In seiner Jahresbilanz 2023 legt der Gläubigerschutzverband AKV dramatische Zahlen vor. Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze im Handel hat sich im Vergleich zu 2022 verdreifacht, die Summe der Passiva sogar vervierfacht. Für heuer wird ein weiterer Anstieg erwartet.

Ein Mix aus einer Rekord-Inflation mit gestiegenen Energiepreisen und Kreditzinsen sowie einer einsetzenden Rezession bei gleichzeitig anhaltendem Personalmangel hat im Vorjahr zu einem dramatischen Anstieg der Firmeninsolvenzen geführt. Als erster der großen Gläubigerschutzverbände hat heute der Alpenländische Kreditorenverband AKV seine Jahresstatistik veröffentlicht. Demnach liegen die eröffneten Verfahren um 16 %über dem Vorjahresniveau. Mit 3.364 eröffneten Insolvenzverfahrenwurde ein neuer Höchstwert seit mehr als zehn Jahren erreicht. 2.211 weitere Verfahren wurden gleich mangels Masse abgewiesen.
Besonders zu Jahresende rückte das Insolvenzgeschehen durch den Zusammenbruch des Signa-Konzerns noch einmal besonders stark ins Licht der Öffentlichkeit. Von den fünf größten Firmeninsolvenzen des Jahres entfielen vier auf das Signa-Reich, von den gesamten Passiva in Höhe von 13,97 Mrd. Euro stammten gar 75 % (oder 10,44 Mrd. Euro) von Gesellschaften der Signa-Gruppe.
Doch auch wenn man die Signa-Misere ausklammert, war die Entwicklung mehr als bedrohlich: Auch ohne Signa ist die Höhe der Verbindlichkeiten um mehr als 50 Prozent gestiegen – von 2,3 Mrd. Euro im Jahr 2022 auf nunmehr 3,5 Mrd. Euro.

Bedrohliche Entwicklung im Handel
Neben der Signa-Gruppe stand einmal mehr der Handel im Zentrum des Insolvenzgeschehens. Laut der AKV-Statistik ist die Zahl der Insolvenzen im Handel im Vorjahr um 25 % auf 828 angestiegen (2022: 664). Aufgrund der ungewöhnlich hohen Zahl der Großinsolvenzen (u. a. Leiner/Kika, Geomix, Zentrasport/Sport 2000) hat sich die Summe der Passiva dabei sogar vervierfacht – von 335 Mio. Euro im Jahr 2022 auf nunmehr 1,36 Mrd. Euro.
Ebenfalls dramatisch: Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze hat sich von 2.107 auf 6.623 mehr als verdreifacht. Fast die Hälfte davon (3.297) ist alleine der Leiner/Kika-Gruppe zuzuschreiben. Nach betroffenen Dienstverhältnissen ist es die größte Insolvenz des Jahres und gleichzeitig eine der fünf größten Insolvenzen seit dem Jahr 1980.
Trübe Aussichten
Eine Besserung der Lage ist bedauerlicherweise nicht so schnell in Sicht – im Gegenteil: Der AKV rechnet im neuen Jahr mit einem weiteren Anstieg der Firmeninsolvenzen. In einer ersten Schätzung gehen die Experten für heuer von insgesamt etwa 6.000 Insolvenzen (+ 8 %) aus.
