Clubhouse: Das neue 1×1 des (LEH)Handels mit Céline Flores Willers und Marcel Haraszti

Der gestrige HV Fireside Chat auf Clubhouse schlug hohe Wellen. Die LinkedIn Top-Voice & Gründerin von „The People Branding Company“ Céline Flores Willers und Marcel Haraszti, CEO von „REWE International“ diskutierten über krisensichere Geschäftsmodelle, die Zukunft des Handels und das sich verändernde Konsumverhalten der Menschen.

Mit Céline Flores Willers und Marcel Haraszti war die vom Handelsverband gehostete Clubhouse Runde am 10. März top besetzt. Rainer Will übernahm die Moderation und leitete unsere zwei prominenten SpeakerInnen durch den Talk.

Herausforderungen der Branche und krisenresiliente Geschäftsmodelle

Marcel Haraszti kann kaum glauben, schon seit 20 Jahren bei REWE dabei zu sein. Er schätzt die Zusammenarbeit zwischen jungen, innovativen KollegInnen und älteren erfahrenen ManagerInnen sehr. Für ihn hat REWE Österreich aktuell das beste Team, das es je gab.

„In einer Krise zeigt sich der wahre Charakter jeder Organisation“, so Haraszti. Am Tag der Ankündigung des 1. Lockdowns hat REWE den stärksten Tagesumsatz in der Firmengeschichte verzeichnet. Die Corona-Krise stellt zwar eine Riesen Herausforderung für alle MitarbeiterInnen dar, jedoch übernimmt der Gedanke des Kollektivs Vorherrschaft bei REWE und so gibt es unglaublichen Zusammenhalt. Investiert wurden große Geldsummen für ausreichende Schutzmaßnahmen sowie man den Angestellten gute Prämien ausbezahlte.

Bei Céline Flores Willers und dem Startup „The People Branding Company“ wurde noch nie zentral in einem Büro gearbeitet, angebotene Trainings werden virtuell abgewickelt. Dadurch hat sich im operativen Geschäft durch Corona nichts geändert. Die digitale Vorreiterin sieht PR-Agenden und die Kommunikation der Zukunft in MitarbeiterInnen, die als MarkenbotschafterInnen fungieren. Nach anfänglicher Sorge, dass Unternehmen aufgrund der Krise nun nicht mehr in Social Media Marketing investieren, stellte sich heraus: „Digitale Vernetzung, Selbstdarstellung für Unternehmen und Einzelpersonen ist jetzt umso wichtiger, da der physische Kontakt eben fehlt“, ist Flores Willers überzeugt. Die zu 100% digital aufgestellte „The People Branding Company“ konnte auch während der Krise guten Kundenzulauf und weiters Wachstum verzeichnen.

Das Konsumentenverhalten ist im Wandel

Seit Beginn der Coronakrise legen die VerbraucherInnen verstärkt Wert auf Bevorratung, gesunde Ernährung und die Regionalität der Lebensmittel. Auch der Trend Richtung Bio und die Nutzung unterschiedlicher Einkaufskanäle haben einen Push erfahren. Somit zeigt sich ganz klar, die Art der Menschen einzukaufen hat sich verändert und die Nachfrage in vielen Bereichen vervielfacht. Auch Click Collect boomt: Statt 100 Abholstationen gibt es nun 600 Billamärkte, die diesen Service anbieten.

Flores Willers bestätigt das, sie ließ sich während Corona monatelang über Plattformen wie „hellofresh“ Lebensmittel bequem bis an die Haustür liefern.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Man stelle sich vor: Den stationären Handel hätte es nie gegeben und Lebensmittel würden von Anfang an online bestellt. Wenn dann plötzlich Supermärkte eröffnen, zu denen man selbst hinfahren und einkaufen muss, würde das niemand als gute Idee bezeichnen. Aber den stationären Handel gibt es nun mal und demnach sind wir es gewohnt dort einzukaufen. Obwohl Lebensmittel Online-Shops total bequem sind, rechnet sich dieses Geschäftsmodell derzeit nicht“, sagt Haraszti. Der klassische Lebensmitteleinkauf ist ein Massengeschäft und der Online-Anteil beläuft sich momentan auf 1-2% vom Gesamt-Ergebnis.

Rebranding: Merkur wird zu Billa Plus

In den nächsten Monaten wird es im Lebensmittelhandel eine spannende Markenzusammenführung geben. Merkur wird zu Billa Plus. Flores Willers gibt zu bedenken, dass das Rebranding einer Marke ein sehr heikles Gebiet ist. Marcel kontert, dass BILLA der Markt ist, auf den ÖsterreicherInnen niemals verzichten könnten – sie verbinden in mit ihrer Kindheit und haben deshalb eine uremotionale Bindung an die Marke. Bei Merkur stand immer der Qualitätsschwerpunkt im Vordergrund – genauso wie die Leistung, das Einkaufserlebnis und die Vielfalt der Produktauswahl. All diese Mehrwerte werde man weiterhin bei Billa Plus vorfinden.

Der Blue Ocean für den Handel der Zukunft

Wie der Handel der Zukunft gestaltet sein soll, damit beschäftigt sich Markus Kuntke, Head of Trend und Innovation bei REWE, erzählt Marcel Haraszti. Die österreichischen KundInnen seien sehr traditionell, man müsse sich vorsichtig an neue Themen herantasten und auch bereit sein, in die Digitalisierung zu investieren. Von einer Trennung des stationären und des digitalen Handels hält der REWE-Chef nichts. Besser ist eine Digitalisierung des stationären Handels.

Zum Abschluss wollte Rainer Will von den beiden ExpertInnen wissen, welche großen Zukunftstrends sie für den Handel der Zukunft sehen. Die Gründerin von „The People Branding Company“ sieht aus Konsumentensicht Experimental Shopping, (Mobile)-Payment kombiniert mit dem Einsatz von biometrischen Daten, zum Beispiel durch Bezahlung mit der eigenen Handfläche und Online-Lieferdienste als große Trends.  Haraszti ergänzt den Blue Ocean mit dem enormen Fokus auf Kundenindividualität und der Modularisierung von Verkaufsflächen. Als Beispiel nennt er die Nachfrage nach Convenience & veganen Speisen im urbanen Bereich und dem Fokus auf regionale Produkte in ländlichen Regionen.  

Der Handelsverband lädt alle, die im Handel tätig sind, herzlich ein, bei Clubhouse dem Club „Retail Professionals“ beizutreten. So sind Sie garantiert bei jeder „handelzone weekly“ mit dabei!

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