Sutterlüty: „Nit lugg lo“

Wir sprachen mit Jürgen Sutterlüty und seinem Sohn Florian, die nicht nur ein Unternehmen, sondern auch das Lebensmotto „Nit lugg lo“ (Vorarlbergerisch für „Nicht locker lassen“) gemein haben, darüber, was ihren Erfolg ausmacht.

Jürgen und Florian Sutterlüty © Sutterlüty

„Sutterlüty“, das ist Ländle pur. Was 1952 mit einem Hofladen in Egg im Bregenzerwald begann, ist heute eine der bekanntesten Lebensmittelhändler in Vorarlberg. Jürgen Sutterlüty hat die Unternehmensleitung Ende 2024 an seinen Sohn Florian übergeben, ist aber strategisch weiterhin an Bord.

retail.at: Wie hat denn Ihre berufliche Karriere begonnen? 

Jürgen Sutterlüty (JS): Als ich neun Jahre alt war, haben wir einen Supermarkt in unserem Standort in Hittisau in Bregenzerwald eröffnet. Da hat mein Vater hat gemeint, jetzt wird es Zeit, dass ich mithelfe. Von diesem Zeitpunkt weg hat mich das Familiengeschäft immer begleitet. Es hat mir nicht immer Spaß gemacht, diesen Pflichten nachzukommen, in den Ferien zu arbeiten, wo andere die Freizeit genossen haben. Aber es war eine gute Art von der internen Lehrausbildung an über die viele Jahre hinweg.

Florian Sutterlüty (FS): Ich war noch jünger, acht Jahre alt, als ich begonnen habe, mitzuarbeiten. Während des Studiums war ich mir dann nicht ganz sicher, ob es direkt in den Lebensmittelhandel gehen soll. Ich war ein paar Jahre in der Unternehmensberatung in Wien tätig. Nach einem Wechsel zu Rewe, wo ich drei Jahre in der Strategie gearbeitet habe, bin ich wieder auf den Geschmack gekommen und habe im Familienunternehmen neu gestartet.

Waren die Leitung und der Aufbau eines Unternehmens immer schon das Berufsziel?

JS: Ich hatte ganz andere Träume. Ich wollte Zoologe werden und in der Serengeti leben. Die Natur und die Tierwelt haben es mir angetan, ein Leben lang bis heute.

Aber das kann man dennoch in Vorarlberg ganz gut mit dem Lebensmittelhandel kombinieren, oder?

JS: Das war dann der Grund, dass ich geblieben bin. Weil ich festgestellt habe, dass ich dank meiner Leidenschaft für Landwirtschaft und für Naturprodukte, im Austausch mit unseren vielen regionalen Lieferpartnern, in eine Welt eintauchen darf, die meinen Interessen entspricht. Das hat mich sehr motiviert. Das hat auch dazu geführt, dass Sutterlüty so stark in die Regionalität gegangen ist.

Wie haben sich denn die beruflichen Umstände im Lauf der Jahre geändert?

JS: Mein beruflicher Einstieg war nicht friktionsfrei, weil das Unternehmen damals vier Gesellschafter und ein Dutzend Kinder aus dieser Gesellschaftsstruktur hatte. Das Unternehmen war in vielen Bereichen tätig, von Sägewerk, Landwirtschaft, Textilien, Gastronomie bis hin zum Supermarkt.

Steckbrief: JÜRGEN SUTTERLÜTY

Tätigkeit: Geschäftsführer und Eigentümer der Sutterlüty Holding GmbH
Erster Berufswunsch: Zoologe
Erlernter Beruf: Betriebswirt
3 Begriffe, die mir spontan zu Handel einfallen: Dynamik, Genuss und Menschen
Bisher größte Herausforderung: Die Trennung der Familienstämme und selbstständig in die Zukunft zu gehen
Bisher größter beruflicher Erfolg: Sich als regionales Handelsunternehmen im Konzert der Großen erfolgreich entwickeln zu dürfen
Lebensmotto: „Nit lugg lo“ – das ist Vorarlbergerisch und bedeutet „Nicht locker lassen“
Welches Produkt ich am liebsten kaufe: Frischen Salat von der Insel Reichenau

Also sehr heterogene Strukturen?

