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Franz Schellhorn: „Das Geschäftsmodell Österreich funktioniert so nicht mehr“

Hohe Arbeits- und Energiekosten, steigende Staatsausgaben und fehlender Reformwille: Österreichs Wirtschaftsstandort steckt nach Ansicht von Agenda-Austria-Direktor Franz Schellhorn in einer strukturellen Krise. In der aktuellen HANDELSZONE spricht er mit HV-Geschäftsführer Rainer Will über notwendige Reformen, die Wettbewerbsfähigkeit des Handels und die Chancen künstlicher Intelligenz.

© Handelsverband

Österreichs Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Während andere europäische Länder die vergangenen Krisen besser bewältigt haben, kämpft die heimische Wirtschaft weiterhin mit schwachem Wachstum und hohen Kosten. Für Franz Schellhorn, Direktor der Denkfabrik Agenda Austria, sind die Ursachen vor allem hausgemacht.

„Das Geschäftsmodell Österreich funktioniert so nicht mehr“, stellt Schellhorn im HANDELSZONE-Podcast fest. Österreich habe lange von seiner hohen Produktivität profitiert, doch mittlerweile seien insbesondere die Arbeits- und Energiekosten zu stark gestiegen. Gemeinsam mit der Bürokratie bildeten sie die größten Investitionshindernisse. Unternehmen würden deshalb zunehmend im Ausland investieren.

Binnenmarkt stärken, Handelshemmnisse abbauen

Schellhorn spricht sich für eine konsequente Weiterentwicklung des EU-Binnenmarkts und zusätzliche Freihandelsabkommen aus. Offene Märkte seien für Europas Wohlstand unverzichtbar.

Rainer Will thematisiert in diesem Zusammenhang die territorialen Lieferbeschränkungen internationaler Markenartikelhersteller. Sie erschweren es österreichischen Handelsunternehmen, Waren innerhalb der EU zu den günstigsten Konditionen einzukaufen. Schellhorn sieht hier Handlungsbedarf für die Wettbewerbsbehörden, verweist aber zugleich auf die hohen heimischen Standortkosten als weiteren Grund für Preisunterschiede.

Öffnungszeiten: Warum darf das Gasthaus öffnen, aber nicht das Geschäft?

Deutlich positioniert sich Schellhorn bei den Ladenöffnungszeiten: Während Online-Shops rund um die Uhr verfügbar sind, unterliegt der stationäre Handel weiterhin strengen Beschränkungen. Unternehmen sollten selbst entscheiden können, wann sie öffnen, fordert Schellhorn und vergleicht dabei den Handel mit der Gastronomie: Manche Gasthäuser hätten sieben Tage geöffnet, andere nur drei oder vier. Warum sollten Handelsunternehmen nicht ebenso frei entscheiden dürfen?

Will verweist auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen der Handelsbetriebe. Gerade kleinere Händler könnten zusätzliche Öffnungstage aufgrund hoher Personalkosten nicht immer rentabel betreiben. Gleichzeitig sieht auch der Handelsverband Potenzial für mehr Flexibilität, etwa am Samstagabend oder an ausgewählten Sonntagen im Weihnachtsgeschäft.

„Der ganze Staat ist ein Selbstbedienungsladen geworden“

Einen wesentlichen Grund für Österreichs wirtschaftliche Probleme sieht Schellhorn in der Budgetpolitik. Trotz hoher Staatseinnahmen gelinge es nicht, die öffentlichen Ausgaben nachhaltig zu finanzieren. Besonders scharf kritisiert er die hohen Parteienförderungen: „Der ganze Staat ist ein Selbstbedienungsladen geworden.“ Er fordert eine verbindliche Ausgabenbremse nach internationalen Vorbildern.

Auch beim Föderalismus überrascht Schellhorn mit einer ungewöhnlichen Diagnose: Österreichs Problem sei, dass man echten Föderalismus „noch nicht eingeführt“ habe. Während der Bund den Großteil der Steuern einhebe, würden viele andere Gebietskörperschaften das Geld ausgeben. Wie unterschiedlich Staatsorganisation funktionieren könne, illustriert er mit einem Vergleich: Dänemark hat nur 98 Gemeinden – weniger als das Burgenland.

Der Wirtschaftsforscher plädiert deshalb dafür, Einnahmen- und Ausgabenverantwortung stärker zusammenzuführen. Kritisch sieht er auch die verpflichtende Mitgliedschaft in gesetzlichen Interessenvertretungen. Freiwillige Verbände seien eine zeitgemäßere Alternative.

KI: Europa reguliert, andere innovieren

Zum Abschluss diskutieren Will und Schellhorn die Chancen künstlicher Intelligenz. KI könne erhebliche Produktivitätsgewinne ermöglichen und beim Bürokratieabbau helfen. Allerdings bestehe ebenso die Gefahr, dass neue Technologien für zusätzliche Verwaltungs- und Kontrollaufgaben eingesetzt werden.

Besonders kritisch sieht Schellhorn Europas Position im internationalen KI-Wettbewerb. Zwar seien europäische Talente durchaus an führenden Entwicklungen beteiligt, die Kommerzialisierung der Innovationen passiere jedoch außerhalb Europas. Europa diskutiert über KI-Steuern und hat einen AI Act, bringt aber kaum eigene international führende Anbieter hervor.

Schellhorns abschließende Botschaft: Österreich brauche mehr Mut zu grundlegenden Reformen, eine wirksame Begrenzung der Staatsausgaben und bessere Anreize für längeres Arbeiten. Nur so könne der Wirtschaftsstandort wieder wettbewerbsfähiger werden.

Die gesamte Diskussion mit Franz Schellhorn und Rainer Will gibt es in der aktuellen Folge der HANDELSZONE, dem Podcast des Handelsverbands.

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