Verständlicher Unmut

Junge Frau mit Corona-Maske shoppt im Elektrohandel und sieht sich einen Laptop an.
Welche Güter sollten tatsächlich als systemrelevant kategorisiert und als Güter des täglichen Bedarfs eingestuft werden? Gerade der Elektrohandel wurde hier unter seinem gesamtgesellschaftlichen Wert geschlagen. Andere Länder haben dies anders beurteilt und von Einschränkungen oder Schließungen in diesem Bereich abgesehen.

Natürlich ist man im Nachhinein immer klüger und das Ende der leidigen 2G-Kontrollen ist glücklicherweise in Sicht, aber am Ärger und Unmut vieler Einzelhändler:innen kann das nur bedingt etwas ändern. Diese wurden nämlich – ohne jegliches Verschulden und grundsätzlich auch ohne wirkliche Notwendigkeit – in eine Situation bugsiert, die nicht nur momentan äußerst unangenehm ist, sondern nachhaltigen Schaden mit sich bringt. Dass es seit Jahren sträflich vernachlässigt wird, Amazon & Co. den selben steuer- und abgabenrechtlichen Obolus leisten zu lassen wie hiesige Unternehmen und dem Staat daher Millionen an Einnahmen durch die Finger gehen, rächt sich nun mit voller Wucht.  

Keine Frage, die Bekämpfung der Covid-Pandemie ist unumgänglich und muss weiterhin oberste Priorität haben. Kritisch zu hinterfragen ist jedoch die Wahl der Waffen, mit denen gekämpft wird – Stichwort Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Zumal die vergangenen zwei Jahre ohnehin schon zu einer deutlichen Schieflage am Markt geführt haben: Die größten Profiteure waren (und sind) bekanntermaßen die Online-Händler:innen, allen voran der schon zuvor übermächtige Riese Amazon, aber auch von Lockdowns und sonstigen staatlich auferlegten Kundenvergraulungsprogrammen ausgenommene „Gemischtwarenhändler:innen”.

Kopfschüttelnd musste beispielsweise der Elektrohändler:innen nun also auch noch zusehen, wie die Kund:innen mehr oder weniger unbehelligt (abgesehen von der FFP2-Maske) im Supermarkt nebenan Toaster, Fön, Batterien, Fernseher & Co. erwerben konnten, während er selbst die Kund:innen mit einer 2G-Kontrolle begrüßen hätte dürfen – und im Fall des Falles wegweisen müssen. Einem ganzen Wirtschaftszweig eine solche Verantwortung aufzuerlegen, ohne entsprechende Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu schaffen, ist vor allem eines: verantwortungslos. Das zeigt sich in teils massiven Umsatzrückgängen, von denen die betroffenen Handelsbetriebe mehrheitlich berichten, ebenso wie in der Konstitution der Mitarbeiter:innen, die beleidigt, beschimpft und sogar bespuckt wurden. Verunsicherung, Kontrolldruck (in beide Richtungen) und Demotivation sind definitiv keine guten Verkäufer:innen. Dass viele (nicht nur ungeimpfte) Kund:innen den Weg in die Geschäfte überhaupt gemieden haben, liegt auf der Hand.

Summa summarum schädigt der Staat sich (und somit uns Bürger:innen) gleich mehrfach. Und dabei ist eine wesentliche, dringend notwendige Diskussion noch gar nicht geführt worden: Jene über die Definition von Systemrelevanz und welche Güter man dem täglichen Bedarf zuordnet. Gerade der Elektrohandel wurde hier unter seinem gesamtgesellschaftlichen Wert geschlagen. Andere Länder haben dies anders beurteilt und von Einschränkungen oder Schließungen in diesem Bereich abgesehen. Was man wann und wie vielleicht hätte besser machen können, ist nun müßig zu debattieren. Echte Führungsqualität äußert sich aber nicht zuletzt auch darin, manches schon kommen zu sehen, bevor es alle wissen.

Wolfgang Schalko| Chefredakteur
 elektro.at
E&W – Herausgeber & Ressortleitung Multimedia

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