Mit einer ordentlichen Portion Humor nehmen die beiden ehemaligen Profi-Skilangläufer Matti und Jan Waldner ihre Community mit auf sportliche Challenges. Als STEW CREW zeigen sie in ihren Social Media-Kanälen, dass Sport vor allem eines darf: Spaß machen. Wir haben die Jungs zum großen retail-Interview getroffen.
Warum habt ihr STEW CREW gegründet?
Wir kommen beide aus dem Leistungssport. Dort geht es beinhart zu: ein starrer Trainingsplan, Qualifikationsrennen, Trainer, die zu 100% dahinter sind, dass die Formkurve nach oben zeigt. Der Spaß und die Freude am Sport sind ein bisschen zu kurz gekommen. Genau das wollten wir nach unserer aktiven Zeit als Skilangläufer wieder mehr in den Fokus bringen. Wir haben uns gedacht: Lass uns doch ein bisschen von dem, was wir tun, auf Social Media teilen. Vielleicht kann ja jemand darüber lachen. Jetzt, ein paar Jahre später, lachen nicht mehr nur wir über unser Sporteinheiten und die Dinge, die wir dabei erleben.
Was treibt euch an?
Wir wollen zeigen, dass Sport wirklich Spaß machen kann – und das auch soll. Unser Ziel ist es, Menschen für Bewegung zu begeistern und zu motivieren, ihre Komfortzone zu verlassen. Was uns antreibt, sind die Leute, die uns schreiben, dass sie durch unsere Beiträge begonnen haben, sich wieder regelmäßig bewegen, Sport zu machen, etwas Neues ausprobiert haben. Besonders schön ist es, wenn wir bei einem Community-Event „in echt“ sehen, wie viele Menschen tatsächlich hinter der STEW CREW stehen.
Auf eurer Website schreibt ihr von einer „Hommage an die ursprünglichen und unverfälschten Werte des Sports“. Was bedeutet das konkret?
Die Freude an der Bewegung steht im Vordergrund. Dieses Spielerische, das Kinder ganz selbstverständlich haben, wenn sie rennen, weil es sich gut anfühlt. Aber auch Fairness, Gemeinschaft, Durchhalten und Weitermachen, wenn es brennt. Und die Erfahrung, dass man oft mehr aushält als man gedacht hat. Dafür stehen wir.
Zudem geht es uns auch um eine Rückbesinnung auf das, was Sport ausmacht, abseits vom Selbstoptimierungs- und Tracker-Wahnsinn: einfach anfangen, statt sich erst perfekt auszurüsten. Einfach Laufschuhe anziehen, ein bisschen Wille – und los geht’s!
Wart ihr schon immer so sportbegeistert?
Wir sind mit Sport aufgewachsen. Unsere Eltern sind selbst sehr sportlich und haben uns die Begeisterung an der Bewegung vorgelebt. Als wir klein waren, sind wir mit dem Spielzeug-Traktor durch die Gegend gefahren und haben so unsere Oberschenkel „gesprengt“. Heute ist es das Rennrad.
Gibt es für euch auch Tage ohne Sport? Wie verbringt ihr die?
Ja, die gibt es und die sind auch sehr wichtig. So wie beim Auto ist der Tank irgendwann einmal leer und dann muss der wieder aufgefüllt werden. Wer das nicht tut, darf sich auch nicht wundern, wenn das Auto nicht fährt.
Jan: Matti tüftelt an solchen Tagen an seinem Cheesecake-Rezept, repariert von Hund Ferdi angenagte Möbel oder zerlegt Elektronikgeräte, um herauszufinden, wie sie funktionieren.
Matti: Und Jan habe ich schon öfter mit einer auseinandergebauten Mikrowelle oder Kaffeemaschine gesehen. Wenn es nichts mehr zu zerlegen gibt, schraubt er an seiner Vespa – seine letzte hat er so oft „repariert“, bis sie kein Pickerl mehr bekommen hat.
Was macht ihr, wenn mal die Motivation fehlt? Habt ihr einen Tipp?
Das kennen wir nach einem langen Arbeitstag. Neben Social Media haben wir beide noch andere Jobs – und nach der Arbeit fehlt oft die Motivation. Genau dann ist Bewegung aber besonders wichtig: den Kopf freibekommen, sich auspowern und den Körper ein bisschen fordern. Es hilft enorm, schon mit gepackter Sporttasche in die Arbeit zu fahren und danach direkt zum Training. So kommt man erst gar nicht in Versuchung, den Sport ausfallen zu lassen.
Habt ihr Vorbilder?
Der slowenische Radrennfahrer Tadej Pogačar ist für uns ein richtig cooler Typ. Er fährt, als würde er spielen – attackiert aus purer Lust, oft viel zu früh, einfach weil es Spaß macht. Trotz seiner Erfolge ist er ehrlich, sympathisch und auf dem Boden geblieben. Für uns ist er der beste Beweis dafür, dass man ganz oben stehen kann, ohne die Freude an der Sache zu verlieren.
