Erfolgsfaktor Smart Energy Management

Nachhaltigkeit ist derzeit neben dem Trend zur Digitalisierung das zweite große Zukunftsthema. Warum ist Smart Energy Management ein Erfolgsfaktor für die Handelsbranche und welche Relevanz ergibt sich daraus für sämtliche Geschäftsprozesse? Retail.at hat sich auf Spurensuche begeben.

Eines vorweg: Es ist richtig, dass intelligente Filialen, sogenannten „Smart Stores“ mit digitalen Anwendungen, basierend auf Sensorik, Internet-der Dinge-Technologie und Künstlicher Intelligenz, energieintensiver als eine nicht oder kaum digitalisierte Filiale sind. Dennoch gibt es unzählige Wege, wie diese Smart Stores aktiv zur Nachhaltigkeit beitragen können. Durch digitale Lösungen können Geschäftsprozesse klima- und umweltfreundlicher gestaltet werden. Beispielsweise gelingt es auf Basis von Daten und Algorithmen Erkenntnisse zu gewinnen und diese zur Effizienzsteigerung und Optimierung von Prozessen heranzuziehen. Dadurch können Energie und Ressourcen eingespart, Stoffe besser wiederverwendet und recycelt werden.

Viele große und mittelständische Händler setzen bereits auf Nachhaltigkeit in Form von bspw. energieeffizienten Filialen oder nachhaltiger Beleuchtung. Spätestens durch das von der EU vorgegebene Ziel in Europa bis 2050 klimaneutral zu sein, ergeben sich für HändlerInnen konkrete Anforderungen an ihre Nachhaltigkeits-Ansätze. Diese resultieren in einer Vielzahl von möglichen Initiativen über die gesamte Liefer- und Prozesskette hinweg.

Doch was können HändlerInnen konkret in der Filiale tun, um sich dem Konzept des „Sustainable Smart Stores“ anzunähern? Was wird überhaupt unter diesem Begriff verstanden? Gemeint sind Filialen, die einerseits mit digitalen Lösungen ausgerüstet sind, um operative Prozesse effizienter zu gestalten und KundInnen mehr Services anzubieten. Gleichzeitig wird – und das kann als der Tipping Point bezeichnet werden – der Fokus auf Nachhaltigkeit gelegt. In anderen Worten, digitale Lösungen werden eingesetzt, um verschiedene Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Cloud als Basis für den Sustainable Smart Store

Die als weniger energieeffizient geltenden traditionellen Rechenzentren werden zunehmend durch Cloud-Rechenzentren und Hyperscale-Cloud-Rechenzentren ersetzt. Letztere sind hocheffizient, sehr groß, global verteilt, laufen mit einer hohen Auslastung und erbringen durch modernste Hardware eine höhere Rechenleistung pro Energieeinheit. Dadurch ergibt sich energieeffizientes Lichtmanagement, Lösungen zur Optimierung der Auslastung der Klima- und Kältetechnik, der Strom- und Wärmeerzeugung sowie deren Nutzung. Darüber hinaus ermöglichen digitale Lösungen, die operativen Prozesse direkt in der Filiale zu optimieren und nachhaltiger zu gestalten. So kann zum Beispiel Abfall-Management erfolgen, Schwund durch vorausschauende Überwachung der Kühlgeräte vermieden oder das Sortiment bzw. der Bestand in Filiale und Lager mithilfe von Sensorik erfasst und per KI vorausschauend optimiert werden.

Vor allem für den Lebensmittelhandel mit seinem vergleichsweise hohen Energieverbrauch bietet sich eine Cloud-Lösung an, aber auch im Nonfood-Handel gibt es vielversprechende Einsatzmöglichkeiten. Während im Food-Bereich die Kältetechnik den mit Abstand größten Anteil des Energieverbrauchs ausmacht, ist dies im Nonfood-Handel die Beleuchtung.

Durch die gezielt gemanagte Auslastung können auch Energiebedarfe besser prognostiziert und beschafft werden. Das heißt, es kann bspw. gezielt Grünstrom von unterschiedlichen Erzeugern genutzt werden, um die CO2-Bilanz zu senken. Zudem werden moderne Rechenzentren so gebaut, dass bspw. Kühlung anstelle von Klimageräten durch die Außenumgebung übernommen wird.

Warum sich gerade der Handel als eine Cloud-freundliche Branche bezeichnen lässt? Retailern wird eine höhere Skalierbarkeit beim Rollout neuer Lösungen geboten. Deren schnelle und unkomplizierte Implementierung ist heute erfolgskritisch. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entscheidung für die Cloud ist, dass ein Fokus auf die eigenen Kernkompetenzen gelegt werden kann.

