Klimaneutrale Paketzustellung – Die besten Tipps & Tricks für Händler:innen

Nachhaltigkeitsaspekte beeinflussen heute das Konsumverhalten von mehr als der Hälfte der Bevölkerung. Beinahe jede:r zweite:r Verbraucher:in wechselt mittlerweile zu weniger bekannten, dafür nachhaltigeren Marken. Nachhaltigkeit endet für Konsument:innen jedoch nicht beim Produkt, sondern zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette. Somit spielt mit dem steigenden eCommerce auch eine klimaneutrale Paketzustellung eine immer größere Rolle, ist Magdalena Wallis, Program Manager der Climate Ranger Academy von GLACIER, überzeugt.

Die “letzte Meile” der Paketzustellung soll grüner werden

Aber warum muss Paketzustellung erst klimaneutral werden? Eine klassische Paketlieferung verursacht CO2-Emissionen, da Energie aufgewendet werden muss, um die Pakete zu bewegen. Einerseits durch die Verbrennung fossiler Energieträger beim Transport mit herkömmlichen PKWs, LKWs oder Flugzeigen, aber auch bei der Produktion der Verpackungsmaterialien, die für den Versand der Ware benötigt werden. Diese zusätzlichen CO2-Emissionen verstärken die Klimakrise und gefährden somit das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Beim Versand von Waren kann daher auf Seite der Händler:innen darauf geachtet werden, dass keine unnötige Umweltbelastung entsteht. Damit eine ganzes Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung (wie z.B. das Zustellen eines Pakets) sich klimaneutral nennen darf, muss jedoch gesichert sein, dass die Menge an schädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sich dadurch rechnerisch nicht erhöht.

Um klimaneutralen Versand anbieten zu können gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es werden alle CO2-Emissionen von Anfang an vollständig vermieden, oder es werden Maßnahmen zur teilweisen Reduktion des CO2-Ausstoßes gesetzt und die verbleibenden Emissionen werden nachträglich über den Emissionshandel kompensiert . Obwohl der erste Ansatz natürlich aus Umweltsicht ideal wäre, gestaltet sich eine 100%-ige Vermeidung von Treibhausgasemissionen zumeist als schwierig. Deswegen wird in der Regel eine Version des zweiten Ansatzes gewählt. Um die Klimabelastung so gering wie möglich zu halten, sollte sowohl bei der Verpackung als auch beim Transport von Waren jedoch zuerst darauf geachtet werden, so viel CO2-Emissionen wie möglich zu vermeiden. Erst im zweiten Schritt sollten Emissionen, die nicht vermeidbar sind, kompensiert werden. Dieses grundlegende Prinzip ist für alle klimaschädlichen Prozesse anzuwenden: Zuerst Emissionen reduzieren und nur unvermeidbare Emissionen kompensieren.

Obwohl bei klimaneutralem Versand oft ausschließlich der Transport beachtet wird, sollte man als Unternehmen schon bei der Verpackung des Pakets darauf achten, so ressourceneffizient wie möglich zu handeln. Eine klimaneutrale Paketzustellung sollte im Idealfall sowohl eine klimaneutrale Verpackung als auch einen klimaneutralen Transport beinhalten. Im Folgenden geben wir Einblicke in die Handlungspotenziale in beiden Bereichen.

Klimafreundliche Paketverpackung – Schritt für Schritt

Häufig werden versendete Ware mehrmals in Plastik verpackt. Dies wird von Konsument:innen sehr kritisch betrachtet und ungern gesehen. Um als Unternehmen klimafreundlicher zu agieren und von den Kund:innen als glaubwürdig wahrgenommen zu werden, gilt es die Paketverpackung passend zum klimaneutralen Versand zu gestalten. Auch hier heißt es zuerst Verpackung reduzieren. Im zweiten Schritt sollte unvermeidbare Verpackung durch nachhaltigere Verpackungsmaterialien ersetzt werden, um so den CO2 Fußabdruck möglichst gering zu halten.

Um Verpackungsmaterial zu reduzieren, sollten zum Beispiel keine großen Pakete für kleine Waren genutzt werden. Nicht nur, dass große Pakete mehr Platz beim Transport benötigen, ist problematisch: Ist das Paket deutlich größer als die Ware selbst, muss der freie Platz zusätzlich noch mit Füllmaterial, daher Verpackungsmüll, aufgefüllt werden. Händler:innen sollten daher darauf achten, die Verpackung an die Größe des Produkts anzupassen.

