„SAP S/4HANA ist eine Datenbank-(R)evolution“ – CNT-Partner Richard Wagner im Interview

CNT Gründungspartner Richard Wagner |
© Alexandra Arnitz

Die SAP-Beratung CNT Management Consulting AG zählt zu den führenden Beratungshäusern für die digitalen Anwendungen SAP S/4 HANA, Ariba, CX, CRM, SuccessFactors, IBP und Concur. Das Unternehmen ist mit seinen Kernprodukten stark im Handel präsent, etwa im Baugewerbe oder im Lebensmittelsektor. Im Fokus stehen dabei die Umstellung auf SAP S/4HANA und immer mehr auch Cloud-Lösungen.

Der Handelsverband hat Richard Wagner zum Interview getroffen, einen der fünf Gründungspartner und Shareholder der „CNT“. Er sprach mit uns über die Fortschritte der digitalen Transformation, über Cloud-Lösungen und SAP S/4 HANA, das Potenzial, das sich daraus für österreichische HändlerInnen ergibt, sowie über innovative Zukunftspläne des Unternehmens.

HV: Herr Wagner, Sie sind als CNT-Partner für Procurement Lösungen auch für die Einkaufsplattform SAP Ariba zuständig. Was genau ist Ihr Job?

Richard Wagner: Als Absolvent der TU Wien komme ich aus dem technischen Umfeld. Im Laufe der Jahre hat sich mein Schwerpunkt in den Bereich Procurement Lösungen und Prozess-Beratung verlagert, unter anderem auf die SAP Cloud Lösung SAP Ariba, Business Network und SAP Digital Supplier Network. Der Aufbau eines rund 20 Personen umfassenden Teams in diesem Bereich hat es uns ermöglicht, zahlreiche erfolgreiche Projekte für unsere KundInnen umzusetzen. Mit meinem Kompetenzteam „SPEND“ stellen wir sicher, dass Know-how systematisch allen BeraterInnen zur Verfügung steht.

Meine Rolle beinhaltet aber auch die Verantwortung für ausgewählte KundInnen und Projekte. Viele unserer Partner haben neben firmeninternen strategischen Themen – und das finde ich enorm wichtig – auch operative Funktionen.

HV: SAP S/4HANA ist Nachfolger des bisherigen Kernprodukts SAP R/3. Das S steht dabei für simple oder suite, die 4 für die vierte Produktgeneration und HANA für die zugrunde liegende Datenbanktechnologie. Was ist das Besondere an der neuen Produktgeneration und was zeichnet HANA aus?

Richard Wagner: SAP S/4HANA ist technisch eine Datenbank-(R)evolution. Durch die komplett neue Technologie wird einerseits viel physischer Platz gespart, andererseits eine In-Memory Technik zur Verfügung gestellt. Dies beschleunigt das System enorm, insbesondere beim Reporting durch die Möglichkeit direkt Quelldaten zu nutzen anstatt Aggregate der Daten.

Die SAP HANA Datenbank gibt den AnwenderInnen deutlich mehr technische Möglichkeiten, denn sie unterstützt z.B. neue Anwendungen in den Bereichen Internet Of Things (IoT), Big Data, Predictive Analytics.

Auf der Ebene dieser neuen S/4HANA Technologie wurde von SAP enormer Aufwand in die Vereinfachung der Anwendungen und Prozesse gesteckt, etwa durch benutzerfreundliche Fiori-Oberflächen, und auch die Personalisierung wird großgeschrieben.

HV: Von CNT werden sehr viele SAP-Produkte angeboten: S/4HANA, Ariba, SuccessFactors, IBP, Concur, CX und CRM, um nur einige zu nennen. In welchen Bereichen werden diese hauptsächlich eingesetzt?

Richard Wagner: Die von Ihnen genannten Cloud-Anwendungen ergänzen das Portfolio in verschiedenen Spezialbereichen und stellen den erweiterten „Digital Core“ dar.

