Lebensmittel-Discounter haben im E-Business Aufholbedarf

Steigende Nachfrage während Corona-Krise

Die unmittelbare Nähe zum nächsten Supermarkt, das fehlende Einkaufserlebnis sowie die nicht mögliche Vorab-Inspizierung der Lebensmittel sind nur wenige der vielen ausschlaggebenden Gründe, warum für den Großteil der Konsumenten Onlinebestellungen von Lebensmittel schwer vorstellbar sind.

Die Corona-Krise hat allerdings gezeigt, dass diese Aspekte innerhalb kürzester Zeit in Vergessenheit geraten können. So veränderten die von Seiten der Regierung gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus nicht nur den Alltag der Menschheit, sondern u.a. auch das Kaufverhalten der Kunden vehement. Die Folge: Der Lebensmittelonlinehandel erlebt eine extrem gesteigerte Nachfrage, die kurzeitig nur schwer gestillt werden konnte. Wobei die Händler in Krisenzeiten beweisen müssen, dass sie ein sicheres System zu Verfügung stellen können.

Aktuelle Ergebnisse einer Studie für die Masterarbeit von Jakob Staudinger zeigen, dass 5% der Konsumenten-Stichprobe (430 Personen) während der Covid-19-Pandemie auf den Lebensmittelonlinehandel umgestiegen sind. Dabei steigt die Onlinekauffrequenz während der Corona-Krise mit zunehmendem Alter, vor allem bei der Risikogruppe. Zudem hat bereits ein Drittel der Stichprobe Lebensmittel zumindest einmal online erworben. Dieser Boom kann und soll allerdings nun in einen Aufschwung und eine langfristige Steigerung der Nachfrage umgemünzt werden, nachdem sich bei mehr als einem Viertel der Befragten die Einstellung gegenüber E-Food während der Corona-Krise zum Positiven verändert hat.

Beim Onlineshopping wird keine MNS-Maske benötigt.
Bild: Skyline/AdobeStock

Discounter zeigen sich abwartend

Während die großen Lebensmittelhändler wie REWE und Spar bereits vor vielen Jahren ins Onlinegeschäft eingestiegen sind, setzten die Discounter bisher nur wenige Akzente in diese Richtung. Anhand der Befragung von 430 Kunden wurde eruiert, dass knapp die Hälfte das Angebot eines Food-Onlineshops der Discounter in Erwägung ziehen würden. Allerdings sind aus Sicht der Händler wie HOFER, Lidl u.a. die damit verbundenen Lieferkosten und der intensive Margendruck noch große Hindernisse und erschweren dadurch einen Einstieg in das E-Business. Darüber hinaus würde dies auch eine Kannibalisierung bewirken – so entzieht man damit den eigenen Filialen die Kunden, wodurch ein Umsatzabgang pro Verkaufsfläche die Folge wäre. Außerdem wird in Österreich vermehrt auf das Einkaufserlebnis im Supermarkt und auf die Frische sowie auf höchste Qualität der Lebensmittel Wert gelegt – was auch im Zwiespalt mit dem Onlinehandel steht.

Viele Chancen und Potentiale für Händler

Dennoch scheint es eben einen ansprechenden Anteil an potentiellen Onlinekäufern der Discounter zu geben. Als Einstieg wäre es sinnvoll, das Onlineangebot neben Non-Food auf nicht verderbliche Lebensmittel zu begrenzen – stufen die meisten Kunden Onlinekäufe aus diesem Sortiment eben als wahrscheinlich ein. Nachdem der Umsatz im österreichischen E-Business jährlich beachtlich zunimmt – allein im letzten Jahr gab es einen Anstieg von +6% – wird es also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es auch hierzulande etabliert sein wird. Die Chancen für die Discounter: der große Marktanteil, die vielen potentiellen Onlinekunden sowie der Innovationsdrang sollen einen raschen Einstieg in E-Commerce und somit den lang ersehnten Schritt herbeiführen. Allerdings ist der Vorsprung von REWE und Spar mittlerweile nur noch schwer kompensierbar.

Jakob Staudinger, BSc
(c) Jakob Staudinger

Zum Autor: Jakob Staudinger befindet sich kurz vor dem Abschluss seines berufsbegleitenden Masterstudiums in Marketing- & Salesmanagement an der FHWien der WKW. Der gebürtige Oberösterreicher kann bereits auf zahlreiche Berufserfahrungen zurückgreifen und ist derzeit beim Konzern Colgate-Palmolive in Wien tätig. Seine Kernthemen liegen neben dem Handelsmanagement vorwiegend bei E-Commerce sowie dem Lebensmitteleinzelhandel.

Kontakt: jakob.staudinger@yahoo.de

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