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Fritz Kaltenegger: „Bei den aktuellen Gebührenbelastungen für Getränkebecher vergeht mir das Lachen!“

café+co zählt zu den führenden Anbietern im Bereich Automaten-Catering und Kaffeeversorgung in Zentral- und Osteuropa. Das Unternehmen ist in doppelter Weise von den aktuellen geopolitischen Herausforderungen betroffen: einerseits direkt durch volatile Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme, andererseits durch weitreichende regulatorische Auflagen, die das operative Geschäft zunehmend verteuern. Wir haben Geschäftsführer Fritz Kaltenegger zum großen RETAIL-Interview getroffen.

Herr Kaltenegger, wenn Sie die aktuelle Lage für heimische Unternehmen wie café+co in einem Satz beschreiben müssten: Was überwiegt gerade, ist es Unsicherheit oder Zuversicht?

Also aus heutiger Sicht überwiegt die Unsicherheit über die allgemeinen wirtschaftlichen Umstände, die durch Krisen wie aktuell im Iran verstärkt werden. Trotzdem habe ich einen gewissen Optimismus, weil es viel Innovationskraft in den österreichischen Unternehmen gibt. Bei café+co haben wir einige tolle Projekte, die wir gerade in Umsetzung bringen. Von dem her versuche ich die Balance zwischen Druck und Optimismus zu halten. Es wird uns aber nicht leicht gemacht, um es klar zu sagen.

Den Iran-Konflikt haben Sie schon angesprochen. Dieser treibt zurzeit Energiepreise, Frachtkosten und auch die Rohstoffpreise in die Höhe. Was spüren Sie davon konkret im Tagesgeschäft?

Wenn ich die café+co Gruppe in allen Ländern, in denen wir tätig sind, heranziehe, verbrauchen wir im Jahr rund 4 Millionen Liter Treibstoff. Es ist ja ein großer Teil unseres Services, mit einem Technikerauto zum Kunden zu fahren, die Automaten zu befüllen, zu reinigen oder  eine etwaige technische Störung zu beheben. Jetzt kann man sich relativ einfach ausrechnen, was da eine Preiserhöhung beim Treibstoff von 10 Cent, 20 Cent oder bis zu 50 Cent ausmacht. Das sind hohe zusätzliche Kosten, die wir nicht einfach eins zu eins an unsere Kunden weitergeben können.

Bei Ihren Kernprodukten Kaffee und Kakao sind die Börsenpreise in den letzten drei Jahren regelrecht explodiert. Bei Arabica-Kaffeebohnen stiegen die Preise sogar auf ein neues Allzeit-Hoch…

Das stimmt, die Preise für Rohkaffee und Kakao sind bei uns ganz wichtig, weil wir im Heißgetränkebereich noch immer fast drei Viertel unseres gesamten Umsatzes erwirtschaften. Die Preise am Weltmarkt sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Wir haben versucht, zumindest einen Teil davon durch entsprechende Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben. Die gute Nachricht ist, dass sich die Börsenpreise im Kaffeebereich zuletzt wieder etwas entspannt haben. Andererseits sorgen die großen internationalen Krisen für steigende Logistikkosten sowie für Probleme in den Lieferketten und bei der Verfügbarkeit der Rohstoffe.

Was bedeutet das für die Planungssicherheit und für Ihre Kalkulation?

In diesem Zusammenhang haben wir bereits vor längerer Zeit gemeinsam mit unserer Rösterei Naber eine Strategie mit längerfristigen Lieferverträgen entwickelt. Für uns ist die Verfügbarkeit von Rohkaffee und damit auch des finalen Kaffeeprodukts bzw. der Kaffeemischungen von zentraler Bedeutung. Deshalb decken wir uns gezielt für einen Zeitraum von neun bis zwölf Monaten ein, um eine stabile Versorgung sicherzustellen. Dabei nehmen wir bewusst ein gewisses Preisrisiko in Kauf, um unseren Kundinnen und Kunden durchgehend die gewohnte Qualität bieten zu können. So vermeiden wir, auf andere Mischungen oder niedrigere Qualitäten ausweichen zu müssen. Diese Vorgehensweise hat sich in den letzten Jahren klar bewährt, weshalb wir auch künftig daran festhalten werden. Zusätzlich verfügen wir dank unserer eigenen Rösterei über die notwendige Produktionskapazität, um den Großteil der im Vending benötigten Kaffeemengen selbst herzustellen. Gleichzeitig bieten wir auf Wunsch auch internationale Marken wie Lavazza oder illy an. Der überwiegende Anteil entfällt jedoch auf unsere eigene Kaffeemischung aus der eigenen Produktion.

