Jeder Griff ins Regal ist ein Produktionsauftrag. Denn mit ihrer Kaufentscheidung beeinflussen Konsumentinnen und Konsumenten nicht nur das Angebot im Lebensmittelhandel, sondern auch Landwirtschaft, Lebensraum, Klima und ihr eigenes Wohlbefinden. Warum bewusst einkaufen deshalb eine wertvolle Lebenskompetenz ist und wie der Handel mithelfen kann, erklärt der Verein Land schafft Leben.
Konsumkompetenz ist Lebenskompetenz
Lebensmittel sind heute fast jederzeit und in großer Vielfalt verfügbar. Gleichzeitig fehlt häufig der Bezug dazu, woher sie kommen, wie sie hergestellt werden und welche Auswirkungen jede Konsumentscheidung mit sich bringt. Dabei braucht es genau diese Informationen, um bewusst einkaufen zu können. Die eine richtige Kaufentscheidung gibt es nicht. Beim Griff ins Regal spielen unterschiedliche Werte eine Rolle, zum Beispiel Regionalität, Tierwohl, Gesundheit, Umwelt, Geschmack oder Preis. Konsumkompetenz bedeutet, diese Zusammenhänge und mögliche Zielkonflikte zu verstehen und darauf basierend entscheiden zu können, welche Lebensmittel schlussendlich im Einkaufswagen landen – und so ein Stück Verantwortung zu übernehmen.
Heute lernen, morgen bewusst entscheiden
Diese Konsumkompetenz wird einem nicht in die Wiege gelegt, sondern muss gelernt werden. Genau hier setzt der Verein Land schafft Leben mit seiner Arbeit im Bildungsbereich an. Denn wenn die nächste Generation schon früh versteht, wo Lebensmittel herkommen und welche Auswirkungen ihre Konsumentscheidungen haben, schafft das langfristig die Grundlage für eine bewusst konsumierende Gesellschaft. Dafür verbindet Land schafft Leben drei Bereiche: Lebensmittelwissen, Ernährungsbildung und Konsumkompetenz. Mithilfe von kostenlosen, dem Lehrplan angepassten Lehrmaterialien, werden Pädagoginnen und Pädagogen dabei unterstützt, diese drei Themen an Kinder und Jugendliche zu vermitteln – vom Kindergarten bis zur Matura.
Vom Reden ins Tun kommen
Wie Konsumkompetenz ganz konkret vermittelt werden kann, zeigt beispielsweise das Bildungsprojekt „Taten statt Worte“, das Land schafft Leben mit Unterstützung von Transgourmet entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht die wertebewusste Lebensmittelbeschaffung im Großhandel. Dabei setzen sich Schülerinnen und Schüler in berufsbildenden Schulen damit auseinander, welche Werte hinter Einkaufsentscheidungen stehen können und welche Verantwortung mit der Beschaffung von Lebensmitteln verbunden ist. Mit dem Projekt wird eine weitere Perspektive der Konsumkompetenz beleuchtet, die über den privaten Einkauf im Supermarkt hinausgeht: Beispielsweise Küchenchefs, Wirtschafts- und Restaurantleiterinnen bestimmen mit ihrem Einkauf beim Großhändler mit, welche Lebensmittel für viele Menschen auf den Teller kommen – und erteilen damit Produktionsaufträge mit großer Wirkung.
Auch der Handel kann Konsumkompetenz stärken
Projekte wie diese zeigen, welches Potenzial im Bildungsbereich steckt. Der Supermarkt oder der Großmarkt sind Orte, an denen die verschiedenen Wertevorstellungen unmittelbar aufeinandertreffen und somit Wissen zur Kaufentscheidung wird. Der Lebensmittelhandel selbst muss Konsumkompetenz nicht nur voraussetzen, sondern kann aktiv dazu beitragen, sie aufzubauen – etwa durch Kooperationen mit Schulen oder eigene Bildungsprojekte. Bewusstseinsbildung, die sich auszahlt: Denn wer heute versteht, was der eigene Griff ins Regal bewirkt, kann morgen bewusster entscheiden, welchen Produktionsauftrag er oder sie damit erteilt.
