Du brauchst Explosivität, Kraft und eine solide Wurftechnik. Ich arbeite – mit Trainer Gregor Högler – gerade daran, meine Beine noch stärker bzw. schnellkräftiger zu machen. Das sollte sich dann auch auf die Weite positiv auswirken.

(c) Österreichisches Olympisches Comité / (c) Österreichischer Leichtathletikverband

Auf welchen Erfolg in Ihrer bisherigen Karriere sind Sie besonders stolz?

Auf meinen österreichischen Rekordwurf in Eisenstadt – damit war ich monatelang die beste Speerwerferin Europas bzw. unter den Top 4 der Welt. Und natürlich auf den Europameistertitel von Rom, den ersten für Österreich seit 1971. Ein Stück heimische Sport-Geschichte zu schreiben – davon hätte ich nicht zu träumen gewagt. Mein Ziel war eine Medaille, aber mit Gold war eigentlich nicht zu rechnen. Das hat mich komplett umgehauen, Freudentränen inklusive.

Was ist Ihr nächstes großes Ziel?

Ich will mich zum dritten Mal in Folge fürs Diamond-League-Finale, Ende August in Zürich, qualifizieren. Absoluter Saisonhöhepunkt ist 2025 die Weltmeisterschaft im September in Tokio. Bei den Olympischen Spielen 2021 habe ich das Finale verpasst. Diesmal soll eine Top-Platzierung her, idealerweise ein Platz am Stockerl.

Was bedeutet Erfolg für Sie? Ist es nur die Medaille oder steckt mehr dahinter

Es geht natürlich darum, Meetings und Medaillen zu gewinnen, aber auch darum, Tag für Tag immer besser zu werden. Du brauchst Ausdauer, körperliche und mentale Stärke. Am Tag X musst du bereit sein, deine Topform abzurufen. Das ist in der Praxis gar nicht so leicht …

Haben Sie eine Botschaft an junge Athlet:innen, die von einer Karriere als Leistungssportler:in träumen?

Du musst trotz aller Seriosität immer auch Spaß im Training bzw. bei den Wettkämpfen haben. Nur so kannst du ständig an dein Limit gehen. Und achte darauf, dir Schritt für Schritt ein möglichst professionelles Umfeld aufzubauen – mit Trainer:in, Verein, Anlage, Regenerationsangebot etc.

Sie sind erst die sechste Leichtathletin, die zu Österreichs „Sportlerin des Jahres“ gewählt wurde. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Der „Niki als Sportlerin des Jahres 2024“ bedeutet die Welt für mich. Sich als Speerwerferin gegen so starke Konkurrenz wie Cornelia Hütter (Ski alpin) oder Jessica Pilz (Sportklettern) durchsetzen zu können, ist ein Privileg. Diesen Tag werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Ich war in zwei Kategorien nominiert: „Aufsteigerin des Jahres“ – das hätte ich mir in den kühnsten Träumen vorstellen können, aber „Sportlerin des Jahres“ zu werden, hat meine Vorstellungskraft übertroffen. Ich war zu Tränen gerührt … Dass mein Freund, mein Trainer und mein Hauptsponsor auch dabei sein konnten, hat diesen Abend in der Wiener Stadthalle noch schöner gemacht.

Wie sieht ein typischer Trainingstag aus?

Die Vormittagseinheit dauert zwischen drei und vier Stunden. Zwei Mal pro Woche steht Wurftraining auf dem Programm. Nachmittags folgen Physiotherapie, Massage und Kältekammer. Vor 16:30 Uhr bin ich selten zu Hause. Die trainingsintensivsten Monate, was den Trainings-Umfang angeht, sind Jänner und Februar.

Wie entspannen Sie sich in der Freizeit?

Mit Tätigkeiten, die mich vor allem geistig fordern und die ich zu Hause ausüben kann: kochen, backen, lesen und stricken stehen im Moment ganz oben auf meiner Liste.

Einmal rappen bitte!
DER HANDELS-WORDRAP MIT VICTORIA HUDSON


Am liebsten kaufe ich … Wolle – je bunter, desto besser.

An diesen Läden kann ich nicht vorbeigehen … Buchhandlungen und Spielwarengeschäfte – ich liebe Bücher und Spiele!

Für mein Lieblingsgericht kaufe ich … Bio-Lachs.

Immer in meinen Einkaufswagen lege ich … wenn’s um Lebensmittel geht: eine Knolle Ingwer.

Hätte ich ein eigenes Geschäft, gäbe es dort … Kaffee und Tee, Wolle und Pflanzen.

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