Irina Andorfer leitet seit 2024 die Sportfachhandelsgemeinschaft SPORT 2000 Österreich, ein Netzwerk aus mehr als 150 Händler:innen im Lande. Im Interview schildert sie ihren Weg zur Geschäftsführerin, die starke Verknüpfung von Sport und Karriere und warum sie Meetings manchmal auch mit Ski- oder Bergtouren verknüpft.

Beginnen wir am Anfang Ihrer Karriere. Wenn Sie an Ihre ersten beruflichen Schritte denken, was fällt Ihnen spontan ein?
Ich wollte schon immer unbedingt in die Sportbranche, weil Sport seit meiner Kindheit eine große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Und ich wollte immer mein Hobby zum Beruf machen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich einmal ein Assessment-Center durchgemacht und dann aber eine Absage erhalten habe.
Wie sind Sie mit dieser Niederlage umgegangen?
Ich habe das nicht verstehen können. Dann habe ich gekämpft. Ich bin drangeblieben und war beharrlich. Das hat mir schlussendlich den Weg geebnet, und es war der Einstieg in die Branche. Da wurde mir bewusst, dass Klarheit und Beharrlichkeit oft entscheidender sind als ein perfekter Lebenslauf.
Wann war das? Gleich nach Ihrem Studium?
Das war vor mehr als20 Jahren, sogar noch während meines Studiums. Ich habe Sportmanagement in Salzburg studiert, einen Teil davon auch in Italien absolviert. Als ich wieder zurück nach Österreich gekommen bin, habe ich gesagt: Ich will neben meinem Studium arbeiten. Das war bei einer Promotion-Agentur von Adidas. Wenn du in das Netzwerk reinkommst, ergeben sich weitere Schritte.
Hätten Sie seinerzeit gedacht, dass Sie einmal für mehr als 150 Sporthändler:innen in Österreich verantwortlich sind?
Ich habe immer den Anspruch gehabt, Verantwortung zu übernehmen und Dinge aktiv zu gestalten. Das Ziel war nie eine Position, aber die Wirkung, die man in einem Unternehmen erzielen kann. Ich war immer schon zielstrebig, und Stillstand war nie eine Option. Ich denke schon, dass es entscheidend ist, die Chancen zu erkennen und sie dann zu ergreifen. Unser Ziel ist es heute, uns als agile Retail Service Organisation zu positionieren, die Services und Expertise mit einem starken Netzwerk verbindet.
Kommen wir kurz zu den Positionen zurück, die Sie schon bekleidet haben. Wie gehen Sie mit Druck und Verantwortung um?
Druck ist Teil von der Verantwortung. Ohne Druck kommst du nicht zu deinen Bestleistungen. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Du musst einfach fokussiert bleiben, auch wenn es anstrengend wird, und du musst deine Energie gut managen.
Wie managen Sie denn Ihren Energiehaushalt?
Mit Sport, Familie, Freunden und Reisen.
Das ist natürlich eine Frage des Zeitmanagements.
Du musst dir bewusst sein, was deine Prioritäten sind. Wie managst du deinen Kalender? Wann brauchst du Zeiten auch für dich selbst? Ich war zuletzt eine Woche Radfahren an der Côte d’Azur. Da komme ich zurück und bin voller Energie.
Das heißt, man kann oder soll sich auch als Managerin solche Auszeiten nehmen?
Unbedingt, das ist ganz wichtig. Und da ist ja auch wieder ein Konnex zum Sport: Auch im Sport wird man aus der Regeneration heraus stark. Und das ist im Beruf ja nichts anderes.

Welche Bedeutung hat Sport in Ihrem Leben?
Sport ist mein Leben und Sport prägt einfach meine Haltung, meine Disziplin, meinen Umgang mit Herausforderungen, mein Durchhaltevermögen und meine Zielstrebigkeit.
Wie wirkt sich das auf Ihren Führungsstil aus?
Es ist dieses Mindset aus Disziplin, Ausdauer und Zielorientierung, das meinen Führungsstil und meine Arbeit mit meinem Team und unseren Partner:innen prägt.
Welcher Sport ist ihr liebster?
Ich bin multisportiv, eine Generalistin. Auf jeden Fall bin ich gerne draußen und auf dem Berg: Trailrunning, Touren mit dem Gravel- oder Mountainbike, mit dem Rennrad, Klettern, Langlaufen oder Skifahren.
Woher nehmen Sie die Zielstrebigkeit, Ihre Motivation?
Ein großer Teil kommt aus dem Sport und dem kontinuierlichen Arbeiten an Zielen. Und Motivation entsteht aus einer inneren klaren Ausrichtung. Wenn man weiß, wofür man etwas tut, dann bleibt man auch dran.
Welche Hürden gibt es denn im Management zu überwinden, tagtäglich und auch insbesondere in der Sporthandelsbranche, die ja ein sehr umkämpftes Spielfeld ist?
