Was wir vom Österreichischen Verpackungstag 2021 mitnehmen (Teil 1)

Die Circular Packaging Design Guideline (4. Auflage) wurde entwickelt, um Empfehlungen für die Gestaltung recyclinggerechter Verpackungen zu geben und ist international einsetzbar.
Österreich als Recyclingweltmeister? Gut verpackt ist halb gewonnen.

Der Österreichische Verpackungstag ist die wichtigste Fachveranstaltung der Verpackungswirtschaft in Österreich. Bereits zum dritten Mal fand dieser am 28. Oktober 2021 unter dem Motto „Circular Economy – Orientierung im Verpackungsdschungel“ im MAK in Wien statt. Es soll in der Circular Economy für mehr Orientierung gesorgt werden, so die Veranstalter des Events FH Campus Wien, ECR und der World Packaging Organisation (WPO). Dafür wurde ein eigener Design-Guide (4. Auflage) entwickelt, der einheitliche Empfehlungen für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft enthält und international einsetzbar ist.

Um gegen Mikroplastik vorzugehen, braucht es gute Lösungen auf Herstellerseite

Unter den hochkarätigen Speaker:innen war DI Christian Holzer, Leitung der Sektion Umwelt und Kreislaufwirtschaft vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Mit Bezug auf das EU-Kreislaufwirtschaftspaket, das unter anderem bis 2029 eine Sammelquote von 90% bei Einweg-Kunststoffgetränkeflaschen sowie bis 2030 eine Recyclingquote für Kunststoffverpackungen von 55% vorschreibt, sprach er sich dezidiert für Folgendes aus:

„Jedes Handelsunternehmen soll selbst entscheiden dürfen, ob die Mehrweglösung an der abgesetzten Menge festgemacht wird, oder ob den Kunden von Haus aus ein umweltfreundliches Angebot zur Verfügung gestellt werden soll.“

DI Christian Holzer, Leitung der Sektion Umwelt und Kreislaufwirtschaft vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

Holzer betont, es läge in der Hand der Verpackungshersteller und in der jener Stakeholder, die Verpackungen bestellen. Im Endeffekt beeinflussen nur sie, ob ein recyclinggerechtes Design in die Wege geleitet wird. Zusätzlichen können unterschiedliche Recyclingtarife für gut oder weniger gute Recyclingstoffe, je nach der Zusammensetzung der Verpackungskomponenten, einen Anreiz für den Griff nach geeignetem Verpackungsmaterial bieten.

„Die Plastiksteuer ist eine Geldbeschaffungsaktion der Europäischen Kommission. Die EU gibt vor, dass für jeden nicht rezyklierten Verpackungsbehälter 80 Cent zu bezahlen sind. Mitgliedstaaten können bestimmen, ob sie das den Unternehmen umhängen wollen oder den Verpackungsherstellern. Meiner Ansicht nach wird diese Steuer zunächst aus dem allgemeinen Budget zu entrichten sein, wahrscheinlich bis 2022. Die Steuerzahler:innen in Österreich werden sich fragen, warum sie das aus ihren Steuerleistungen bezahlen sollen,“

so Christian Holzer.

Eine weitere große Herausforderung der Zukunft heißt „Mikroplastik“. Immer größer werden die Sorgen um den Anteil von Mikroplastik im menschlichen Körper. Hier braucht es Filterleistungen auf der Herstellerseite. Auf diese sieht Holzer noch viel Arbeit zukommen.

Nachhaltiges Verpackungsmanagement in der Sichtweise von Nestlé

Gerhard Niederreiter, Head of Nestlé Innovation & Packaging Design präsentierte Nestlés Zukunftsvisionen im Verpackungsmanagement. Der Weltkonzern möchte bis spätestens 2050 Carbon & Co2 neutral zu sein – versucht allerdings schon jetzt aufs Gas zu drücken. Allgemein gesprochen, plant Nestlé seine Verpackungen bis 2015 in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben. Konkret bedeutet dies, sämtliche eingesetzte Verpackungen sollen bis zu 100% recyclebar & reusable sein. Damit weniger Plastik in der Umwelt landet, schwebt dem Unternehmen vor, eingesetztes Verpackungsmaterial zu reduzieren.

