Retail Talk mit Michael Buchinger: “Humor ist ein starkes Werkzeug”

Michael Buchinger hat mit 16 seine ersten Videos auf Youtube veröffentlicht. Heute ist das Multitalent erfolgreicher Influencer, Podcaster, Kabarettist und Autor. Sein erster Kriminalroman mit dem Titel „Bella Barks letztes Like“ spielt im Influencer-Milieu.

Michael Buchinger © Dominik Pichler

Sie haben Ihren ersten Krimi veröffentlicht. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich wollte schon lange etwas schreiben, das komplett erfunden ist, aber trotzdem nach meiner Welt klingt. Außerdem habe ich gehört, dass ein guter Krimi immer mit einer Scheinwelt bricht. Und da lag’s irgendwie nahe, einen Mord in einem Influencer-Retreat spielen zu lassen. Ich sag mal so: In dieser Branche sind viele Leute bereit, über Leichen zu gehen und ich habe es einfach wörtlich genommen.

Wie viel Michael Buchinger steckt in der Hauptfigur Leo Escher?

Mehr, als mir lieb ist. Leo hat meine Unsicherheiten, aber auch meinen Hang dazu, alles zu überanalysieren. Bei ihm ist es halt nützlich, weil er Morde aufklärt. Ich dagegen denke nur im Nachhinein zu viel darüber nach, ob ich auf einer Party irgendwas Peinliches gesagt haben könnte.

Was macht einen guten Krimi aus?

Dass man mitraten will und dass man die Bücher nicht nur wegen des Falls, sondern wegen der Figuren liest. Ich hab einen klassischen „Cozy Krimi” geschrieben, mit schrulligen Charakteren, einem gemütlichen Setting in den österreichischen Bergen und nur ganz wenigen schaurigen Passagen, sodass man sich beim Lesen eher wohlfühlt. 

Sie haben auch ein Kochbuch geschrieben. Wie oft kochen Sie? Und was am liebsten?

Ehrlich? Momentan nicht oft, denn die Krimi-Promo nimmt mir wertvolle Koch-Zeit. Aber wenn, dann liebe ich gerade alles, was man in einem Topf zusammenschmeißen und tagelang essen kann: Currys, Chilis, Suppen.

Ihre Karriere haben Sie mit Youtube-Videos gestartet. Wie kam es dazu?

Ich war 16 Jahre alt, ein gelangweilter Schüler an einer katholischen Privatschule und brauchte einfach ein kreatives Ventil. Also habe ich die alte Digitalkamera meines Vaters angeworfen und lustige, aber rückblickend betrachtet auch eher peinliche Videos für YouTube aufgenommen. Das habe ich meinen Eltern zwar am Anfang verheimlicht, aber nachdem ich recht schnell von Fremden auf der Straße angesprochen wurde, musste ich mit der Sprache rausrücken.

Sie gehen offen mit Ihrer Homosexualität um. Ihr Humor ist ehrlich und selbstironisch. Ist das ein Weg, um queere Themen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen?

Total. Ich glaube wirklich, dass Humor ein unglaublich starkes Werkzeug ist, um Menschen zu erreichen, die sich sonst gar nicht mit queeren Themen auseinandersetzen würden. Wenn du jemanden zum Lachen bringst, ist der Widerstand schon gebrochen, dann hören die Leute plötzlich zu. Ich rede ja nicht mit erhobenem Zeigefinger über Sexualität oder Identität, sondern einfach aus meinem Leben heraus. Und manchmal merken die Leute erst nachträglich, dass sie gerade etwas über queere Erfahrungen gelernt haben. 

Sie sind sehr vielseitig und lassen sich offensichtlich gerne auf Neues ein. Haben Sie Angst vor dem Scheitern?

Natürlich, die hab ich ständig. Ich geh meistens mit einer Mischung aus Euphorie und Panik an neue Dinge heran. Aber ich mach’s trotzdem, weil ich gelernt habe, dass das Gefühl des Scheiterns oft gar nicht so schlimm ist, wie man es sich vorher ausmalt. Und manchmal entstehen aus vermeintlichen Flops sogar die spannendsten Sachen. 

Sie waren 2023 auch Kandidat bei Dancing Stars. Was war der Beweggrund? Tanzen Sie noch immer?

Ich wollte etwas machen, das mir Angst macht und das hat hervorragend funktioniert. Ich hab vor der Show wirklich gedacht: „Das wird mein Untergang.“ Aber es wurde dann eine der coolsten Erfahrungen meines Lebens. Tanzen werde ich trotzdem nie wieder.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

Erfolg ist für mich, wenn ich mit dem, was ich mache, andere Menschen berühren oder unterhalten kann und gleichzeitig das Gefühl habe, dass es mir selbst gut damit geht. Ich hatte früher oft das Gefühl, Erfolg bedeutet, dass man immer mehr, schneller, besser sein muss. Mittlerweile sehe ich das entspannter. Wenn ich abends auf der Couch sitze und denke „Ich hab heute was gemacht, das mich erfüllt hat“, dann ist das für mich schon Erfolg. 

Verraten Sie uns, welche Projekte in nächster Zeit geplant sind? Werden Sie uns in neuen Rollen überraschen?

Am 20. November kommt „Aufputzt is’” in die Kinos – eine österreichische Weihnachtskomödie, in der ich mitspielen durfte. Außerdem bastle ich gemeinsam mit einer tollen Drehbuchautorin an einer fiktionalen TV-Serie, die mir sehr am Herzen liegt. Und wer weiß, vielleicht kehrt ja auch Leo Escher, mein Krimi-Ermittler, bald zurück. Ich hab jedenfalls noch ein paar Morde im Kopf.

Einmal rappen bitte!
DER HANDELS-WORDRAP MIT MICHAEL BUCHINGER

Am liebsten kaufe ich … Büroartikel. Ich besitze mehr Notizbücher, als ich Gedanken habe.

Mein verrücktester Kauf war ein überdimensionales Arnold-Schwarzenegger-Buch mit goldenen Seiten.

Immer in meinen Einkaufswagen lege ich … eine Packung Heidelbeeren. Der perfekte Snack für zwischendurch, reich an Antioxidantien. 

An diesem Geschäft kann ich nicht vorbeigehen… Buchhandlungen. Ich sag immer: „Ich schau nur kurz rein“ – und komm Stunden später mit einem Stapel Bücher raus.

Für mein Lieblingsgericht kaufe ich … Pasta, Tomaten in der Dose und Wodka.

Hätte ich ein eigenes Geschäft, gäbe es dort… Snacks, Sarkasmus und gute Beleuchtung.

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