Fritz Kaltenegger ist seit 2017 Geschäftsführer von café+co International.
Fotocredit: Sabine Klimpt

Vending-Maschinen bestehen ja aus vielen Komponenten – Elektronik, Mechanik, Verpackungen. Wie resilient sind Ihre Lieferketten?

Es hat sich seit der Corona-Pandemie sehr viel verändert. Insbesondere die Lockdowns ab 2020 haben ein Umdenken notwendig gemacht. Zuvor haben wir Produkte  Just-in-Time in unsere Läger übernommen. In der Pandemie haben wir im Basisgeschäft auf einen Horizont von mindestens drei Monaten umgestellt. Im Rohkaffee-Bereich hatten wir bereits auf den Planungshorizont von neun bis zwölf Monaten erweitert. Auch die Logistik hat sich deutlich verschoben: Während wir 2020 weit über 80 Prozent des Kaffees über Hamburg abgewickelt haben, ist heute das Mittelmeer mit dem Hafen Koper zentral. Damit gewann auch der Suezkanal an Bedeutung . Und genau hier trifft uns die aktuelle Krise: Wenn Angriffe der Huthi-Rebellen Transportschiffe zwingen Umwege rund um Afrika zu fahren, verteuert das natürlich den Transport und verändert den Kaffeemarkt damit spürbar. Es ist jetzt zwar beherrschbar, allerdings mit entsprechenden zusätzlichen Kosten.

Wie läuft das bei den Elektronik-Teilen?

Bei den Elektronik-Teilen haben wir sehr schnell gesehen, dass es eine hochgradige Abhängigkeit von Anbietern aus Südostasien gibt, vor allem aus China. Auch da haben wir das Thema Logistikkette natürlich im Blick. Im Bereich der Getränke, Snacks und frische Produkte forcieren wir hingegen eine regionale Strategie.

Sollte der Konflikt im Nahen Osten weiter eskalieren: Was wäre für café+co das Worst-Case-Szenario?

Die Versorgung mit Treibstoffen ist natürlich ein Riesenthema – nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden. Wir haben heute in unserem Kundenportfolio zwischen 60 und 70 Prozent, die unmittelbar in der produzierenden Industrie aktiv sind. Dort versorgen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den jeweiligen Produktionsstätten in zwei oder auch drei Schichten. Wenn die internationalen Märkte aus den Fugen geraten, oder die Kosten, oder die Lieferketten entsprechend beansprucht werden, dann trifft das auch unsere Kunden, deren Investitionsfreudigkeit und deren Wachstum. Und das beeinträchtigt letztlich natürlich auch unser Geschäft. Das heißt, das Worst-Case-Szenario ist eine Never-Ending-Story und ein permanenter Krisenmodus, der die internationale Konjunktur abwürgt.

Wie gut ist Österreich bzw. Europa darauf vorbereitet?

Mit Verlaub gesagt, da hat Europa noch eine gewaltige Aufgabe zu erledigen. Wir haben in den letzten Jahren massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Und die Rezepte, die jetzt am Tisch liegen, sind meiner Meinung nach gerade einmal dazu geeignet, die kurzfristigen Schmerzen etwas zu lindern. Aber um uns puncto Wettbewerbsfähigkeit in einem globalen Maßstab wieder nach vorne zu bringen, da ist viel mehr notwendig, als ein paar inflationsdämpfende Maßnahmen hier und da zu setzen.

Gibt es in dieser Gemengelage auch Chancen oder ist es ein reiner Krisenmanagement-Modus?

In unserem Business liegt die Chance darin, dass wir sehr stark auf einen digitalisierten operativen Betrieb setzen. Das heißt, wir haben in den letzten Jahren bereits massiv in Technologie investiert. Das war ohnehin geplant. Die vielen Krisen haben diese Entscheidung in der Umsetzung nur etwas beschleunigt. Damit reduzieren wir unsere Abhängigkeit vom Faktor Arbeit, erhöhen die Flexibilität im Betrieb und schaffen mehr Transparenz. So können wir klar nachvollziehen, welche Leistungen in welchen Bereichen zu welchen Kosten erbracht werden. Das ist aus meiner Sicht ein entscheidender Faktor für unser zukünftiges Setup.

Es geht also um Effizienz und Flexibilität?

