Quantics: Wiener Startup macht Quantensprung. Absatzprognose durch Datenwissenschaft und künstliche Intelligenz.

Haben Sie schon mal von Quantics gehört? Erst im Sommer 2020 erschien das Wiener Startup mit seiner innovativen KI-Lösung auf dem Markt. Nicht nur wir lernen aus der Vergangenheit und ziehen daraus unsere Schlüsse für die Zukunft. Die innovative KI-Lösung von Quantics wurde programmiert, um genau dasselbe zu tun und erzielt durch ihre situationsbedingte Analyse der Handelslandschaft aussagekräftige Nachfrage- und Absatzmuster. Dies hat sich der Datenwissenschaftler Resul Akay gemeinsam mit Christof Bitschnau, Johannes Matt und Vladyslav Vasylevskyy zum Ziel gesetzt.

Das Quantics Team besteht aus erfahrenen Data Scientists, Consulting Experten aus unterschiedlichen Branchen sowie professionellen Softwareingenieuren und sie alle teilen eine Vision. Welche das ist, wie die Nachfragetrends der österreichischen KonsumentInnen aussehen und an welcher Marktinnovation Quantics aktuell arbeitet, verrät Vladyslav Vasylevskyy dem Handelsverband im Interview.

HV: Quantics gilt als innovatives österreichisches Startup mit Retail-Schwerpunkt. Was genau ist Quantics und welche Vision verfolgt ihr?

Vladyslav Vasylevskyy: Wir stellen eine innovative KI-gestützte Lösung bereit, die präzise, automatisierte, sowie schnelle Absatz- und Nachfrageprognosen ermöglicht, damit auch Business User ohne Data Science Know-how von genauen Prognoseergebnissen profitieren können. Dabei lernt unsere KI aus der Gegenwart und der Vergangenheit, analysiert sich ändernde Nachfrage- und Absatzmuster, bezieht interne sowie externe Einflussfaktoren in die Prognoseberechnung mit ein und passt sich dadurch der jeweiligen Situation eines Unternehmens an. Die Quantics KI passt sich den kleinsten Veränderungen automatisch an, um initial ausgewählte Modelle zu optimieren und die Prognosegenauigkeit beizubehalten beziehungsweise noch weiter zu verbessern.

Unsere Vision ist es, Unternehmen eine schnelle und automatisierte Entscheidungsfindung zu ermöglichen, indem wir Business Usern eine smarte KI zur Seite stellen, die laufend besser wird und sich dynamisch an die unternehmensspezifische Situation anpasst.

HV: Bei der European Retail Startup Night 2020 belegte Quantics den 2. Platz. Habt ihr eurer Geschäftsmodell seitdem weiter ausgebaut?

Vladyslav Vasylevskyy: Unser Geschäftsmodell ist seit der Retail Startup Night im Kern gleichgeblieben. Quantics ist immer noch eine SaaS-Lösung, die entweder über unser UI genutzt oder aber auch über Schnittstellen (API) an bestehende Systeme angebunden werden kann. So können wir gewährleisten, dass die Mitarbeiter unserer Kunden nicht auf ein neues System umgeschult werden müssen. 

Für die Implementierung der Lösung bzw. die Durchführung eines Proof-of-Concept erheben wir eine einmalige Gebühr. Neben den geringen Implementierungskosten gibt es eine monatliche Nutzungsgebühr, die auf die Unternehmensgröße, den Nutzungsumfang und das Optimierungspotenzial des Kunden abgestimmt ist und als Fixpreis verrechnet wird.

Das Ziel ist es, unseren Kunden einen ROI von mindestens Faktor 10 bieten zu können, weshalb wir den Preis kundenindividuell anpassen. Dabei enthält die fixe monatliche Nutzungsgebühr Kosten für den Betrieb, die Wartung, Support und innovative Upgrades, die kontinuierlich verbessert werden. 

Aktuell arbeiten wir zum Beispiel an einer Marktinnovation zur genaueren Prognose von sich langsam drehenden Produkten, welche sehr schwer zu prognostizieren sind.

HV: Quantics gibt anhand analysierter Daten Auskunft darüber, wie sich Produkte künftig verkaufen werden. Welche Nachfragetrends österreichischer KonsumentInnen zeichnen sich denn für 2021/22 ab?

Vladyslav Vasylevskyy: Viele Konsumenten haben das Online Shopping für sich entdeckt. Wir sehen aktuell, dass der Konsum sehr stark durch den Online Handel gestützt wird. Dies wird sich jedoch, wenn Corona hoffentlich bald hinter uns liegt, langsam wieder normalisieren. E-Commerce hat jedenfalls sehr viel Land gewinnen können und wird in der Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. 

Dennoch hat sich nichts an der Tatsache geändert, dass Einkaufen ein Erlebnis ist und wir Dinge einfach gerne anfassen und Shopping als eine soziale Interaktion sehen. Schuhe oder Kleidung online einzukaufen ist einfach nicht das gleiche wie in ein Geschäft reinzugehen und Dinge auf sich wirken zu lassen. Somit lässt sich sagen, dass die Nachfrage nach Bekleidung, Schuhen, Büchern, Elektronik sowie auch dem Heimwerksbedarf nach Corona steigen wird. Dies geht auch aus diversen Daten hervor. 

HV: Eure Strategie setzt auf schnell implementierbare, innovative und benutzerfreundliche Lösungen, die Menschen und KI vereinen. Welche Rolle spielen Menschen im Umgang mit Quantics und warum sind sie trotz der fortgeschrittenen Technologie noch so wichtig? 

