„Lehre ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft“

Mit dem Rückhalt von 250 Mitgliedsbetrieben präsentiert die branchenübergreifende Initiative Zukunft Lehre Österreich. ihre Forderungen an die neue Regierung und eine neue Kampagne.

Wichtige Maßnahmen zur weiteren Attraktivierung der Lehre präsentiert der Verein zukunft.lehre.österreich. © Adobe

Die aktuelle Lage im Bereich der Lehre ist durchwachsen. Auch wenn die Anzahl der neuen Lehrlinge wieder auf Vor-Corona-Niveau ist, so ist die Situation in den einzelnen Branchen zum Teil unbefriedigend. Durch das laufende Fokussieren auf Akademisierung leidet die Attraktivität der Lehre seit Jahrzehnten in Österreich. Dabei sind für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung des Standortes alle Bildungswege von gleicher Bedeutung. „Aus vielen aktuellen Studien wissen, wir, dass ein Großteil der Jugendlichen die Chancen einer Lehre erkennt, aber dennoch ist es eine Herausforderung, die Lehrlingszahlen zu halten. Diese Diskrepanz lässt sich nicht ausschließlich mit demografischem Wandel erklären, denn das jahrzehntelange Kleinreden der Lehre zeigt seine Wirkung“, beschreibt Robert Machtlinger, Präsident von zukunft.lehre.österreich., CEO bei FACC und selbst ehemaliger Lehrling, die aktuelle Lage.

Forderungen an neue Regierung 

Aus den Erfahrungen der 250 Vereinsmitglieder und eigener Untersuchungen wurden nun sechs konkrete Forderungen formuliert, die den Stellenwert der Lehre aufwerten und Anreize für Unternehmen bieten, die Lehre attraktiver zu gestalten:

  1. Entfall der Lehrabschlussprüfungsgebühr, um eine Gleichstellung gegenüber Schüler:innen zu schaffen, die für ihre Matura keine Gebühren entrichten müssen
  2. bessere Berufsorientierung, um Schüler:innen zu befähigen, ihren Talenten entsprechende Entscheidungen zu treffen
  3. Streichung des Sozialversicherungsbeitrages für Lehrlinge unter 18, die wie Schüler:innen bei ihren Eltern mitversichert wären
  4. Steuerliche Entlastung bei firmeninterner Errichtung eines Ausbildungs-Campus, Lehrwerkstätten etc.
  5. Ersatz interner unternehmensbezogener Ausbildungskosten, damit die Qualität der Lehre in den Unternehmen stetig verbessert werden kann und abschließend
  6. eine faire Lösung für Lehrlinge in Gebietskörperschaften, da Jugendliche, die ihre Lehre bei Städten, Gemeinden und Ländern machen, noch systematisch schlechter gestellt sind.

Neue Kampagne betont Stellenwert der Lehre

Gleichzeitig präsentierte die branchenübergreifende Lehrlingsinitiative ihre neue Kampagne, die in Zusammenarbeit mit der Linzer Werbeagentur upart entwickelt wurde. Diese Kampagne, die in zwei Phasen angelegt ist, zielt darauf ab, eine öffentliche Diskussion rund um den Stellenwert der Lehre anzustoßen und insbesondere auf Social Media für Aufmerksamkeit zu sorgen. Hier eine Zusammenfassung der Kampagne als Youtube-Video.

„Unser Ziel war es, mit provokanten Aussagen klarzumachen, dass ohne die Lehre unsere Gesellschaft nicht funktioniert“, erklärt Monika Sandberger, Geschäftsführerin bei zukunft.lehre.österreich. „Die zahlreichen Kommentare und Reaktionen auf die Plakate sowie in den sozialen Medien bestätigen unseren Ansatz: Ob es darum geht, wer dein Haus baut, wer den Wasserrohrbruch behebt oder wer die Haare schneidet – all diese Tätigkeiten werden von Fachkräften ausgeführt, die eine Lehre absolviert haben. Es handelt sich um Berufe, die nicht nur praktisch, sondern auch sinnstiftend sind.“

Über zukunft.lehre.österreich.

Zukunft.lehre.österreich. ist eine unabhängige, gemeinnützige und branchenübergreifende Initiative mit dem Ziel, die Vorteile und Chancen einer Lehre hervorzuheben und das Ansehen der dualen Ausbildung in der Gesellschaft zu verbessern. Die Initiative wird von Unternehmen getragen, die Lehrlinge ausbilden oder ausbilden wollen. Mit über 250 Mitgliedsbetrieben, die über 100.000 Mitarbeiter:innen beschäftigen und rund 20.000 Lehrlinge ausbilden, ist es die größte Lehrlingsinitiative Österreichs.

Mit dabei sind unter anderem KTM, FACC, Energie AG, Raiffeisen, Siemens, Uniqa, Asfinag, Wiener Stadtwerke, Kapsch, Silhouette, Salzburg AG, Intersport, Verbund, A1 Telekom, Post AG oder die ÖBB.

Weitere Informationen: https://zukunft-lehre.at.

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