Ja, wir haben die letzten beiden Jahre ordentlich Zeit, Energie und sehr viel Geld investiert in neue Technologien, sprich in Hardware. Aber auch in entsprechende Systeme, die uns helfen, unsere Dienstleistungen effizienter zu erbringen, gegenüber den Kunden flexibler zu sein und unser Sortiment schneller anpassen zu können, an welche Umstände auch immer. Da geht es nicht nur um Probleme in den Lieferketten, sondern auch um Konsumtrends, die sich sehr schnell ändern können. Insgesamt wollen wir uns damit einfach besser aufstellen und resilienter werden gegenüber jenen Ereignissen, die wir gar nicht planen können, weil sie außerhalb unseres Einflussbereichs stattfinden.

Weil Sie neue Konsumtrends angesprochen haben: Welche Trends sind aktuell für café+co besonders relevant? Ist es der Matcha Latte?

Den Matcha Latte haben wir zurzeit tatsächlich als eigene Maschine in einem Feldtest. Es gibt immer wieder bestimmte Trends, die sehr stark gehypt werden über Social Media und dann auch sehr schnell eine entsprechende marktmäßige Relevanz bekommen. Ehrlicherweise werden die aber auch ganz schnell wieder abgelöst vom nächsten großen Trend. Dubai-Schokolade war so ein Beispiel. Matcha Latte ist aktuell ein Mega-Trend, ebenso Eiweißdrinks, die von amerikanischen Fitness-Influencern gehypt werden.  Üblicherweise dauert es in unserer Betriebslogik, die stark von der Logistik getrieben ist, schon eine gewisse Zeit, bis wir ein neues Produkt ausgewählt haben und einlisten können. Mit den neuen Technologien, sprich mit Telemetrie-Systemen bekommen wir mittlerweile viel schneller Rückmeldungen, was gut funktioniert und was weniger. Wir können Preise, Aktionen und so weiter remote steuern, müssen also nicht immer zu jedem Gerät hinfahren. Immerhin betreiben wir 45.000 Maschinen in acht Ländern, die mit Telemetrie-Systemen gesteuert werden. Vieles funktioniert datengetrieben und datengesteuert. Auch Künstliche Intelligenz kommt immer öfter zum Einsatz.

Kommen wir zu einem weiteren Druckpunkt, nämlich Regulierung und Bürokratie…

Das war bis jetzt so ein angenehmes Gespräch. Jetzt kommt das große Negativ-Thema…

Wir machen das Beste draus. Starten wir mit der Littering-Abgabe für Einweggetränkebecher. Diese wird heuer stark angehoben. Was halten Sie von der Erhöhung und wofür braucht es diese Abgabe überhaupt?

Also brauchen tut diese Abgabe genau niemand. Wenn man eine Abgabe einführt, um ein bestimmtes Verhalten zu fördern – sprich man bestraft durch Abgaben, Steuern oder sonstige Gebühren ein umweltschädliches Verhalten – dann müsste es ja im Prinzip auch eine Belohnung für umweltfreundliches Verhalten geben. Die Littering-Abgabe ist aber eine reine Geldbeschaffungsaktion und hat überhaupt keinen umweltpolitischen Einfluss, ganz im Gegenteil. Unverhältnismäßig wurde sie von 2025 auf 2026 um das 5,66-fache erhöht, unter Vorspiegelung einer gewissen Kostenwahrheit. Das kann man bezweifeln oder auch nicht. Am Ende des Tages ist die Littering-Abgabe nur dazu da, einen Beitrag einzuheben, um die kommunale Abfallsammlung und die Abfallverwertung zu finanzieren. Ich halte das Gesamtsystem für höchst fragwürdig und die massive Erhöhung der Abgabe – übrigens nicht durch eine direkte Mitteilung an uns, sondern indirekt über unsere Abfallverwertungssysteme per einseitigem Brief – schlicht und einfach für unverschämt.

Auf das politische Ziel der Inflationsdämpfung dürfte das keinen allzu positiven Einfluss haben?

Also wenn ich von Vertretern der Bundesregierung höre, dass wir inflationsdämpfende Maßnahmen setzen müssen und dann werden so glorreiche Ideen wie die Halbierung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel präsentiert, während auf der anderen Seite die Gebühren um ein Vielfaches erhöht werden – dann halte ich das für hochgradig unvernünftig. Aus meiner Sicht muss das Gesamtsystem politisch neu konzipiert werden. Das habe ich auch beim Umweltminister und seinen Mitarbeitern entsprechend dargelegt. Weil, selbst wenn es einem Betrieb gelingt, das Ausmaß an Littering von Getränkebechern zu reduzieren, die Abgabe muss trotzdem bezahlt werden. Je mehr ich sammle, desto höhere Kosten habe ich in der eigenen betrieblichen Logistik. Selbst wenn die Anzahl der Becher reduziert wird, steigt die Littering-Abgabe pro Tonne, weil ja ein bestimmter Gesamtbetrag zustande kommen muss.