Was unterscheidet STEW CREW von anderen Sport-Influencern?
Wir sind keine Weltcupsieger und wir tun auch nicht so. Wir sind keine verwöhnten Luxus-Boys. Wir hauen uns in den Dreck, nehmen uns selbst nicht zu ernst, machen uns lächerlich und stehen wieder auf. Was wir zeigen, ist echt und wir geben den Leuten einen Beweis, dass Schwitzen auch Spaß machen darf.
Wer von euch beiden bringt die verrücktesten Ideen ein?
Meistens ist es der, der den größeren Espresso getrunken hat. Einer liefert die erste Schnapsidee, der andere kontert – und dann schaukelt sich das Ganze auf. Wir stacheln uns gegenseitig an, bis daraus richtig verrückte Sachen entstehen, auf die keiner von uns allein gekommen wäre. Allein wären wir vernünftig. Zu zweit sind wir gefährlich. 😊
Um welche Eigenschaft beneidet ihr den jeweils anderen?
Matti über Jan: Um seine Schlagfertigkeit – der Kerl hat immer den passenden Schmäh parat, egal wie die Vorlage ausschaut. Und dann diese Gabe, mit wirklich jeder und jedem, überall und aus dem Nichts ein Gespräch anzufangen. Dazu sein Tatendrang: Während ich noch überlege, hat er´s schon erledigt. Aufschieben kennt er nicht.
Jan über Matti: Dass er ruhig bleibt, wenn´s brennt. Egal wie hitzig oder verfahren die Situation ist – Matti trifft keine kopflosen Entscheidungen, sondern denkt alles, was er anfängt, bis zum Ende durch. Man kann sich zu 100 Prozent auf ihn verlassen. Diese Überlegtheit und Ruhe hätte ich auch gern.
Wann habt ihr zuletzt herzlich über euch selbst gelacht?
Die Bank bot an, die Kreditkarte zu personalisieren. Also mussten natürlich unsere Stew-Crew-Sprüche „Zünden!“ und „Schind dich!“ drauf – dazu Ski, Fahrrad, Hantel und Explosions-Emoji. Die Reaktion: „Kartendesign abgelehnt.“ Begründung: „Darstellung von Drogen, Gewalt, Schusswaffen, militärischer Ausrüstung …“ Seitdem wissen wir: Die STEW CREW ist zu heiß für den Zahlungsverkehr.
Was bedeutet für euch Erfolg?
Erfolg ist, wenn wir es schaffen, Menschen in Bewegung zu bringen. Uns hat mal jemand erzählt, dass er jahrelang auf ein Motorrad gespart hat und sich nach unseren Beiträgen dann doch fürs Fahrrad entschieden hat. Sowas haut uns um. Oder der Typ, der zu einem unserer Community Runs gekommen ist – in Jeans. Danach hat er erzählt, dass das gerade sein erster Lauf überhaupt war.
Genau dafür machen wir das: für den Moment, in dem jemand einfach loslegt – ohne perfektes Equipment, ohne Ausreden, einfach, weil er Bock darauf hat. Wenn wir dabei der kleine Schubser sein dürfen, dann wars ein guter Tag für uns.
Was war die härteste Challenge, der ihr euch bislang gestellt habt?
Jan: Torlauf Dachstein – das waren 42 km mit über 2500 Höhenmetern. Das war generell nicht ganz mein Tag, ich war nicht richtig im Rennmodus, meine Schuhe waren der Horror, Blasen auf beiden Füßen ab Kilometer 5. Wenn Matti nicht da gewesen wäre, hätte ich bei Kilometer 17 aufgehört. Das war echt heftig!
Welche sportlichen Herausforderungen stehen als Nächstes an?
Ein großes Highlight im Winter wird auf jeden Fall der Vasa-Loppet in Schweden sein. Das ist der älteste und größte Schilanglauf-Marathon der Welt. 90 km in der klassischen Technik von Sälen nach Mora. Und beim „Jennerstier“ wollen wir auch dabei sein. Das ist ein Schitouren-Rennen in Deutschland. Laut dem Veranstalter „hart, anspruchsvoll und nichts für Weicheier“ – wir sind gespannt…
WORD RAP
STEW CREW in drei Wörtern…
Sport, Spaß und Leidenschaft
Für einen Powersnack zwischendurch kaufen wir…
Topfenstrudel
Immer im Einkaufswagen liegt…
Cottage Cheese
Wenn wir uns was Gutes tun wollen, kaufen wir…
Heidelbeeren und frisch gepressten Orangensaft
An diesem Geschäft können wir nicht vorbei gehen…
Fahrradgeschäft
Unser bester Spontankauf war…
Ein aufblasbarer Dachträger. Vor allem im Winter, wenn wir mit den Schiern auf Reisen sind, hat er schon viele gute Dienste geleistet.
