KSV1870: „Handel ist größtes Sorgenkind“

Laut neuester Unternehmensumfrage des KSV1870 hat die Geschäftslage den tiefsten Stand seit 2020 erreicht. „Der Handel ist aktuell das größte Sorgenkind der Wirtschaft. Einem Großteil der Betriebe bleibt kaum Luft zum Atmen“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870.

Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH und Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG © KSV1870

„Die österreichische Wirtschaft hat das Tal der Tränen noch nicht durchschritten“, lautet der Befund von Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870. Laut der neuesten Unternehmensumfrage des KSV1870 („Austrian Business Check“; 1.100 befragte Unternehmen) schätzen nur 43 % der Unternehmen ihre Geschäftslage positiv ein – und damit so wenige wie seit dem Corona-Jahr 2020 nicht mehr.

Schlusslicht im Branchenvergleich ist der Handel, wo nur 29 % der Unternehmen eine gute oder sehr gute Geschäftslage melden. „Der Handel ist aktuell das größte Sorgenkind der heimischen Wirtschaft. Einem Großteil der Betriebe bleibt kaum Luft zum Atmen“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870.

Handel Schlusslicht bei Umsatzentwicklung

Schon bei der Umsatzentwicklung im Vorjahr bildete der Handel das Schlusslicht: Für 2024 meldeten dem KSV1870 50 % der Handelsunternehmen Umsatzeinbußen, hingegen ist es nur knapp einem Drittel (32 %) gelungen, höhere Umsätze zu erzielen. Gleichzeitig haben lieferantenseitige Preissteigerungen ebenso wie die hohen Energiekosten dafür gesorgt, dass sich bei vielen Betrieben die Ertragslage weiter verschlechtert hat. Dem entsprechend hat sich laut eigenen Angaben auch die Eigenkapitalausstattung bei 38 % der Handelsunternehmen in den letzten drei Jahren negativ entwickelt. Nur 33 % weisen eine positive Drei-Jahres-Entwicklung auf.

Für 2025 wird kaum Linderung erwartet – im Gegenteil: 47 % der Handelsunternehmen rechnen aktuell mit einer gleichbleibenden Entwicklung, 40 % sogar mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. Nur 13 % zeigten sich in der Umfrage optimistisch für das heurige Jahr.

“Der Handel ist weiterhin in einer schwierigen Situation. Er wird nie wieder so werden wie vor Corona. Die Branche wird sich weiter transformieren müssen.

Ricardo-José Vybiral,
CEO KSV1870

Hauptproblem Kostensteigerungen

„Der Handel ist weiterhin in einer schwierigen Situation. Er wird nie wieder so werden wie vor Corona. Die Branche wird sich weiter transformieren müssen“, folgert Vybiral und nennt dafür drei Gründe:

  • die fortschreitende Digitalisierung,
  • das geänderte Konsumverhalten sowie
  • die aktuelle Kaufzurückhaltung.

Gefragt nach den Faktoren mit dem größten Gefahrenpotenzial für das eigene Geschäft zeichnen die Unternehmen ein klares Bild.

  • 48 % nennen zuoberst die steigenden Personalkosten,
  • 44 % die steigenden Energiekosten und
  • 42 % die Preissteigerungen von Lieferanten.

„Es steht also ganz klar das Kostenthema im Vordergrund“, erklärt Vybiral. „Die gestiegenen Kosten drücken massiv auf die Gewinne, den Unternehmen bleibt kein Spielraum für Investitionen.“

Investitionsbereitschaft bleibt (zu) niedrig

Dabei wären Investitionen in vielen Fällen dringend notwendig, um sich zukunftstauglich aufzustellen. Nachdem bereits in den vergangenen Jahren die Investitionsbereitschaft deutlich geschrumpft ist, dürfte diese im heurigen Jahr auf niedrigem Niveau stagnieren. Demnach wollen 2025 laut Austrian Business Check nur 16 % (2023: 17 %) der Unternehmen Investments tätigen, für weitere 40 % (2023: 41 %) ist dies eine Frage der wirtschaftlichen Machbarkeit, sprich: Sie wollen zuwarten. 44 % schließen Investments schon jetzt aus.

„Dass auch heuer fast die Hälfte der Betriebe auf Investitionen verzichtet, zeigt, wie sehr sie sich einem restriktiven Kosten- und Risikomanagement unterworfen haben“, erläutert Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH. Diejenigen, die tatsächlich bereit sind, Investitionen zu tätigen, machen das größtenteils (59 %) in einem moderaten Ausmaß – lediglich 10 % sind zu (für die jeweiligen Verhältnisse) höheren Investments bereit. „Insgesamt werden 42 % der Investitionen dazu verwendet, den Betrieb aufrecht zu erhalten. 38 % fließen in Innovation und Weiterentwicklung, 16 % werden für Investments in Mitarbeiter aufgebracht.“

Maßnahmen in Richtung Nachhaltigkeit, Umweltmanagement und CSR spielen gerade nur eine untergeordnete Rolle. „Strategische Weitsprünge auf Ebene der Investitionen sind damit eine Seltenheit geworden, doch das kann kein Modell auf Jahre sein,“ so Wagner.

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