Es gibt hier also keine Lenkungswirkung?

Richtig. Es ist einfach absurd, was mich wahnsinnig ärgert. Also wenn uns bzw. der EU hier nichts Besseres einfällt, dann lassen wir es bitte. Wenn es nur diese eine Maßnahme wäre, kann man ja darüber diskutieren. Aber es geht ja munter weiter.

Prinzipiell ist diese Abgabe aber von der EU-Kommission vorgeschrieben worden, richtig?

Die Littering-Abgabe ist in Österreich quasi als Nebenprodukt eingeführt worden, um die EU-Einwegkunststoffrichtlinie (SUP-RL) umzusetzen. Diese zielt darauf ab, das Gesamtvolumen an Plastikabfall zu reduzieren. Seither zahlen Unternehmen wie wir für das In-Verkehr-Bringen von Getränkebechern aller Art eine entsprechende Gebühr für die Abfallentsorgung und das Zuführen dieser Getränkebecher in einen Recycling-Kreislauf. Das wäre grundsätzlich in Ordnung, auch wenn es viel Geld kostet – wir reden hier von mehr als 700 Euro pro Tonne. Wir brauchen im Jahr rund 80 Millionen Becher in Österreich, das sind ungefähr 300 Tonnen. Das zahlen wir, die benutzen Becher werden auch von uns wieder gesammelt und über unsere betriebliche Abfalllogistik entsorgt und einer Verwertung zugeführt. Das gilt für Kunststoff genauso wie für Getränkebecher aus Papier. Unsere Kunden haben dasselbe Thema. Das heißt auch dort wird die entsprechende betriebliche Abfallentsorgung durchgeführt. Für jene Becher, die in den öffentlichen Mistkübeln landen oder auf der Straße, zahlen wir noch extra diese Littering-Abgabe.

Welche Becher sind umfasst?

De facto nahezu alle. Theoretisch wäre nur ein 100 % Papierbecher ohne Kunststoffbeschichtung, der sich nach wenigen Minuten auflöst, nicht umfasst. Allerdings würde auch dieser Entsorgungskosten verursachen, wenn er in einem öffentlichen Mistkübel landet.

Und wie misst man das?

Über jene Menge, die eingekauft wird. 2025 lag die Abgabe bei 225 Euro pro Tonne, seit Jänner 2026 sind es 1.274 Euro pro Tonne. Das ist in jedem Zusammenhang unverschämt. Wenn ich die Becher bei unseren Kunden sammle und unseren eigenen Abfallsystemen zuführe, zahle ich trotzdem für diese Becher die 1.274 Euro pro Tonne. Wenn ich die Becher beim Kunden lasse und die dort entsorgt werden, wofür der Kunde natürlich auch entsprechende Abfallentsorgungsbeiträge bezahlt, zahle ich trotzdem die 1.274 Euro pro Tonne. Wenn ich die Menge der Becher, die ich in den Verkehr bringe, reduziere, dann wird die Gebühr erhöht, weil in Summe ein bestimmter Geldbetrag zustande kommen muss, um die kommunale Abfallentsorgung zu unterstützen. Das hat mit Umweltpolitik nichts zu tun. Wenn wir Steuern erhöhen wollen, dann sagen wir bitte Steuererhöhung dazu. Wenn wir Unternehmen für unternehmerische Tätigkeit bestrafen wollen, dann sagen wir bitte ehrlich, worum es eigentlich geht.

Könnten Sie die Abgabe vermeiden, indem Sie von Einweg- auf Mehrweggetränkebecher umstellen?

Mehrweg ist ein gutes Beispiel. Unsere Kunden sind – wie erwähnt – zum überwiegenden Teil aus der Industrie. Industriebetriebe haben in einer durchschnittlichen Schicht drei Pausen, zwei kurze, eine längere. In der Pause hat der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin die Möglichkeit, kurz einen Kaffee zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen. Und dann sage ich zum Mitarbeiter, zuerst gehst du bitte zum Spind, holst deinen Mehrwegbecher, nimmst den Mehrwegbecher und gehst nachher ins Badezimmer, spülst ihn aus und dann gibst du den wieder in den Spind. Das ist unrealistisch, unpraktikabel, kostentechnisch nicht darstellbar und schlicht weltfremd.

Apropos weltfremd: Was halten Sie von der angekündigten Plastiksteuer?

