Das EU-Mercosur-Abkommen stellt den Lebensmittelhandel vor neue Fragen. Das Handelsabkommen eröffnet wirtschaftliche Chancen, zugleich rückt aber auch die Verantwortung des Handels stärker in den Fokus: für regionale Wertschöpfung, transparente Herkunft und das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten. Ein Gastbeitrag von Land schafft Leben.
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sorgt derzeit für intensive Diskussionen. Viele Wirtschaftsexpertinnen und -experten begrüßen solche Handelsbeziehungen. Sie sehen darin die Grundlage von Wohlstand und Sicherheit. In der Landwirtschaft wird das Gegenteil befürchtet: Viele Bäuerinnen und Bauern sehen ihre Zukunft durch billige Lebensmittelimporte und den damit verbundenen Preisdruck gefährdet. „Es ist wichtig, Handelsbeziehungen einzugehen, aber das heißt nicht, dass unsere hochwertige österreichische Produktion darunter leiden darf“, betont Maria Fanninger, Gründerin des Vereins Land schafft Leben. „Gerade dann, wenn in naher Zukunft Lebensmittel aus Südamerika zu reduzierten Zöllen oder gänzlich zollfrei in die EU importiert werden können, macht es einen großen Unterschied, wenn wir bewusst zur heimischen Ware greifen.“
Verantwortung im Kühlregal
Rewe, Spar, Lidl und Hofer gaben bekannt, trotz des Handelsabkommens kein südamerikanisches Frischfleisch in ihr Sortiment aufzunehmen. Damit setzen die führenden Lebensmitteleinzelhändler ein klares Zeichen. Österreichische Lebensmittel stehen für hohe Qualität durch hohe Produktionsstandards. Geflügel beispielsweise hat hierzulande mehr Platz im Stall als in anderen Ländern. Die heimische Rindfleischproduktion hat den geringsten CO2-Fußabdruck innerhalb der EU. Werte wie diese sind für viele Konsumentinnen und Konsumenten kaufentscheidend – vorausgesetzt, sie sind sichtbar. Im ersten Schritt bedeutet das eine transparente Kennzeichnung der Herkunft.
Durchgängige Herkunftskennzeichnung als Schlüsselfaktor
Woher Lebensmittel kommen, ist im Lebensmittelhandel zum Teil bereits gut gekennzeichnet. Bei unverarbeiteten Lebensmitteln wie verpacktem Frischfleisch, Eiern, Gemüse oder Obst muss das Ursprungsland verpflichtend angegeben werden. An der Fleischtheke ist das – außer bei Rindfleisch – allerdings nicht der Fall, auch verarbeitete Produkte wie beispielsweise Schinken und Wurst bleiben im Regelfall anonym. „Das EU-Mercosur-Abkommen verdeutlicht aber einmal mehr, was längst überfällig ist: Wir brauchen eine durchgängige, verpflichtende Herkunftskennzeichnung“, fordert Maria Fanninger.
Transparenz zahlt sich aus
Händlerinnen und Händler stärken die österreichische Wertschöpfung und somit unsere Versorgungssicherheit, wenn sie auf heimische Qualität setzen und diese für die Kundinnen und Kunden klar sichtbar machen. Fanninger betont: „Jedes Mal, wenn wir uns für Lebensmittel aus dem Ausland entscheiden, tun wir das auf Kosten von Mensch und Tier, unserer Landwirtschaft und der Umwelt. Viele Konsumentinnen und Konsumenten möchten sich deshalb bewusst für Österreich am Teller entscheiden. Wenn ich weiß, wo und wie ein Lebensmittel produziert wurde, bin ich unter Umständen auch bereit, mehr zu bezahlen.“ Gerade jetzt zahlt es sich für den Handel aus, Haltung zu zeigen.