JS: Genau. Und da war es schwer, Veränderungsprozesse voranzutreiben. Wir haben es dann geschafft, diese Familienstrukturen zu trennen. Ich konnte mit meinem Vater im Lebensmittelbereich weitermachen und diese Sparte erfolgreich entwickeln. Das war schon ein Reifeprozess für meine Persönlichkeit.

FS: Für mich war eine große Veränderung jene, dass ich von einem Angestelltenverhältnis in ein Geschäftsführungsumfeld gewechselt bin. Anfangs war ich mit meinem Vater gemeinsam in der Geschäftsführung. Das war eine schöne Zeit, und ich konnte viel von ihm lernen. Das vergangene Jahr ohne ihn im operativen Geschäft war noch einmal eine ganz neue Herausforderung.

JS: Das ist ja auch ganz klar, wenn derjenige, der 35 Jahre lang das Unternehmen geprägt hat, weg ist. Das wir beide hier gemeinsam im Büro sind, ist übrigens unüblich, ich war jetzt acht Wochen nicht mehr hier. Ich habe mein eigenes Büro auswärts.

Also eine bewusste Trennung?

JS: Bewusst, weil ich die Geschäftsführung nicht stören will. Wenn ich hier bin, würden immer Mitarbeiter zu mir kommen, mich ansprechen und mich im Fokus haben. Das wollte ich vermeiden. Wir haben einen sehr intensiven Austausch, aber der findet nicht hier statt.

Was haben Sie Wichtiges in Ihrer Karriere gelernt?

JS: Verantwortung zu übernehmen. Was es bedeutet, Mitarbeiter:innen für eine Aufgabe zu begeistern und sie mitzunehmen, sie im Boot zu haben. Ich habe gelernt, ungeduldig zu sein und geduldig zu sein, Verständnis für Kund:innen zu haben und zu wissen, was ihre Bedürfnisse sind. Aber genauso war es wichtig, über den Tellerrand zu schauen und zu wissen, wohin Entwicklungen des Marktes einer Branche, einer Gesellschaft oder von Strukturen gehen.

FS: Mein Vater hat einige gute Punkte aufgezählt. Was, was ich als Geschäftsführer gelernt habe, ist sicher das Thema Fokussierung. Man hat sehr viele Themen, um die man sich kümmern muss, aber es ist nicht immer ganz einfach, den richtigen Fokus zu setzen. Es ist eine Herausforderung, eine Idee in die Umsetzung zu bringen.

Wie motivieren Sie sich?

JS: Ich muss mich nicht motivieren, weil ich intrinsisch leidenschaftlich bin. Wenn ich am Morgen aufstehe, dann freue ich mich des Lebens. Ich habe einen hohen Adrenalinspiegel und bewege gerne Dinge. Es macht mir unglaublich Spaß, die Aufgabe wahrzunehmen, in der ich tätig sein darf mit unseren Unternehmen, unseren Betrieben, unseren Mitarbeiter:innen.

FS: Work-Life-Balance, das gibt es für mich nicht. Ich habe eine spannende Rolle tagtäglich mit einem wundervollen Team, wo man herausfordernde und schöne Dinge lösen und für unsere Kunden da sein kann. Das motiviert von alleine.

Jürgen und Florian Sutterlüty © Sutterlüty

Ihr Unternehmen ist ein Familienbetrieb, der in der dritten Generation geführt wird. Wie schafft man es, Familie und Geschäft miteinander zu verbinden?

JS: Es braucht das Bewusstsein, dass ohne beiderseitiges Bemühen so ein Prozess niemals friktionsfrei rund ablaufen kann. Und dieses Bewusstsein hatten wir zwei vor fünf Jahren. Wir haben uns überlegt, wie könnte man so einen Prozess gestalten? Wir haben uns beide eingebracht, haben uns auch begleiten lassen. Und in diesem Prozess ist jedem von uns klar geworden: Es gibt gewisse Dinge, da müssen wir uns verändern, wenn wir wollen, dass das gemeinsam erfolgreich vonstattengeht.