ESL & Dynamic Pricing zur Reduktion von Abschriften

In den vergangenen Jahren hat die elektronische Preisauszeichnung (ESL) im Lebensmittelhandel im DACH-Raum stark zugenommen. Elektronische Preisschilder (Electronic Shelf Labels) als Regalschild, Aufsteller oder Hang-Tag gibt es bereits in vielen Handelssegmenten. Zuletzt hat in Österreich der Diskonter HOFER angekündigt, seine Filialen mit Electronic Shelf Labels auszustatten. Die Anzahl an Rabattaktionen steigt und deshalb braucht es eine effiziente Lösung, um Preise in der Filiale zu ändern. Neben dem Wegfall des manuellen Steckens von Preisschildern bieten ESLs auch den Vorteil, Preise kurzfristig flexibel anzupassen.

Hier kommt auch Dynamic Pricing ins Spiel. Bei der dynamischen auf KI basierenden Preisanpassung werden die Produktpreise zentral über eine IoT-Plattform wie die SES-imagotag VUSION eingesteuert. So lassen sich Preiskorrekturen sehr schnell umsetzen. Die zentrale Plattform kann alle Produktdaten anzeigen und ermöglicht automatische Hinweise zum Mindesthaltbarkeitsdatum oder Empfehlungen zur Bestandsanpassung. Darüber hinaus ermöglicht das am ESL vorhandene LED-Licht den Einsatz für ein Pick-by Light in der Filiale oder im Lager. Die NFC-Funktion bietet sowohl für Filialpersonal als auch KundInnen die Möglichkeit, Artikelinformationen via App abzurufen. Besonders nachhaltig an dieser Smart-Energy Anwendung ist der vollständige Verzicht auf Papier-Preisschilder, Druckertinte und -energie.

Aktuelle Zahlen zur Umsetzung des Smart Energy Managements in der Praxis

Eine Studie des EHI Retail Institutes liefert spannende Daten zur Anwendung des Smart Energy Managements am deutschen Markt. CIOs und IT-LeiterInnen von 97 großen deutschen Handelsunternehmen aus den Branchen Food, Fashion, DIY und Consumer Electronics wurden dafür interviewt. Aus dem Foodbereich waren es 32 IT-ExpertInnen.

50 % der Befragten setzen beim Ressourceneinsatz auf Smart Energy Management Tools, weitere 17 % planen diese demnächst zu implementieren. Noch werden überwiegend einfache Lösungen genutzt, aber vor allem im Food-Bereich gibt es bereits umfassendere und technologisch anspruchsvollere Smart Energy Management-Konzepte mit KI-gestützten Applikationen. Internet of Things kommt aktuell bei 34 % der Unternehmen zum Einsatz, weitere 18 Prozent befinden sich noch in der IoT Planungsphase. 56 % bieten ihrer Kundschaft schon jetzt EV-Ladesäulen für E-Autos.

Fest steht: Der Handel wird Cloud-affiner. Ganze 48 % der befragten Handelsunternehmen nutzen cloud-basierte Anwendungen und fast ein Drittel geht von einem starken Relevanzschub in der Zukunft aus. Das Dynamic Pricing bietet sich insbesondere zur Anwendung im Frischebereich von stationären Händlern an. Durch eine intelligente digitale Steuerung der täglichen Abschriften im Obst- und Gemüsesortiment besteht die Möglichkeit, die Verschwendung von Lebensmitteln vorzubeugen. 79 % der Lebensmittelhändler nutzen die elektronische Preisauszeichnung bereits, die übrigen 21 % Prozent planen oder beobachten das Thema zumindest.

Sustainable Smart Store als Modell der Zukunft?

Der Weg zum „Sustainable Smart Store“ und zur Optimierung des eigenen Nachhaltigkeitsprofils ist für viele Handelsunternehmen noch weit. Es ist allerdings davon auszugehen, dass, auch begünstigt durch politische Rahmenbedingungen, die Bedeutung der technologiegestützten Steuerung des Energiemanagements im Handel in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Gleichzeitig werden sich Technologien auch gerade im Umfeld der künstlichen Intelligenz rapide weiterentwickeln, so dass der „Sustainable Smart Store“ in Zukunft mehr und mehr Realität werden dürfte.  Immerhin planen 85 % der deutschen Händler in Nachhaltigkeit bzw. Energiemanagement investieren.

Das Whitepaper „Sustainable Smart Stores 2021 – Digitale Nachhaltigkeitslösungen für den Handel“ vom EHI Retail Institut und Microsoft steht Ihnen ab sofort unter folgendem Link kostenlos zur Verfügung:

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