Bier: Vorreiter in der Regionalität

Helles und dunkles Bier im Glas, anstoßen
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Bier ist eines der absoluten Lieblingsgetränke der Österreicher:innen. Regionalität ist den Biertrinker:innen dabei wichtig: Beim Einkauf wird besonders gerne zu heimischen Marken gegriffen.

Bier ist in Österreich ausgesprochen beliebt: 107 Liter davon werden durchschnittlich pro Person und Jahr getrunken. Bier ist dabei eng mit der österreichischen Identität verknüpft. Das äußert sich auch im Konsum: Die Österreicher:innen greifen besonders gerne zu heimischen Biermarken. Wer auf Regionalität achten möchte, bekommt mit Bier also eine gute Möglichkeit, ein regionales Produkt zu konsumieren. Die Tatsache, dass Bier ein verarbeitetes Produkt ist, macht die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe aber schwer. Denn sobald ein Produkt verarbeitet ist, muss nicht mehr angegeben werden, woher die darin enthaltenen Zutaten stammen.

Bier ist eng mit der österreichischen Identität verknüpft wie der Konsum von 107 Liter Bier pro Jahr zeigt.

Dass Bier auch eng mit der heimischen Landwirtschaft verknüpft ist, wird gerne vergessen. Als rein agraisches Produkt kommen Hauptzutaten für Bier vom Acker. Hopfen, Gerste und Hefe braucht es dafür – und viele Stunden Arbeit unserer Landwirt:innen , die ermöglichen, dass in Österreich pro Jahr fast 10 Millionen Hektoliter Bier hergestellt werden.

Ein glücklicher Zufall

Eine Erfinderin oder einen Erfinder hat Bier in dem Sinn nicht. Seit es Kulturvölker gibt, gibt es auch Bier. Seine Erfindung war höchstwahrscheinlich das Resultat dessen, was man wohl einen glücklichen Zufall nennen kann. Von da an ging es mit dem Bier steil bergauf, denn durch den Vergärungsprozess wurde das meist verkeimte Trinkwasser genießbar und Bier somit zur sichersten Flüssigkeitsaufnahme für den Menschen.  

Biersorten nach ihrer Beliebtheit: Lager-Märzen ist mit Abstand das meist gefragte Bier in Österreich.

1384 wurde die erste Brauerei in Wien urkundlich erwähnt. Welche das war, kann man heute allerdings nicht mehr sagen. Vor dem Aufkommen gewerblicher Brauereien lagen lange Jahrhunderte des Hausbrauens, das reine Frauensache war. Während es um 1900 etwa 1000 Brauereien in Österreich gegeben haben soll, waren es 2020 „nur“ noch 309 – wobei die Tendenz seit 1980 wieder steigend ist. Mehr als die Hälfte des hierzulande gebrauten Bieres wird dabei von den Brauereien der Brau Union Österreich produziert, die als Teil des Heineken-Konzerns, dem zweitgrößten Global Player der Brauereiwelt, in ausländischem Besitz sind. Diese bedienen den heimischen Biermarkt aber nach wie vor unter den altbekannten Markennamen.

Stark in der Region verankert

Im Kontrast dazu gibt es immer mehr kleine und Kleinstbrauereien, die weniger als 20.000 Hektoliter Bier pro Jahr brauen. Diese waren schon immer charakteristisch für die österreichische Brauereilandschaft, haben durch den Craft-Beer-Boom der letzten Jahre allerdings einen zusätzlichen Aufschwung erlebt. So gab es in Österreich 2020 277 kleine und Kleinstbrauereien, während es 1980 nur 18 waren. Ihr Marktanteil ist im Vergleich zu den großen Brauereien und Brauereigruppen aber nach wie vor verschwindend gering, stellen sie doch lediglich 1,1 Prozent des insgesamt in Österreich gebrauten Bieres. Dieses reicht übrigens für den Eigenbedarf der Österreicher:innen aus: Der Selbstversorgungsgrad von Bier beträgt 103 Prozent.

Doch egal, ob große Brauereigruppe oder kleine Craft-Beer-Brauerei: Bier hat etwas geschafft, was sonst kaum einem Lebensmittel gelingt – die Erhaltung regionaler Marken. Kaum jemandem ist es gleichgültig, welche Marke auf dem Etikett steht, und der Absatz der einzelnen Brauereien ist in und rund um deren Heimatorte am größten, zumal die einzelnen Biermarken oft auch nur in der jeweiligen Region erhältlich sind. Mit vergleichsweise geringen Importzahlen und einer stetig anwachsenden Vielfalt an Brauereien ist das Bier somit ein Vorbild für viele Lebensmittel, wenn es darum geht, wie Regionalität funktionieren kann.

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