Harald Hauke ist Vorstandssprecher der Altstoff Recycling Austria (ARA). Er ist an vorderster Front, wenn es um die Herausforderungen der Circular Economy bei der Verpackung geht. Beim Tag des Handels am 9. und 10. Oktober wird er in Gmunden auf der Bühne stehen. Retail-Redakteur Christian Lenoble hat ihn zum Sommer-Interview getroffen.
Wie würden Sie die österreichische Verpackungswirtschaft punkto Stärken und Schwächen charakterisieren?
Die heimische Verpackungsbranche steht vor einer der großen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft: den Lebenszyklus von Produkten deutlich zu verlängern. Das heißt: Wir müssen Verpackungen so gestalten, dass sie mehrfach verwendet werden können oder vollständig recycelbar sind. Hierbei ist es wichtig, dass wir nicht nur auf die Materialien achten, sondern auch auf den gesamten Produktionsprozess. Wir brauchen Kreislaufverpackungen, die diesen Anforderungen gerecht werden. Schließlich erhöht die EU-Verpackungsrichtlinie (PPWR) die Anforderungen an Verpackungen deutlich. Das bedeutet Optimierungsbedarf für die österreichische Verpackungswirtschaft, die sich seit jeher durch hohe Qualität und Innovationsfreudigkeit auszeichnet.
In Anbetracht der Nachhaltigkeitsagenda kommt diesem Industriezweig eine wachsende Bedeutung zu. Wie beurteilen Sie hierzulande die Rahmenbedingungen für Unternehmen, die innovative nachhaltige Verpackungen entwickeln und anwenden wollen?
Aus unserem jährlichen Circular Economy Barometer wissen wir, dass die Zahl derer, die in den Bereich kreislauffähiger Verpackungen investieren, stetig steigt – vor allem bei großen Unternehmen. Wir bieten etwa unseren Kund:innen mit dem „Packaging Cockpit“ eine Möglichkeit, die eigenen Verpackungen in Hinblick auf deren Recyclingfähigkeit, Carbon Footprint oder Ökobilanz überprüfen zu lassen. Diese Analyse bildet eine wichtige Grundlage für künftige Investitionen.
Was die Unternehmen jedenfalls brauchen, ist mehr Rechts- und damit Planungssicherheit. Ab 2030 darf laut neuer EU-Verpackungsverordnung niemand mehr Verpackungen in Verkehr bringen, die nicht recyclingfähig sind oder keine Rezyklate enthalten. Das muss bis zum Sommer 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Und bis spätestens 2028 soll es die „Design for Recycling Guidelines“ geben, die festlegen, wann eine Verpackung als recyclingfähig gilt. Hier braucht es rasches Handeln der Politik und zeitgerechte Information über die Umsetzungsdetails, damit die Unternehmen heute schon wissen, welche Standards morgen auf sie zukommen werden. In jedem Fall sollte man sich schon jetzt ansehen, wie es um die Recyclingfähigkeit und den Materialeinsatz steht – um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern und langfristig Kosten zu senken.

Wie steht Österreich bezüglich Recyclingquoten im internationalen Vergleich da und wie kann man diese Quoten weiter erhöhen?
Die ARA hat seit jeher klargemacht: Wir wollen Verpackungen zurück in den Kreislauf bringen. Das schont Ressourcen und macht sowohl ökologisch als auch ökonomisch Sinn. Die von der EU ab 2025 vorgegebenen Recyclingquoten für Verpackungen aus Papier, Glas und Metalle werden in Österreich bereits erreicht oder sogar übertroffen. Da rangiert Österreich im europäischen Spitzenfeld. Allerdings werden die von den einzelnen Mitgliedsstaaten an die EU gemeldeten Recyclingquoten derzeit unzureichend auf Plausibilität geprüft. Manche Länder erzielen hier nach eigenen Angaben Top-Quoten – was aber in der Praxis nicht realistisch ist. Musterschüler wie Österreich haben hier das Nachsehen, wir fordern daher mehr Kontrollen. Der Europäischen Rechnungshof hat hier ebenfalls bereits Optimierungen angeregt.
Bei Kunststoff gilt jedenfalls das äußerst ambitionierte europäische Recyclingziel von 50 Prozent – das werden wir zumindest im Lizenzbereich der ARA auch erreichen. Ob das auch für ganz Österreich gilt, wird die zusätzliche Performance der anderen Sammel- und Verwertungssysteme zeigen. Potenzial für eine Steigerung besteht jedenfalls in der Gewerbesammlung: Die Betriebe müssen ihre Verpackungsabfälle sortenrein an die Systeme übergeben. Diese Verpflichtung wirkt jedoch noch nicht zufriedenstellend. So entgehen uns derzeit im Gewerbebereich noch zwei Drittel der Mengen, die wir im Kreislauf halten könnten.
Unsere Hightech-Sortieranlage TriPlast und Österreichs erste Polyolefin-Aufbereitungsanlage UPCYCLE sind große Meilensteine der ARA, um der österreichischen Industrie noch mehr Rezyklate zur Verfügung zu stellen. TriPlast verarbeitet pro Jahr 100.000 Tonnen Verpackungen aus der Gelben Tonne und dem Gelben Sack. Mit UPCYCLE können erstmals Kunststoffsortierreste recycelt werden, die in der Vergangenheit nur mehr als Ersatzbrennstoff eingesetzt werden konnten.
Experten weisen darauf hin, dass die Rückführung von recycelten Rohstoffen in die Wertschöpfungsketten auch profitabel sein muss, um einen funktionierenden Markt zu etablieren. Wie lassen sich ökologische und ökonomische Ansprüche unter einen Hut bringen?
Zunächst gilt es hier ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass entstehende Sekundärrohstoffe von ausreichend guter Qualität sind, um Primärrohstoffe zu ersetzen und damit Ressourcen zu sparen. Das ist die technische Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Die rechtlich-politische Voraussetzung besteht darin, im Zusammenwirken aller Akteur:innen international einen fairen, transparenten und stabilen Rezyklatmarkt zu schaffen. Das benötigt entsprechende Förderungen und Kontrollen. Österreich sollte sich hier einbringen und die Investitionen in recyclingfähige Verpackungen noch stärker als ökonomische Chance sowie Wettbewerbsvorteil begreifen. Hier geht es um langfristige Kosteneinsparungen sowie Technologie¬ und Innovationsentwicklung im eigenen Land.