Zur Gegenfinanzierung der Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel will die Bundesregierung nun die nächste Abgabe einführen. Zu Recht regt sich hier die gesamte Branche auf. Wenn sich der Finanzminister hinstellt und sagt, dass er inflationsdämpfende Maßnahmen setzt und auf der anderen Seite die Kosten für Betriebe massiv in die Höhe treibt, dann ist das unverschämt. Da muss ich wirklich an der politischen Redlichkeit zweifeln. Ich habe keine Lust, das unwidersprochen zur Kenntnis zu nehmen und mir gleichzeitig anhören zu müssen, dass wir inflationsdämpfende Maßnahmen setzen und die Haushalte entlasten wollen.

Die Plastiksteuer wird also nichts Positives für unsere Umwelt bewirken, es ist eine reine Steuererhöhung?

Der Finanzminister hat bereits klar gesagt, dass er die Halbierung der Mehrwertsteuer – die rund acht Euro pro Monat pro Haushalt bringen soll – budgetneutral umsetzen will. Acht Euro pro Haushalt pro Monat. Ich habe die vielen Dankesbriefe noch nicht gesehen, die da von der Bevölkerung geschrieben werden. Am Ende des Tages bleibt eine massive Zusatzbelastung für die Betriebe. In Summe ist es eine reine Geldbeschaffungsaktion. Und ich muss ehrlich sagen, die Belastungsgrenze ist bei weitem überschritten. Nicht nur für uns, das betrifft ja alle in der Branche genauso. Das betrifft den Lebensmittel- und Non-Food-Handel, die Getränkeindustrie. Wir haben letztes Jahr eine Pfandregelung eingeführt mit unfassbar viel Aufwand und unfassbar viel Geld. Und jetzt sollen sogar recyclingfähige PET-Pfandflaschen durch die Plastiksteuer zusätzlich besteuert werden.

Die EU hat in den letzten fünf Jahren über 13.000 neue Regelungen verabschiedet, in den USA waren es im gleichen Zeitraum 3.500. Glauben Sie, dass die Beamten in der EU-Kommission noch im Griff haben, was sie den europäischen Unternehmen alles zumuten?

Also aus meiner Sicht ist die Belastungsgrenze mittlerweile überschritten. Und ich verstehe den Unmut meiner Kolleginnen und Kollegen, auch des Handelsverbands und der Wirtschaftskammer. Nachdem ich selbst eine Zeit lang im Politbetrieb tätig war, habe ich ein gewisses Verständnis dafür, dass da oder dort auch mal ordnungspolitisch eingegriffen wird, das ist ja alles in Ordnung. Aber mittlerweile ist wirklich aus allen Bereichen und Sparten der Industrie, des Gewerbes und des Handels zu hören, dass die Bürokratie- und Abgabenbelastung ein verträgliches Maß weit überschritten hat. Das heißt nicht, dass wir Umweltstandards zurückdrehen müssen, ganz im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, mit dem, was wir haben, einmal vernünftig zu arbeiten. Wir müssen endlich aufhören so zu tun, als ob durch eine neue Regelung alles besser wird – siehe Lieferkettengesetz, siehe Entwaldungsverordnung, die mittlerweile mehrfach verschoben wurde, weil die entsprechenden Datensysteme auf europäischer Ebene gar nicht verfügbar sind.

Das bringt mich zu meiner Abschlussfrage, nämlich zum Wunsch an den Osterhasen. Wenn Sie der Bundesregierung eine einzige Maßnahme empfehlen könnten, um die Lage für heimische Unternehmen konkret zu verbessern – welche wäre das?

Wir sollten alle Gebührenerhöhungen, alle neuen Vorschriften, die im Jahr 2025 erlassen worden sind, auf unbestimmte Zeit aussetzen und genau überprüfen, ob diese Maßnahmen tatsächlich dem ursächlichen Ziel der jeweiligen Verordnung oder Richtlinie genügen. Da wäre uns allen miteinander geholfen, da wäre der Umwelt geholfen und wir würden uns auf allen Ebenen viel sinnlose Bürokratie ersparen.

Herr Kaltenegger, vielen Dank für das offene Gespräch.

ÜBER CAFE+CO
café+co ist als Qualitäts- und Serviceleader im Bereich Automaten-Catering und Kaffeeversorgung in Zentral- und Osteuropa mit derzeit 11 operativen Tochtergesellschaften in Österreich und in sieben weiteren Ländern tätig. Die Unternehmensgruppe beschäftigt sich vor allem mit dem Betrieb und Service von Automaten für Heiß- und Kaltgetränke bzw. Snacks sowie Espressomaschinen.

Fritz Kaltenegger ist seit 1. April 2017 Geschäftsführer von café+co International. Der gebürtige Kärntner war u.a. von 2008 bis 2011 Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei.

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