Moving Forward: „Regionalität als Erfolgskonzept für die Zukunft“

Am Mittwoch, den 27. Oktober 2021 fand der Moving Forward (Digital) Round Table zum Thema „Regionalität als Erfolgskonzept für die Zukunft“ statt, veranstaltet von JMC – retail.at berichtet.

MOVING FORWARD – unter diesem Motto lässt Josef Mantl regelmäßig inspirierende und informative (Digital) Round Tables zu den neuesten Trends stattfinden. Dieses Mal diskutierten verschiedene Entscheidungsträger:innen darüber, was es braucht, um Regionalität in unser aller Leben weiterzuentwickeln und welche Strategien hierzu bereits umgesetzt werden. An der Podiumsdiskussion, die im Boutiquehotel Stadthalle stattfand, dem einzigen Wiener Biohotel, nahmen Johannes Fankhauser (Sektionschef Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus), Walter Lukner (CEO PAYBACK Austria), Michaela Reitterer (Eigentümerin Hotel Stadthalle), Georg Strasser (Country Manager Austria Too Good To Go) und Andreas Haider (Eigentümer Unimarkt Gruppe) teil. Moderiert wurde das Event von Misheel Ariun (Head of Social Media JMC).

Zuerst teilten die Teilnehmer:innen ihre persönlichen Statements zum Thema Regionalität mit dem (Online) Publikum:

“Österreich versucht seit dem Beitritt zur EU, das Thema Regionalität weiterzuentwickeln. Die Konsument:innen müssen sich stärker mit der Frage nach der Herkunft und der Produktion der Lebensmittel beschäftigen. Die österreichische Landwirtschaft sieht Regionalität als Chance neue Märkte zu erobern und den Export auszubauen.”

Johannes Fankhauser, Sektionschef Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

“Das Erfolgskonzept des österreichischen Tourismus sei die regionale Kulinarik, die nur durch die von den Bauern gepflegte Landwirtschaft existiert und wiederrum von den Hoteliers an die Gäste weitergegeben wird.”

Michaela Reitterer, Eigentümerin Hotel Stadthalle

Stichwort Loyalty: Auch hier muss lokal bzw. regional gedacht und der Handel mit den Konsument:innen verbunden werden. Corona war definitiv ein Faktor, der in diesem Bereich die Regionalität vorangetrieben hat. Es gibt keinen Lockdown für Loyalty per se. Der Kontakt zu den Kund:innen muss zu jedem Zeitpunkt aufrecht erhalten werden. Wenn nicht stationär, dann über diverse Onlinekanäle, aber dies kann auch durch lokale Initiativen geschehen. 

Walter Lukner, CEO PAYBACK Austria

Das Ziel von „To Good To Go“ ist es, Überschüsse zu minimieren. Konkret bedeutet das ein starkes „JA“ zur Regionalität, aber ein umso lauteres „NEIN“ zur Lebensmittelverschwendung, egal woher die Produkte letztendlich stammen.

Georg Strasser, Country Manager Austria Too Good To Go

Unimarkt versteht sich mit seinen 450 Kaufleuten (Nah und Frisch & Uni Markt) als stark regional aufgestelltes Unternehmen, ist seit 2018 klimaneutral und verwehrt sich grundsätzlich gegen Multipackaktionen. Darüber hinaus sollen 30% der Umsätze bis 2025 nur noch durch regionale Produkte erwirtschaftet werden. Ehrliche ländliche Strukturen fördere und unterstützte man zu 100%.

Andreas Haider, Eigentümer Unimarkt Gruppe

Supermärkte – welche Chancen und/oder Herausforderungen kommen auf sie zu?

Fankhauser sieht den Wunsch nach regionalen Lebensmitteln immer präsenter werden. „Die Umfragen zeigen klar und deutlich, dass Konsument:innen in Österreich preisbewusst handeln. Obwohl vielen die Herkunft wichtiger ist als der Preis, ändert das nichts an der Tatsache, dass der Preis für die Mehrheit der Bevölkerung das wichtige Entscheidungskriterium bleibt. In der öffentlichen Beschaffung versuchen wir Regionalität in den Vordergrund zu stellen: Die Versorgung der Militär Kantinen und Krankenhäuser mit regionalen Lebensmitteln wird vorangetrieben.“

Erwähnt wurde in diesem Zusammenhang das Projekt „AMA Genussregion“: Dabei werden Direktvermarkter und Gastronomie miteinander vernetzt, um das Angebot an regionalen Produkten zu erweitern.