Vladyslav Vasylevskyy: Nun Menschen sind nun mal Menschen und eine KI bleibt immer noch eine KI. Wenn es jedoch um riesige Datenmengen geht, bei denen detailliert Muster erkannt werden müssen, wie zum Beispiel auf SKU Ebene, hat eine KI einfach die Nase vorne. Mit einer KI lassen sich gewaltige Dateninputs in kürzester Zeit analysieren, Ausreißer erkennen und Einflussfaktoren, wie zum Beispiel das Wetter oder Filialschließungen in den Entscheidungsfindungsprozess miteinbeziehen.

Mit der Quantics KI ermöglichen wir eine optimale quantitative Basis, damit Menschen bessere Entscheidungen treffen können. Uns geht es nicht darum, jemanden durch eine KI zu ersetzen, sondern vielmehr eine smarte Unterstützung zu bieten, damit man sich mehr auf Dinge konzentrieren kann, die wirklich wichtig sind. 

HV: Ein Unternehmen beschließt von nun an mit Quantics zu arbeiten. Mit welchen Daten muss die Software gefüttert werden, um optimale Ergebnisse zu erzielen?

Vladyslav Vasylevskyy: Die Quantics KI passt sich an unternehmensspezifische Gegebenheiten an. Das bedeutet, das vorhandene Daten sowie Attribute je Datentyp von der KI übernommen werden, wodurch wir bei den bereitgestellten Datentypen sehr flexibel sind. 

Folgende Datentypen sind jedoch mindestens erforderlich:

  • Vergangene Verkaufstransaktionen bzw. Auslieferungen von Waren
  • Stammdaten zu erzeugten bzw. vertriebenen Produkten
  • Stammdaten zu Produktions- und/ oder Vertriebsstandorten

Die zur Verfügung gestellten Stammdaten geben eine minimale Grundstruktur vor, sodass man als User beliebig viele Attribute hinzufügen kann.

Folgende Datentypen sind optional und können ebenfalls aufgenommen werden:

  • Promotionen / Rabatte (vergangene und geplante)
  • Fehlbestände
  • Geschäftsschließungen und andere Störungen
  • Nachfrageverschiebung- und verlagerung aufgrund von Covid-19
  • Kundenclubkarten
  • Wetter
  • Generelle Marktentwicklung

HV: Ab welcher Unternehmensgröße bewährt es sich, auf Quantics zu setzen und eignet sich eure Lösung für bestimmte Branchen besser als für andere? 

Vladyslav Vasylevskyy: Mit der Quantics KI fokussieren wir uns verstärkt auf den Retail und den Manufacturing Bereich. Dabei sind unsere Kunden üblicherweise Unternehmen, die mehr als 20 Millionen Euro Umsatz pro Jahr haben, wobei hier nach oben keine Grenzen gesetzt sind. 

Wir haben die Lösung bewusst generisch aufgebaut, sodass unterschiedliche Einsatzbereiche und Branchen möglich sind. Dadurch, dass die Quantics KI für jeden Kunden und jedes einzelne Produkt sowie für jeden Standort die passenden Prognosemodelle auswählt und kombiniert, ist es vollkommen egal, ob der Kunde Kleidung, Lebensmittel oder andere Waren verkauft. Die KI ist hier sehr flexibel. 

HV: Gibt es schon erstes positives oder vielleicht sogar negatives Feedback von Händlern, die Quantics bereits in ihr daily business implementiert haben? 

Vladyslav Vasylevskyy: Bis jetzt haben wir noch kein negatives Feedback bekommen. Im Gegenteil, viele unserer Partner sind von den Ergebnissen positiv überrascht, obwohl sie anfangs skeptisch waren. 

Es ist nun Mal so, dass viele Unternehmen, mit denen wir sprechen eine Urgestein Lösung im Einsatz haben und diese seit Jahrzehnten nutzen. Diese Lösungen haben jedoch meistens ausgedient und bieten nicht die Prognosegenauigkeit, die durch den Einsatz der Quantics KI möglich ist. Wir fordern diese Lösungen immer gerne heraus, weil wir wissen, dass wir in den meisten Fällen signifikant besser sind.

HV: Quantics ist offiziell seit August 2020 auf dem Markt erhältlich. Aus welchen Ländern stammt bis jetzt die größte Nachfrage? Und wie groß schätzt ihr das allgemeine Marktpotenzial ein?

Vladyslav Vasylevskyy: Die größte Nachfrage stammt bis jetzt aus Österreich und Deutschland. Auch aus der Schweiz gibt es bereits Interessenten.  Das allgemeine Marktpotenzial schätzen wir als sehr hoch ein. Vor der Gründung letztes Jahr, haben wir eine Bottom-up Analyse für passende Industrien und Unternehmensgrößen durchgeführt und kamen, allein in der EU-27, auf mehr als 19.000 Unternehmen, für die wir Mehrwert schaffen können. 

Gartner hat in einer Studie festgestellt, dass rund 60 Prozent der Unternehmen mit ihren aktuellen Planungs- und Prognoselösungen unzufrieden sind. Bis 2025 haben wir uns vorgenommen, diese unzufriedenen Unternehmen zu bedienen. Unser Ziel ist es, global aktiv zu werden, weshalb wir auch nach Kapitalgebern suchen, die bereit sind uns bei der internationalen Expansion zu unterstützen. 

Quantics ist seit 2020 Startup-Partner des Handelsverbandes. Im Oktober 2020 belegte Quantics bei der zweiten Ausgabe der “European Retail Startup Night”, die vom HV gemeinsam mit REWE, Mediashop, der Austrian Angel Investors Association (AAIA), dem Austria Wirtschaftsservice (aws), New Venture Scouting (NVS), Female Founders, der Außenwirtschaft Austria und Medienpartner Trending Topics veranstaltet wurde, den zweiten Platz. Jetzt wollten wir von Vladyslav Vasylevskyy wissen, was sich bei Quantics seitdem getan hat.

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