Die größte Herausforderung ist die Geschwindigkeit der Veränderung. Märkte und Kundenverhalten entwickeln sich permanent weiter. Das erfordert Flexibilität, die Fähigkeit, Komplexität zu reduzieren und Orientierung zu geben. Gleichzeitig geht es darum, ein starkes Netzwerk zu verbinden. Gehe einfach deinen Weg und konzentriere dich auf dich selbst. Dann ist die Geschwindigkeit der Veränderung zwar da, aber du kannst ihr gut begegnen.
Sie sind seit 2024 Geschäftsführerin von SPORT 2000 Österreich. Und Sie sind Sie auch die erste Frau an der Spitze dieser Sportfachhandelsgesellschaft. Ist es für Sie Ehre oder auch ein und ein Beispiel dafür, wie Frauen oder Mütter es in diese Position schaffen können?
Ich sehe die Rolle vor allem als Verantwortung und als Chance, etwas zu bewegen. Es ist es ein wichtiges Signal, wenn sich Rollenbilder weiterentwickeln. Für mich steht aber ganz klar im Vordergrund, Verantwortung zu übernehmen und die Leistung sichtbar zu machen.
Sie sind ja auch Mutter. Was ist Ihr Rezept, um Führungsposition und Familie gut miteinander zu verbinden?
Ein Rezept gibt es da nicht. Wichtig ist, eine klare Haltung zu dem Thema zu haben, Prioritäten bewusst zu setzen und realistische Ansprüche zu haben. Gleichzeitig braucht es ein unterstützendes Umfeld, aber entscheidend ist, präsent zu sein, ohne den Anspruch, immer alles perfekt machen zu müssen.
Es gab und gibt bei SPORT 2000 Österreich einen großen Umstrukturierungsprozess. Wie lernt man persönlich auch aus solchen Entwicklungen, die man selbst mitträgt?
Change zeigt in Wahrheit, wie Organisationen wirklich funktionieren. Klarheit, Kommunikation und Konsequenz sind essenziell. Veränderung bringt auch immer Unsicherheit mit sich. Da muss Führung Orientierung geben. Wir erleben den Change als laufenden Entwicklungsprozess hin zu einer agilen Retail-Service-Organisation mit einem klaren Fokus auf Partnermanagement. Es braucht Klarheit über die Ziele. Dafür braucht es Vertrauen und dafür wiederum Freiraum. Dann kommen die Ergebnisse von allein. Leistung zeigt sich nicht nur in Ergebnissen, sondern auch in Haltung.
Wie haben sich die beruflichen Umstände für Sie im Lauf der Jahre geändert? Auch aus der Sicht der Konsument:innen und Partner:innen?
Die Geschwindigkeit zählt immer mehr. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden. Und: Konsument:innen erwarten heutzutage viel mehr als nur Produktvielfalt oder Produktverfügbarkeit.
Wie wichtig ist Ihnen der persönliche Austausch?
Er ist mir sehr wichtig. Weil du nur durch Nähe Vertrauen aufbauen und Dinge weiterentwickeln kannst. Das steckt in meinem Naturell. Und deswegen mache ich meinen Job auch so gerne. Ich habe Meetings schon auf einem Viertausender gemacht, beim Radfahren oder bei einer Skitour. Das sind ganz andere Gespräche, ganz andere Verbindungen. Das ist eine Emotion, die kannst du nicht beschreiben. Und die kannst du gemeinsam mit deinen Kolleg:innen, Partner:innen oder Kund:innen erleben, das ist einzigartig. Ich glaube, dass es das in keiner Branche gibt, außer in unserer.
Steckbrief: Irina Andorfer
Funktion und Unternehmen: Geschäftsführerin SPORT 2000 Österreich, Mitglied des Handelsverband-Präsidialrats, Mitglied des VSSÖ-Präsidiums, Board Member der European Outdoor Group
Mein Berufswunsch als Kind: Ich wollte immer schon entweder etwas mit Sport machen oder Pilotin werden. Ich habe diese Berufswünsche verbunden – heute steuere ich Teams und Unternehmen.
Mein erlernter Beruf: Sportwissenschafterin mit Schwerpunkt Management und Medien
Drei Begriffe, die mir spontan zu „Handel“ einfallen: People’s Business, Servicequalität, Transformation
Meine bisher größte berufliche Herausforderung: Die strategische Weiterentwicklung von SPORT 2000 Österreich: weg von einer Einkaufsgenossenschaft hin zu einer agilen Retail-Service-Organisation und die klare Positionierung als erste Wahl für spezialisierte Sportfachhändler:innen, die sich durch Kompetenz, exzellenten Service und persönliche Beratung erfolgreich im Markt positionieren möchten.
Mein bisher größter beruflicher Erfolg: Mein größter beruflicher Erfolg ist, meine Leidenschaft für Sport in eine Karriere transformiert zu haben, in der ich mit Energie und Überzeugung Menschen bewegen und echte Veränderung gestalten kann.
Mein Leadership-Verständnis: Flexibilität, Klarheit, Mut. Da sein, um zu bewegen!
Mein Lebensmotto:„Impossible is nothing.“
Was ich selbst am liebsten kaufe: Sportequipment und Bücher – beides inspiriert mich, in Bewegung zu bleiben, körperlich wie mental.
