CO2-Emissionen: Der Hebel liegt in der Wertschöpfungskette


Laut einer neuen Studie von Oliver Wyman ist der Handel für ein Drittel des europäischen CO2-Fußabdrucks verantwortlich – jedoch nur indirekt. Denn 98 % der CO2-Emissionen fallen in vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette an. Um Klimaneutralität zu erreichen, ist deshalb eine deutlich verbesserte Zusammenarbeit entlag der Wertschöpfungskette erforderlich. Dafür gibt es acht Erfolgsfaktoren.

Oliver Wyman und EuroCommerce machen acht Erfolgsfaktoren aus, mit denen der Weg zur Klimaneutralität beschleunigt werden kann. © Adobe

Um die Klimaerwärmung zu beschränken, hat sich die EU das das Ziel gesetzt, bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. In Österreich soll dieses Ziel sogar bereits 2040 erreicht werden. Um Klimaneutralität zu erreichen, gilt es zunächst, menschengemachte Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren. Verbleibende Emissionen müssen schließlich aus der Atmosphäre entfernt werden.

Wie eine gemeinsame Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman und EuroCommerce zeigt, entfallen jährlich rund 1,6 Gigatonnen CO2-Äquivalente auf Aktivitäten des Groß- und Einzelhandels. Das entspricht einem Drittel des europäischen CO2-Fußabdrucks. Doch sind nur 2 % davon das Ergebnis direkter Betriebsabläufe oder des Energieverbrauchs des Handels (Scope 1 und Scope 2).

Der enorme Rest von 98 % der CO2-Emissionen stammen aus Scope-3-Emissionen, also aus Aktivitäten von Produzenten und Herstellern entlang der Wertschöpfungskette sowie aus dem Energieverbrauch nach dem Kauf eines Produkts

Fortschritte bei Scope1 und 2

Die Studie untersuchte den CO2-Fußabdruck der Wertschöpfungsketten im europäischen Einzel- und Großhandel und entstand unter Mitarbeit von über 25 führenden Unternehmen und Wirtschaftsverbänden. Besonders beleuchtet werden dabei die vier Teilsektoren Lebensmittel und Getränke, Gesundheit und Beauty, Textilien und Bekleidung sowie Unterhaltungselektronik, Wohnen und Heimwerken (DIY).

Zwar haben einige Einzel- und Großhändler bei der Rückverfolgung und der Reduzierung von Emissionen bereits haben erhebliche Fortschritte, insbesondere in den Bereichen Scope 1 und 2. Gleichzeitig zeigt die Studie aber, dass der Sektor seine Bemühungen entlang der Wertschöpfungskette intensivieren muss, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Zudem verdeutlicht die Untersuchung, dass es dringend einer einheitlichen europäischen und branchenweiten Methodik bedarf, um Scope-3-Emissionen zu quantifizieren und Reduktionsmöglichkeiten zu identifizieren. Sobald dies erreicht ist, wird es leichter, den CO2-Fußabdruck zu verringern, Investitionen zu steuern und gemeinsam Herausforderungen anzugehen. All das kann nur durch die Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen, Sektoren und Länder bewältigt werden.

Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette erforderlich

Christel Delberghe, Generaldirektorin von EuroCommerce, kommentiert: „Obwohl die Branche hunderttausende von Lieferanten mit mehreren hundert Millionen europäischen Verbrauchern verbindet, liegen nur zwei Prozent der Kohlenstoffemissionen in seiner direkten Kontrolle. Das heißt, dass eine bedeutende Veränderung in Richtung Dekarbonisierung eine viel stärkere Zusammenarbeit und gemeinsame Standards entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfordern wird. Für KMUs, die nicht über die Ressourcen und Fähigkeiten großer Unternehmen verfügen, werden spezielle Ansätze erforderlich sein.”

Rainer Münch, Partner und Leiter der europäischen Praxisgruppe Handel und Konsumgüter bei Oliver Wyman, kritisiert besonders die aktuell noch bestehende Unsicherheit bei den Berechungsmethoden: „Die derzeitige Variation der Berechnungsstandards für Scope-3-Emissionen ist erstaunlich und erfordert eine größere Standardisierung auf europäischer Ebene und darüber hinaus. Unsere gemeinsame Studie zeigt Unternehmen zudem Möglichkeiten auf, ihr ESG-Betriebsmodell weiterzuentwickeln und ihre Dekarbonisierung effektiver zu gestalten.“ Gleichzeitig sei das Erreichen des Netto-Null-Ziels auch von technologischen Innovationen und einer Veränderung des Konsumverhaltens abhängig.

Acht Erfolgsfaktoren

Dabei werden acht Erfolgsfaktoren ausgemacht, wie sich der Weg zu Netto-Null beschleunigen ließe:

  1. eine harmonisierte Methodik zur Berechnung von Scope-3-Emissionen,
  2. einen besseren Zugang zu Lieferketten- und Verbrauchsdaten,
  3. einen klaren und verlässlichen regulatorischen Rahmen,
  4. eine schnelle Skalierung der derzeitigen Dekarbonisierungsmaßnahmen,
  5. mehr Technologie- und Infrastrukturinnovationen,
  6. eine höhere Verbraucherakzeptanz nachhaltiger Entscheidungen,
  7. anspruchsvolle ESG-Betriebsmodelle von Unternehmen und
  8. eine verbesserte Zusammenarbeit über das gesamte Branchenökosystem hinweg.

Zur kompletten Studie geht es hier

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