Austrofred: “Das war eigentlich ein reiner Jux!”

Er singt Austropop-Texte zu Queen-Musik. Austrofred begeistert sein Publikum seit über 20 Jahren. Der “Champion”, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, ist auch ein erfolgreicher Autor. Soeben ist “Gänsehaut”, sein bereits achtes Buch, erschienen. Wir haben das oberösterreichische Universalgenie zum Retail-Interview getroffen.

Franz Adrian Wenzl aka Austrofred (© Ingo Pertramer)

In „Gänsehaut“ erklären Sie übernatürliche Phänomene. Haben Sie die tatsächlich selbst erlebt?

Ja, natürlich, sonst hätte ich das Buch ja nicht schreiben können. Ich verstehe auch gar nicht den zweifelnden Unterton in der Frage, weil sonst wäre ich ja ein Lügner und das wird mir hoffentlich niemand unterstellen wollen.

Wann hatten Sie das letzte Mal Gänsehaut?

Also, eine wohlige Gänsehaut habe ich zum Beispiel bei dem Film „Cool Runnings“ gehabt, bei der Szene am Schluss, wo die Jamaikaner ihren Bob ins Ziel tragen. Eine Grusel-Gänsehaut hat mir zuletzt eine megafette Spinne im Bad verursacht. Ein paar Nachbarskinder haben die dann weggemacht, gottseidank, sonst könnte ich immer noch nur Katzenwäsche in der Küchenabwasch machen. Diesbezüglich habe ich leider einen Klescher.

Sie sind mit Ihrem neuen Buch auf Lesetour. Erwartet die Besucher:innen Übernatürliches?

Inhaltlich schon, ich habe auch ein paar gruselige Songs zum Thema. Ansonsten habe ich ein recht weltliches Merchandise-Sortiment dabei, weil ich bin ja im Prinzip auch ein Handelsunternehmer. Größter Verkaufs-Hit: das lebensgroße Austrofred-Strandtuch.

Austrofred hat Kultstatus. Was macht Ihren Erfolg aus?

Ich bin immer an meiner Idee drangeblieben. Und da ist es ja wie mit einer kaputten Uhr: Zweimal am Tag zeigt auch sie die richtige Zeit. Außerdem habe ich enormes Sitzfleisch und eine große Zähigkeit.

Wie entstand die Idee, die Musik von Queen mit Austropop-Texten zu verbinden?

Das war eigentlich ein reiner Jux. Mir ist geschossen, dass – anders als wenn etwa Wolfgang Ambros Lieder von Bob Dylan singt, was ja eine recht ähnliche Erzählhaltung ist – die Kombi aus Queen-Stadionrock und Dialekttext eigentlich einen witzigen Bruch ergeben könnte. Ich hab das dann im Bekanntenkreis lanciert und ausprobiert und hatte gleich Unterstützer und Fans – und binnen Wochen hochkarätige Auftritte.  

Wie hat sich Austrofred in den über 20 Jahren seiner Karriere verändert?

Abgesehen von Wamperl und Glatzerl würde ich behaupten, dass ich heute viel richtiger singe. Und die Figur hat sich von außen her so verändert, dass ein Schnauzbart und Dialekttexte nicht mehr per se komisch sind, sondern Trend-Mainstream. Aber ich gleiche die Figur schon auch immer mit den Befindlichkeiten der Zeit und meines Körpers ab.

Was war Ihr verrücktestes Bühnenoutfit?

Ich hab ja gar nicht so viele Outfits, und die sind alle auf Freddie-Mercury-Linie. Neben dem gelbweißen „Magic“-Outfit, das ich zu 80 Prozent anhabe, sind das ein Lack-Anzug und mehrere Spandex-Anzüge mit weitem Ausschnitt. Bald möchte ich mir aber das Freddie-Mercury-Kostüm aus dem „It’s a hard life“-Video nachschneidern lassen, das ist dann sicher das exzentrischste …

Welche Projekte sind aktuell in der Pipeline?

Unlängst habe ich ein Anton-Bruckner-Bio-Pic abgedreht und schon bin ich wieder mit meinem musikalischen „Partner in Crime“ Kurt Razelli im Studio. Außerdem stelle ich gerade für einen deutschen Taschenbuchverlag einen Best-of-Austrofred-Reader zusammen … also einiges los!

“Österreichs einziger Rockstar von internationalem Format” (© Ingo Pertramer)

Wird sich Austrofred auch mal zur Ruhe setzen?

Ich weiß nicht, ob ich mir das leisten werde können oder ob ich das überhaupt will. Aber natürlich kann es sein, dass ich mal gebrechlich bin und meine Geschäftstätigkeit rein aufs Schreiben verlegen muss. Andererseits: Wer weiß, was bis dahin noch erfunden wird? Beamen! Selbstfahrende Rollatoren!

Hinter Austrofred steht Franz Adrian Wenzl: Wie viel von Ihnen steckt in Austrofred?

Mehr als mancher glauben möchte. Wenn man davon ausgeht, dass sowieso jeder, der in der Öffentlichkeit steht, eine Rolle spielt, dann ist dieser Anteil bei einer Kunstfigur vielleicht ein bisschen höher. Aber: Hier das authentische Ich, dort die Austrofred-Larve, die ich mir drüberschmeiße – so ist das nicht.

Gibt es ein Ritual vor dem Auftritt, um Austrofred zu werden?

Ja, ich tu der Bühne gegenüber so, als würde sie mich gar nicht interessieren. Ich schleiche herum wie eine Katze, nippe an meinem Bier, wechsle ein paar Worte mit den Bühnen-Arbeitern – und dann, wenn keiner damit rechnet, springe ich überraschend auf die Bühne und bin voll da. Oft überrasche ich mich damit sogar selber!

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