Wurde reduziert was möglich ist, gilt es im nächsten Schritt auf klimafreundliche Verpackungsalternativen umzusteigen. Dafür bieten sich rezykliertes Füllmaterial oder Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen an. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Verpackungsmaterial wieder zu verwenden. So könnten die Kund:innen beim Kauf im Onlineshop angeben, ob sie ihr Produkt in einer neuen Verpackung erhalten wollen oder ob eine bereits genutzte in Frage kommt.

Immer mehr Unternehmen testen auch wiederverwendbare Paketverpackungen aus, die nach der Lieferung an die Kund:innen wieder an den Paketlieferant zurückgeschickt werden. So könnte man bereits in ein paar Jahren einen Großteil des Verpackungsmülls einsparen. Wie eine grünere Paketverpackung in Zukunft aussehen könnte, testet im Moment die österreichische Post mit den Handelsunternehmen dm, INTERSPAR-Onlineshop weinwelt.at, INTERSPORT, Tchibo und Thalia.

Grüner Transport für eine grüne Zukunft

Ist die Entscheidung über die Paketverpackung gefallen, heißt es nun, den Versand so klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Um die Transportstrecken und damit die CO2-Emissionen möglichst gering zu halten, können verschiedene Strategien angewandt werden. Da viele Onlinehändler:innen kostenlose Retouren anbieten, bestellen Konsument:innen Waren oft in vielfacher Ausführung, nur um sie anschließend wieder zurück zu schicken. Durch kostenlosen Versand wird darüber hinaus die Hemmschwelle für Kund:innen herabgesetzt, Produkte zu bestellen, die sie gar nicht benötigen oder wirklich wollen und im Anschluss ebenfalls retournieren. Von Seiten der Händler:innen könnte daher auf kostenlose Retouren verzichtet werden.

Eine andere Möglichkeit wäre, keinen Expressversand anzubieten. Dabei wird es den Zusteller:innen aufgrund der fehlenden Zeit oft nicht ermöglicht, Pakete zu sammeln und gemeinsam auszuliefern. Express-Versand über Landesgrenzen hinaus findet außerdem aufgrund des Zeitdrucks meist mit dem Flugzeug statt. Da Lufttransport zu den emissionsintensivsten Versandarten zählt, ist dies generell zu vermeiden. Stattdessen könnten Bestellungen an eine bestimmte Destination (z.B. bei einem Salzburger Unternehmen nach Wien) für jeweils eine Woche gesammelt und dann gebündelt verschickt werden.

Wurden die Transportstrecken minimiert, gilt es nun auf klimafreundliche Transportmöglichkeiten zu setzen. In vielen österreichischen Städten haben sich regionale Fahrradkuriere wie Heavy Pedals oder Goodville in Wien oder TEMPO in Linz etabliert. So kann es nicht nur zur Einsparung von CO2-Emissionen kommen, sondern auch die regionale Wertschöpfung gestärkt werden. Für längere Versandstrecken sollte darauf geachtet werden, einen klimaneutralen Versandpartner zu wählen. Dabei sollte auch auf die Qualität der deklarierten Klimaneutralität geachtet werden. Auch hier gilt wieder das Prinzip: Zuerst reduzieren, dann kompensieren. Während sich manche Versandunternehmen ambitionierte Ziele zur CO2-Reduktion gesetzt haben, kompensieren andere Versandunternehmen einfach nur ihre Emissionen, ohne vorab Anstrengungen zu unternehmen, sie zu reduzieren.

Fest steht, dass es viele verschiedene Ansatzmöglichkeiten gibt um den CO2 Fußabdruck von Paketzustellungen so niedrig wie möglich zu halten. Wählen Sie den richtigen Startpunkt für ihr Unternehmen und beginnen Sie bereits heute mit ihrer Transformationsreise zu einem klimafreundlicheren Unternehmen.

Quellenangabe

Capgemini Research Institute, 2020: Consumer Products and Retail. How sustainability is fundamentally changing consumer preferences.

APA, 2021: “Grüne Verpackung”: Wiederverwendbare Lösungen für den Paketversand. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20211103_OTS0090/gruene-verpackung-wiederverwendbare-loesungen-fuer-den-paketversand-bild

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