Was war ihr Learning dabei?

JS: Der größte Veränderungsprozess liegt beim Senior und nicht beim Junior. Das war für mich ein großes Stück Arbeit. Ich hatte eine schwierige Übergabesituation mit meinem Vater. Die hat mich damals stark belastet über viele Jahre hinweg. Es war mir wichtig, dass ich das in der nächsten Generation nicht mehr so erlebe. Deswegen habe ich sehr konsequent an mir gearbeitet und auch versucht, Florian den Weg so zu bereiten, dass wir das gemeinsam mit Spaß schaffen. Und ich meine, das ist uns gut gelungen.

FS: Es braucht Objektivität. Familie und Geschäft dürfen sich nicht zu stark vermischen. Wir haben auch immer schon auf externes Management gesetzt, weil wir unseren Leuten Möglichkeiten geben wollen, sich im Unternehmen zu entwickeln und auch die nötige Objektivität zu schaffen, was Kompetenzen und Führung anbelangt.

Sutterlüty ist ja vor allem in Vorarlberg bekannt. Wie sieht es denn mit einer Expansion in den Osten aus?

JS: Unser Konzept ist auf den Vorarlberger Markt zugeschnitten und hier klar positioniert. An dem wird sich voraussichtlich auch nichts ändern. Aber Sutterlüty ist ja auch ein produzierendes Unternehmen, und da sind wir auch schon im Osten von Österreich vertreten, mit unseren Produkten im Handel und in der Gastronomie.

FS: Genau. Unsere Backwaren und unseren Käse gibt es praktisch in jedem Billa. Also ein bisschen Regionalität haben wir auch national.

Sparen bedeutet nicht Konsumverzicht, sondern bewussteren Konsum. Wir sehen kleinere Warenkörbe, mehr Preisvergleiche und eine stärkere Nachfrage nach Eigenmarken. Gleichzeitig steigt die Erwartung, dass Preise nachvollziehbar und fair sind. Konsument:innen hinterfragen stärker, wofür sie ihr Geld ausgeben. Gesamtwirtschaftlich verschiebt sich der Konsum damit stärker in Richtung bewusster Entscheidungen und stabilerer Nachfrage, statt kurzfristiger Konsumimpulse. Für den Handel heißt das: Nicht automatisch der günstigste Anbieter gewinnt, sondern jener, der Preiswürdigkeit glaubhaft vermittelt. Vertrauen, Konsistenz und ein klar positioniertes Angebot werden in einem Umfeld vorsichtiger Konsument:innen zu zentralen Wettbewerbsfaktoren. Wachstum entsteht dabei weniger durch steigende Verkaufszahlen, sondern dadurch, dass Kund:innen häufiger zurückkehren und dem Angebot langfristig treu bleiben.

Steckbrief: FLORIAN SUTTERLÜTY

Tätigkeit: Geschäftsführer der Sutterlüty Handels GmbH, insbesondere zuständig für Vertrieb, Human Resources und Strategie. Zwei Co-Geschäftsführer decken die weiteren Bereiche ab.
Erster Berufswunsch: Archäologe
Erlernter Beruf: Volkswirt
3 Begriffe, die mir spontan zu Handel einfallen: Regionalität, Frische, Menschen
Bisher größte Herausforderung: Der Einstieg in unser Unternehmen und das Projekt, wo wir gemeinsam mit Rewe vor zwei Jahren die Billa-Standorte in Vorarlberg zu Sutterlüty firmiert haben
Bisher größter beruflicher Erfolg: Die Möglichkeit, Sutterlüty weiterhin im Konzert der Großen mitspielen zu lassen
Lebensmotto: Ich schließe mich meinem Vater an: Nit lugg lo – Vorarlbergerisch für „Nicht locker lassen“
Welches Produkt ich am liebsten kaufe: Der Sutterlütys achtmonatige Bregenzerwälder Bergkäse

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