Energielabel neu: Der Handel bleibt gefordert!

Auf dem neuen Energielabel sind die Energieverbrauchsklassen A-G abgebildet

Seit 1. März 2021 ist das neue Energielabel im Einsatz

Themen wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit haben nicht erst seit der Covid-Pandemie an Bedeutung gewonnen, wenngleich sich die Bewusstseinsbildung bei den Konsumenten gerade in den letzten Monaten nochmals deutlich beschleunigt hat. Öko ist „in” – aus ethischen Gründen ebenso wie aus ökonomischen. Aus beiden Gesichtspunkten leistet das Energielabel eine wichtige Hilfestellung bei der Einordnung eines Produkts.

Seit 1. März dieses Jahres gilt für Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen und -trockner, Geschirrspüler sowie Fernseher und elektronische Displays das neue Energielabel, das angetreten ist, um dem undurchsichtigen Wildwuchs von Doppel- und Dreifachplus und Minus-Prozenten bei den Energieeffizienzklassen den Garaus zu machen. Eine einheitliche Effizienzskala A bis G, die Angabe des Energieverbrauchs, Piktogramme zur Darstellung grundlegender Produkteigenschaften sowie ein QR-Code für detaillierte Produktinformationen sollen bei den Endkund:innen für Transparenz und vor allem Vergleichbarkeit sorgen. In Kürze soll zudem eine auf allen Endgeräten nutzbare App gelauncht werden, die basierend auf Daten der EU-Datenbank EPREL den direkten Produktvergleich sowie die Berechnung der Gesamtkosten über den gesamten Produktlebenszyklus ermöglicht.

Energieverbrauch für viele Kund:innen als ausschlaggebendes Kriterium

Dass diese hehren Ziele mit dem neuen Energielabel erreicht werden können, stellt weder aufseiten der Hersteller und Lieferanten noch aufseiten des Handels irgendjemand ernsthaft in Frage. Doch das Ganze ist ein Prozess, bei wir uns noch lange nicht im Endspurt befinden. Das liegt einerseits daran, dass für eine Reihe von Kategorien wie Klimageräte, Warmwasserbereitung oder Heizung die neue Auszeichnung erst zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt wird (als nächstes folgen übrigens Lichtquellen ab September), und andererseits, dass wir uns selbst bei den bereits umfassten Produktgruppen noch mitten in einer Übergangsphase befinden. Geräte, die vor 1. November 2020 auf den Markt gebracht wurden, dürfen weiterhin mit der „alten” Kennzeichnung verkauft werden – und zwar noch bis 30. November 2021. Bis dahin stehen also ältere Geräte mit der „alten” Skala A+++ bis D neben topmodernen mit der neuen Skala A bis G in den Geschäften und buhlen um die Gunst der Käufer. Gerade bei Produkten, die 24/7 betrieben werden, wie etwa Kühlschränken oder Gefriertruhen, ist der Energieverbrauch ein ausschlaggebendes Kriterium – und warum das „neue B” das „alte A” um Längen schlägt, will erst einmal plausibel erklärt werden.

Aufklärung über Bedeutung des neuen Energielabels notwendig

Genau hier kommt der Handel, insbesondere der stationäre Elektrofachhandel, ins Spiel. Dieser punktet seit jeher mit Beratungsqualität und konnte sein Know-how rund um das neue Energielabel in zahlreichen Schulungen und Workshops entsprechend vertiefen. Damit zeigte – und zeigt – er sich bestens für jene Situation gerüstet, die der Einführung des neuen Energielabels als fahler Beigeschmack anhaftet: Es fehlt bis heute an einer breiten Aufklärungskampagne für die Konsument:innen. Bei diesen erzeugen die unterschiedlichen Kennzeichnungen in der Übergangsphase erst recht Verwirrung – und oft sind es eben die Händler:innen des Vertrauens, die hier für das erhellende Aha-Erlebnis sorgen. Dieser Aufgabe, seiner ohnehin ureigensten, wird der Handel in Bezug auf das neue Energielabel somit wohl noch eine ganze Weile in intensivierter Form nachkommen müssen.

Dass zu Beginn der neuen Kennzeichnung nur sehr wenige Geräte die Top-Klassen A und B erreichen und es sich beim neuen Energielabel um ein dynamisches Modell handelt, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt: Die Klassengrenzen werden laufend neu definiert (dh verschärft), sobald 30% der auf dem EU-Markt verkauften Produkte in die Energieeffizienzklasse A fallen bzw. wenn 50% dieser Produkte A oder B erreichen. Somit ist sichergestellt, dass die Industrie einen Anreiz hat, weiterhin immer effizientere Produkte zu entwickeln, und die Einordnung in die Klassen dennoch aussagekräftig bleibt. Ziemlich clever eigentlich und für den Konsumenten äußerst hilfreich – sobald die Umstellung abgeschlossen und das neue System etabliert ist.

Überspitzt formuliert gab und gibt es zwei entscheidende Kaufkriterien: Geräte können gut oder billig sein. „Billig” wird bei gewissen Anforderungen und Einsatzzwecken immer ein Argument bleiben. „Gut” gewinnt aufgrund des eingangs erwähnten Umdenkens an Bedeutung – und der Handel erhält hier durch das neue Energielabel ein starkes Argument im Verkaufsgespräch.

Energielabel neu vor grünem Hintergrund
Wolfgang Schalko| Chefredakteur
 elektro.at
E&W – Herausgeber & Ressortleitung Multimedia

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