Kurz im Detail zu den wichtigsten für den Handel relevanten Anwendungen:

SAP Ariba: SAP Ariba ist DIE Ergänzung zu SAP S/4HANA für die Beschaffungsprozesse im Unternehmen. Über das SAP Ariba Network bilden viele unserer KundInnen den digitalen Bestell- und Rechnungsprozess aus dem SAP S/4HANA ab. Die Bestellung und alle Folgebelege wie Auftragsbestätigung, Lieferaviso und Leistungserfassungsblätter sind voll digitalisierbar.

Mit SAP Supply Chain Collaboration ist es sogar möglich Qualitätsprozesse, Planungsdaten und Sonderbeschaffungsformen wie Lieferpläne, Lohnbearbeitung und Vendor Managed Inventory auf eine digitale Ebene zu heben und mit dem Lieferanten teilen.

SAP Ariba ist somit eine Suite von mehreren Lösungen, die deutliche Einsparungen im Einkauf durch die Standardisierung des Sourcings und den Wegfall von operativen Bestellerfassungen mit sich bringt.

SAP Integrated Business Planning: SAP Integrated Business Planning (SAP IBP) hat sich in den letzten Jahren als das wichtigste Cloud-Produkt im Bereich der Supply-Chain-Planung etabliert. Die Module Demand Planning (Bedarfsplanung) und Sales and Operation Planning (Absatz- und Betriebsplanung) zählen zu den beliebtesten Modulen. Die fortschrittlichen Funktionalitäten und die direkte Integration in den SAP S/4HANA-Core machen IBP für viele Unternehmen zum Werkzeug der Wahl für die strategische und operative Planung.

SAP CX: Das SAP CX Portfolio bietet durch integrierte Prozesse einen nahtlosen Übergang zwischen den Anwendungen und baut auf den vier Säulen “Commerce”, “Marketing”, “Sales” und “Service” auf. Durch integrierte Prozesse in E-Commerce und Marketing können Kundenprofile aufgebaut werden, um eine kundenspezifische Customer Journey durch personalisierte Inhalte und Angebote zu etablieren. Das Spektrum reicht dabei von B2C Omni-Channel Customer-Service-Lösungen bis hin zur Abbildung von automatisierten Instandhaltungsprozessen durch den Einsatz des Internet of Things.

HV: Die CNT Management Consulting hat im letzten Jahr einen Umsatzzuwachs von 22 Prozent verzeichnet und die Büroflächen in Wien konnten sogar verdoppelt werden. Wie können Sie sich den Umsatzsprung auf 67 Mio. Euro (+22,9 %) erklären?

Richard Wagner: Wir waren bei neuen Markttrends immer sehr früh dabei. Das hat sich nun gelohnt, da diese strategischen Projekte alle sehr erfolgreich am Markt sind. Der zeitgerechte, wenn auch dadurch risikoreiche Einstieg und das Investment in Know-how Aufbau hat sich für uns als richtig erwiesen.  Weiters betreuen wir viele große Business Transformation Projekte, die trotz Herausforderungen durch Corona weitergelaufen sind und teilweise sogar intensiviert wurden. Unsere KundInnen haben erkannt, dass durch die Digitalisierung viele Kernprozesse der Unternehmen betroffen sind und haben die Zeit genutzt, diese Prozesse auf Best-Practice zu überprüfen.

Analog zu einem gut ausgewogenen Aktienportfolio hat sich auch ein ausgewogener Branchenmix positiv ausgewirkt. Die wichtigsten Sektoren für uns sind Life Sciences, Retail, Engineering, Food, Automotive und die herstellende Industrie.

HV: SAP Ariba hat die digitale Transformation des vollständigen Beschaffungsprozesses inne. Wie können HändlerInnen von der SAP-Ariba-Cloud-Lösung außerdem profitieren?

