Kälbertransporte: Warum essen wir nicht unsere “eigenen” Kälber?

Österreich exportiert jedes Jahr tausende Kälber ins Ausland. Die Schlachtungen finden manchmal erst in
Drittstaaten bei vollem Bewusstsein statt. Um das zu verhindern, muss ein Umdenken im Kalbfleischkonsum erfolgen.

Mehr als 100.000 Kälber importiert Österreich pro Jahr in Form von Kalbfleisch. Zeitgleich werden etwa 50.000
österreichische Kälber über weite Strecken nach Spanien oder Italien transportiert. Das hat zwei Gründe: Kalbfleisch aus den Niederlanden ist billiger und die helle Farbe des Fleisches entspricht stärker dem Wunsch der Gäste. Zum Vergleich: Das Kalbsschnitzel aus den Niederlanden kostet im Einkauf derzeit um etwa 50 Prozent weniger als das österreichische Kalbsschnitzel. Zudem ist das Fleisch heller als das österreichische, dessen Farbe eher einem zarten Rosa gleicht. Was vielen nicht bewusst ist: Kalbfleisch wird bei artgerechter Fütterung rosa und bleibt bei Eisenmangel der Tiere weiß. Doch hat die rosa Farbe für die österreichischen Betriebe Auswirkungen auf
den Preis und macht den Verkauf von Kalbfleisch zu einem wenig lukrativen Geschäft.

Männliche Kälber werden in der Milchwirtschaft nicht benötigt und nur selten
in Österreich gemästet. Transporte ins Ausland sind die Folge.


So entsteht ein „Kuhhandel“ unter den Staaten, die die Kälber teils lebend, teils in Form von Kalbfleisch über die Grenzen hinweg transportieren. Dabei bleiben die Kälber nicht immer innerhalb der EU-Grenzen, wo die Schlachtung der Tiere einheitlichen, von der EU festgelegten Regeln unterliegt. Zuerst kommen die Kälber meist nach Spanien oder Italien. Vor allem von Spanien aus können die Kälber nach einer Zeit der Mast weiter in Drittstaaten transportiert werden. Dies zeigt ein Video des Vereins gegen Tierfabriken, in dem ein Kalb aus Vorarlberg im Transporter nach Spanien gebracht und Monate später per Schiff 14 Tage lang weiter in den Libanon transportiert wird. Dort findet die Schlachtung bei vollem Bewusstsein statt. Das Video führte Anfang des Jahres
in den Medien wie auch in Teilen der Gesellschaft zu Forderungen nach einem Verbot von Kälbertransporten.

Um Kälbertransporte zu vermeiden, reicht ein Verbot der Tiertransporte nicht aus: Denn solange die heimische Milchwirtschaft die gleichen Mengen an Milch produziert, gehen damit auch unweigerlich Geburten von Kälbern einher. Damit eine Kuh Milch gibt, muss diese schließlich jedes Jahr ein Kalb auf die Welt bringen. Die männlichen Kälber unter ihnen werden in der Milchwirtschaft jedoch nicht benötigt. Ein Verbot der Tiertransporte allein würde also dazu führen, dass die bäuerlichen Betriebe auf ihren Kälbern sitzen bleiben. Besser wäre es, zusätzlich Bewusstsein für das Problem in der Gesellschaft zu schaffen. Menschen, die Kalbfleisch essen möchten, müssen also darüber informiert werden, dass eine Entscheidung für heimisches rosa Kalbfleisch zur Lösung des Problems beiträgt. Der Verein Land schafft Leben stellt das Thema Kälbertransport ausführlich und
leicht verständlich auf seiner Webseite landschafftleben.at unter der Rubrik „Hintergründe“ dar.

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