Handelsgastronomie als wachsender Markt

Viele ÖsterreicherInnen lieben es, spontan einzukaufen und gönnen sich dazwischen gerne eine Pause: Handel und Gastronomie stehen in einem unanfechtbaren Naheverhältnis.

Wo sich viele Geschäfte befinden, ist in der Regel auch die Gastronomie nicht weit. Die Handelsgastronomie professionalisiert sich zunehmend und arbeitet verstärkt an einem attraktiven Produktportfolio inklusiver großer Kundenorientierung. Dazu liefert das EHI Retail Institute mit der Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2020“ top-aktuelle Einblicke in den deutschen Markt. Aber auch in Österreich setzen EinzelhändlerInnen mehr und mehr auf eine Kombination von Waren und Speisen. In Handelsketten eingegliederte Restaurants gibt es schon seit geraumer Zeit doch auch immer mehr (kleinere) Unternehmen springen auf den Zug auf. Die Zahlen sprechen für sich: Die Handelsgastronomie ist auf dem Vormarsch, setzt wichtige Kaufimpulse für den Handel und entwickelt sich zu einem ernst zu nehmenden Player in der Branche.

Dass Restaurants und Cafés in Österreich ab dem 19. Mai erneut öffnen werden, hilft enorm bei der Wiederbelebung des Handels. Wer kennt es nicht, gemütlich auf der Mariahilfer Straße entlang zu spazieren, von einem Shop in den nächsten zu hüpfen und in aller Ruhe zu gustieren. Shoppen ist ein wunderschöner Zeitvertreib, macht aber auch hungrig und da braucht es einfach die Möglichkeit, eine Pause zur Stärkung einzulegen. Das steigert nicht nur die Shoppinglaune der KonsumentInnen, sondern treibt auch die Umsatzzahlen im Handel in die Höhe. Es besteht kein Zweifel, der Handel und die Gastronomie gehören zusammen wie zweieiige Zwillinge.

14% Gastro-Anteil in Shoppingcentern

Durch die Handelsgastro­nomie werden nicht nur hungrige ShopperInnen versorgt, sondern auch jene Menschen, die in der unmittelbaren Umgebung arbeiten oder PassantInnen, die gerade in der Gegend sind und schnell einen Happen essen möchten. Die Systemgastronomie, die ihren Ursprung in den USA hat, fand bereits vor vielen Jahren auch in Österreich ein Zuhause, doch hat sich der Gastro-Anteil in Shoppingcentern von 2008 bis heute bald verfünffacht. Waren es 2008 gerade einmal drei Prozent der Shoppingcenterfläche, so sind es heute 14 %. Das Essen ist zu einem wesentlichen Kriterium in Shoppingcentern geworden. Bei der Wahl der Einkaufslocation legen KonsumentInnen nun verstärkt Wert auf ein inkludiertes nach ihrem Geschmack ausgerichtetes kulinarisches Angebot.

Best Practice Beispiele in Österreich

In Österreich gibt es einige ausgefeilte Konzepte: Ein sehr gutes Beispiel ist das schwedische Einrichtungshaus IKEA, dessen Fleischbällchen zu erschwinglichem Preis mittlerweile zu einem globalen Kult geworden sind. Auch das Möbelhaus XXXLutz und andere Möbelhäuser punkten bei hungrigen ShopperInnen mit ihren integrierten Restaurants.

Ein weiteres Beispiel sind die bekannten Merkur Restaurants, die uns auch nach der Neustrukturierung bei Billa Plus erhalten bleiben. Auch Spar bietet den Einkaufenden schon lange eine breite Auswahl ein Leckerbissen im INTERSPAR-Restaurant, das mit Self-Service punktet. Spar ist sogar einer der größten Systemgastronomen der Alpenrepublik und bietet (in Lockdown freien Zeiten) täglich wechselnde Menüs.

Auf Einkaufsstraßen wie der Mariahilfer Straße findet man beispielsweise bei Gerngroß Kombinationen von Handel und Gastronomie unter einem Dach. Während sich auf den unteren Etagen zahlreiche Geschäfte befinden, sind im obersten Stockwerk die Restaurants Akakiko und Brandauer zu finden.

Allgemein gesprochen werden Geschäftskonzepte mit Erlebnisgastronomie wie auch Cocktailbars, Coffee-Bikes, vegane Restaurants, Salatbars, Smoothies oder Frozen-Yogurt-Shops immer beliebter bei den ÖsterreicherInnen.

EHI Retail Institute: Untermauerung des Trends mit Zahlen

Das EHI Retail Institute veröffentlichte erst kürzlich spannende Zahlen für Deutschland, nach denen der Einzelhandel durch Handelsgastronomie 2019 einen Jahresumsatz von rund 10 Mrd. Euro an über 35.000 Verkaufsstellen erwirtschaftete. Dazu zählen Versorgungskonzepte im Vorkassenbereich mit To-go Menüs genauso wie gastronomische Angebote auf der Fläche. Im Vergleich zu 2017 entspricht der Umsatz einer Steigerung von rund 4 % jährlich.

Pro Kopf Ausgaben durchschnittlich 6 Euro in der Handelsgastronomie

Für Speisen und Getränke, die an im Handel integrierten Verkaufsstellen angeboten werden, geben 80 % der KonsumentInnen bis zu 6 Euro aus. Die restlichen 20 % bezahlen für gastronomische Angebote im Handel sogar deutlich mehr als 6 Euro. Dabei werden Shopping- und Gastro-Angebote oft kombiniert, denn jede/r zweite KundIn der Handelsgastronomie kauft zeitgleich auch Produkte im jeweiligen Geschäft ein. Insgesamt kaufen in Deutschland in einem Jahr 37,4 Millionen Menschen frisch zubereitete und verzehrfertige Speisen im Handel.  

Die EHI Retail Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2020“ zeigt auch, dass es eine Qualitätssteigerung bei Speisen und Getränken in der Handelsgastronomie gab. Auch die Ausstattung und das Ambiente des jeweiligen Geschäfts waren der deutschen Studie nach bei Einzelhandelsunternehmen im Jahr 2020 innovativer denn je.

Worauf der Handel Gusto macht

Deutsche HändlerInnen aus mehr als 17 Handelsunternehmen und 14.800 Filialen wurden befragt, welche Speisen zu den beliebtesten bei der Kundschaft zählen. Zu den Top 10 aus Sicht der VerkäuferInnen gehören:

  1. Belegte Brötchen (kalt)
  2. Fleischlaberl
  3. Schnitzel
  4. Kuchen und Süßspeisen
  5. Hühnchen
  6. Italienische Pasta
  7. Suppen und Hausmannskost
  8. Döner
  9. Wurst und Currywurst
  10. Fleischkäse

Das Thema Handelsgastronomie hat dein Interesse geweckt? Am 23. und 24. September 2021 findet der Tag des Handels – der große Retail-Kongress des Handelsverbandes – in Gmunden statt – auch hier wird dem wachsenden Bereich der Handelsgastronomie eine Bühne geboten. Sichere dir jetzt dein Ticket und erfahre mehr!

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