Richard Wagner: Neben den auf der Hand liegenden Vorteilen, wie Wegfall von Systembrüchen, Doppel- und Fehleingaben, sowie Erhöhung der Geschwindigkeit in der Kommunikation, ist ganz klar die gewonnene Transparenz hervorzuheben. Jede/r ProzessteilnehmerIn (Einkauf, Controlling oder eben auch die Lieferanten) hat jederzeit Zugriff auf den Stand des Prozesses. Bisherige manuelle Schritte führen zu viel organisatorischem Aufwand in den Abteilungen und im Einkauf. So ist heute kaum mehr vorstellbar, dass Pakete ohne Tracking versendet werden.

Für HändlerInnen und RetailerInnen ist diese Transparenz und auch die damit verbundene Vergleichbarkeit eine Riesenchance. Es gilt einerseits die Herausforderung zu meistern, den KundInnen jederzeit klare Stammdaten, aber auch Preise, Lieferzeiten und Verfügbarkeiten zur Verfügung zu stellen. Andererseits werden HändlerInnen und LieferantInnen durch digitale Prozesse beim Sourcing, Bestelleingang und der automatisierten Rechnungslegung belohnt.

HV: Es heißt, die Corona-Krise habe die Digitalisierung befeuert. Können Sie das bestätigen?

Richard Wagner: Ja, alle unsere KundInnen, die Ende des letzten Jahres ihre Digitalisierungsprojekte produktiv gesetzt haben, sind unmittelbar in Rollout-Projekte und -Folgeprojekte gegangen. Trotz Lockdowns oder Kurzarbeit nutzen die Mehrzahl der KundInnen die unfreiwillige Chance, gerade jetzt Projekte umzusetzen. Damit starten sie nach Corona gestärkt durch. Wir sehen aber auch KundInnen in gewissen Branchen, die trotz (oder gerade wegen) Corona deutliche Umsatzzuwächse verzeichnen. Life Science, also die Pharmaindustrie und medizinische Sektoren sind da sicherlich zu nennen. Business Networks (wie z.B. das SAP Ariba Netzwerk) sind hier das Schlagwort zur Sicherstellung der Supply-Chain.

HV: Wie beurteilen Sie den Fortschritt der Digitalisierung allgemein – welche Zukunftstechnologien werden in den kommenden zehn Jahren im Retail-Bereich die Oberhand gewinnen?

Richard Wagner: Zehn Jahre sind in der IT ein sehr langer Zeitraum. Verzeihen Sie mir daher, wenn ich im Folgenden etwas futuristisch klinge.

Eingeleitet durch die vorhin oft erwähnen Cloud-Initiativen sehe ich diesen Trend konsequent weiterlaufen. Wir werden uns in den nächsten Jahren verstärkt mit Artifical Intelligence befassen. Viele Routineaufgaben von heute werden automatisiert ablaufen. Als Beispiel in meinem Bereich des Procurements sehe ich hier Sourcing von Standardprodukten oder die Selektion von LieferantInnen.

Social Responsibility und auch Environmental Responsibility werden viel mehr Gewicht bekommen. Dies zeigt sich heute bereits mit dem Lieferkettengesetz. Das Erfüllen und Übererfüllen von „Responsibility“ wird zum Wettbewerbsvorteil und dadurch müssen KPIs systemunterstützt geführt, gewonnen und getrackt werden. Auch die Ausweisung von CO2-Steuern wird immer wichtiger bei der Auswahl von Produkten oder Geschäftspartnern.

Ich sehe all diese Innovationen im Handel durchschlagen. Das Produkt selbst wird leicht vergleichbar – und zwar automatisiert. Kaufentscheidungen werden zukünftig wohl automatisiert getroffen. Wir sehen auch eine Tendenz hin zu mehr Individualisierung der Kundenwünsche bezüglich Liefermengen, Termine, Konfektionierung und maschinentaugliche Verpackung.

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