Niederreiter sieht das Portionieren von Lebensmitteln im Supermarkt groß im Kommen. Produkte im Supermarkt einzukaufen, diese aber mit eigenen Behältern abzufüllen, sei der richtige Weg. Stichwort: Portionierungssysteme.

Neben Plastik, das aus Monomaterial-Polymeren besteht, wird Nestlé in den kommenden Jahren verstärkt auf auch Aluminium und Glas im Verpackungsmanagement setzen. Denn, wieso nicht alternative Materialien vorantreiben? Papier wird von den Konsument:innen weitestgehend bereits akzeptiert und  lässt sich wunderbar recyceln. Das Problem: Papier ist porös und vielfach nicht in der Lage, Produkte gut genug zu schützen. Nichtsdestotrotz haben neben Nestlé, wenn auch nicht immer zu 100% freiwillig, viele Unternehmen schon Papier-Strohhalme und Papierbecher im Einsatz. Dass die Strohhalme aus Papier nach drei Minuten nicht mehr den gewünschten Effekt erzielen, müssten die Konsument:innen erstmal so hinnehmen. Immerhin tun sie der Umwelt damit etwas Gutes.

Nestlé arbeitet außerdem an „High Performance Barrier Papers“, welche einen Papieranteil von bis zu 90 Prozent in der Verpackung haben. Auch an „Secondary Packaging“ Lösungen, wobei Verpackungen zusammengefasst werden, wenn diese ursprünglich aus zwei Komponenten bestanden, wird gearbeitet.

„Recyclingströme sollen standardisiert und die Verwertungsinfrastruktur in Europa vereinheitlicht werden“

Auch Konrad Wasserbauer, Direktor für Kreislaufwirtschaft bei Greiner Packaging, hat seine Sichtweise auf die Dinge, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit bei Verpackungen geht.

„Aus einem Joghurtbecher soll wieder ein Joghurtbecher gemacht werden, doch jede Verpackung bringt ihre eigene Herausforderung mit sich. Ich sehe drei Diskussionsagenden rund um Nachhaltigkeit: Erstens Klimaschutz – bei Verpackungsoptimierung ist das geringer Carbon-Footprint, zweitens Kreislaufwirtschaft unter dem Motto „Reduce, Reuse, Recycle“ und drittens Ressourcenschonung – weg vom Rohöl und hin zu einem geringen relativen Verpackungsgewicht,“

sagt Konrad Wasserbauer.

Die Lösung seien nach Wasserbauer „Papier Plastik Kombinationen“, die gut voneinander trennbar sind. Eine zusätzliche Lösung sind digitale Wasserzeichen, damit sofort klar wird, welche Verpackung wohin sortiert werden muss. Die Wasserzeichen sollen helfen, das hergestellte Material einem Hersteller zuzuordnen und wieder an diesen rückzuführen. Innovationen wie Wasserzeichen seien eine hervorragende Methode, um einen (nachhaltigen) Schritt weiterzukommen.

Zuletzt äußerste der Direktor für Kreislaufwirtschaft eine dringende Bitte:

„Standardisieren wir die Recyclingströme und vereinheitlichen wir die Verwertungsinfrastruktur in Europa.“

Konrad Wasserbauer, Direktor für Kreislaufwirtschaft bei Greiner PAckaging

Lesen Sie nächste Woche „Was wir vom Österreichischen Verpackungstag 2021 mitnehmen (Teil 2), um noch mehr Informationen über die Circular Economy und Orientierung im Verpackungsdschungel zu erhalten.

Der Österreichische Verpackungstag hat sich als Branchen-Event der österreichischen Verpackungswirtschaft etabliert. Er bietet den teilnehmenden Playern der Verpackungs-Supply-Chain jedes Jahr die Gelegenheit, sich über wesentliche Themen auszutauschen und Stellung zu beziehen.

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