Auch der Begriff Herkunftskontrolle fiel sehr oft, nur so könne sich die Konsumentin und der Konsument sowie Handel und Gastronomie auf die Produktqualität verlassen – mehr Transparenz kann nur für alle Stakeholder vorteilhaft sein.

Für Michaela Reitterer ist Regionalität DER Erfolgsfaktor schlechthin. Sie möchte diese vor allem bei den Lebensmitteln im Frühstücksbereich vorantreiben, genauso wie im Bereich der Dekoration, zum Beispiel durch regionale Blumen. Die Beobachtungen zeigen, dass auch die Industrie langsam auf Bio-Produkte aus Österreich umstellt und das sei sehr erfreulich.

Im Handel gibt es schon lange eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel. Jetzt ist die Gastronomie gefragt, denn die Kund:innen wünschen es sich – genauso wie es einige Gastronomen gibt, die sich ebenfalls zur Herkunftskennzeichnung bekennen. Michaela Reitterer ist davon überzeugt: „Dort wo öffentliches Geld in die Hand genommen wird, muss eine Herkunftsbezeichnung Pflicht sein. Ich spreche dabei nicht vom kleinen Wirten, denn da gibt es eh nicht mehr viele. Und selbstverständlich kann nicht jede Einrichtung einzig und allein auf österreichisches Fleisch zurückgreifen, das schafft nicht mal die Spitzengastronomie. Aber in der öffentlichen Hand ist das ein MUST. Nur auf diese Weise werden wir den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit hinbekommen. Darüber hinaus kann ich nur sagen: Jene Gastronomen, die eine Herkunftskennzeichnung unterstützen, sollen es – abgesehen von gesetzlichen Vorgaben – zuerst machen.“

Kann die österreichische Landwirtschaft liefern, was sich die Konsument:innen wünschen?

Für Frankhauser kommt hier wieder die Bewusstseinsbildung ins Spiel. Viele Menschen wissen nicht, wie Lebensmittel produziert werden und woher sie stammen. Da müssen wir ansetzen. „Ein Blick in den eigenen Kühlschrank schafft Klarheit. Bio ist ein riesen Trend, der weiterhin steigen wird. Die österreichische Landwirtschaft ist im EU-Durchschnitt ganz vorne mit dabei, denn wir haben das EU-Ziel mit 26 Prozent der Anbauflächen in biologischer Landwirtschaft bereits erreicht. Der Ausbau der Bio-Landwirtschaft wird sich in den nächsten Jahren auf mind. 30% belaufen.“

Von den anderen Teilnehmer:innen wurde folgender Wunsch klar an die Politik geäußert: Es braucht mehr Aufklärung zum Thema Haltbarkeit von Lebensmitteln, Informationen zum richtigen Müll trennen und zur Herkunft von Lebensmitteln.

Welche Schritte kann jeder einzelne von uns setzen?

Hier hat Georg Strasser einen großartigen Tipp. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sollte nicht zu ernst genommen werden – immerhin werden 10% der Lebensmittel nur aufgrund dessen Überschreitung weggeworfen. Viel eher müssen wir die eigene Sensorik einschalten und durch Riechen und Schmecken abschätzen, ob ein Produkt noch in Ordnung ist. Das ist übrigens auch das Motto des Handelsverbandes, der sich mit „Lebensmittel Wertschätzen“ stark hinter Leitgedanken wie diese stellt.

Im Idealfall sollten Sticker neben dem Aufdruck des Mindesthaltbarkeitsdatum angebracht werden, die darauf hinweisen, dass ein Produkt bis zum genannten bis zu dem Datum 1A ist, und danach immer noch dem Wert 1 entspricht – also genießbar ist.

Ob Lebensmittel, Dienstleistung oder neu gedachte Wertschöpfungskette: Der Trend zur Regionalität macht gerade die Runde und gewinnt tagtäglich an Bedeutung, sowohl für Konsument:innen als auch für Händler:innen. Auch und gerade in einer immer stärker vernetzten Welt sowie in Zeiten des Klimawandels sticht Regionalität als Erfolgskonzept für die Zukunft hervor – das hat uns die Podiumsdikussion bei “Moving Forward” gerade wieder auf Neue bewiesen.

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