Die „Home-Office mit Kids“- Challenge

Wie kann ein gutes Miteinander funktionieren? „Es braucht klaren Strukturen“, weiß Katharina Hofer-Schillen, Coach und Autorin des Bestsellers „Die Mami Challenge“. Die Work-Life-Balance Expertin, selbst Mutter zweier Kinder und auch von der Situation Home-Office betroffen, verrät ihre 9 Tipps für ein harmonisches miteinander leben und arbeiten.

Deine Zeit ist jetzt

Ich möchte Ihnen sagen: Sie sind nicht allein. Wir sitzen alle in einem Boot. Der eine mit besseren Voraussetzungen als der andere, das ist klar. Aber das wird immer so sein, dass es Menschen gibt, die privilegierter sind. Es werden viele Babys gezeugt, viele Paare trennen sich, durch die Enge entsteht noch mehr Gewalt in den Familien, vielleicht aber auch mehr Wertschätzung und Verbundenheit. Schwarz und weiß.

Aber es geht jetzt nicht um die anderen. Jetzt geht es um Sie. Die Frage ist: Was macht diese Zeit mit Ihnen? Für die einen ist es eine Katastrophe, für die anderen eine Chance, das Leben neu zu sortieren. Für die einen ist die Stille ein Stillstand, die anderen sprühen vor Ideen und Motivation. Das macht den Unterschied. Meine Devise ist: Gehe durch die Angst durch und nimm die Situation an mit dem Impuls, das Beste aus dem Moment zu machen, indem du dich gerade befindest. So lässt es sich leichter leben. Auch für die Zukunft! Herausforderungen machen stark.”

Meine 9 Tipps für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Kinder, Gesundheit, Hoffnung, Angst und Toleranz Selbstverständlich sind meine Tipps immer individuell zu betrachten. Aber ich bin mir sicher, Sie finden den ein oder anderen wichtigen Hinweis, wie es besser funktionieren könnte.

1. Der Tag braucht Strukturen

Best Case: ein Haus mit Garten, ein verständnisvoller, geduldiger Partner, eine sichere Arbeitsstelle. Dann ist alles gut. Aber leider trifft es die Mehrzahl an Familien sehr hart. Gerade alleinerziehende Mütter sind hier auf sich gestellt. Kleine Wohnung, unterforderte Kinder, Schule, Angst um die Existenz, Unterstützung so gut wie keine.

Aber für uns alle gilt: Wir haben jetzt keine Alternative und wo es keine Alternative gibt, braucht es auch keine Entscheidung. Was wir brauchen – die Großen und Kleinen – sind Strukturen.

Legen Sie den Tagesablauf im Voraus fest. Nehmen Sie dazu ein Blatt Papier und besprechen Sie am Abend mit der Familie den Folgetag. Genaue Zeitangaben und Aktivität werden eingetragen. Wann ist Frühstück? Wann sind Lernzeiten? Wann sind Essenszeiten? Wann ist freie Zeit für jeden? Wann ist die Zeit für frische Luft? Wann ist Spielzeit? Wann Fernsehen- und Handyzeiten u. s. w. Wann wird der Papa, die Mutter, die Geschwister für die Kinderbetreuung eingeteilt? Hängen Sie den Tagesablauf (Stundenplan) sichtbar auf. Dann weiß jeder, wo er vom Zeit- und Aktivitätenplan steht und kann sich orientieren.

2. HOME – OFFICE

Homeoffice funktioniert sehr gut im rotierenden System. Wann übernimmt die Mutter? Wann der Vater? Wann die Geschwister? Wann ist das Kind mit sich allein beschäftigt? (Stundenplan). Ab einem bestimmten Alter können die Kinder auch allein spielen. Das kann man erwarten, man übergibt mit gutem Gefühl die Verantwortung an sie, denn: wir sind nicht die Animateure unserer Kids. Auch nicht in der Zukunft. Selbstständiges Lernen und spielen ist wichtig, auch Langeweile. Das fördert die Kreativität, das Selbstbewusstsein und das Verantwortungsgefühl.

Ganz wichtig: Seien Sie authentisch. Sagen Sie den Kindern, dem Partner, dass Sie jetzt Unterstützung brauchen (klare Ansagen). Kinder mögen es, wenn man ehrlich mit ihnen spricht (altersbedingt). Auch das: „Du beschäftigst dich jetzt bitte allein, bis der Wecker klingelt.“ (einen Wecker danach stellen). „Und dann kommt die Mama und wir spielen wieder gemeinsam”. Probieren Sie es aus! Und wenn es funktioniert, gibt es eine Belohnung.

Richten Sie ein Puzzle oder Spiel für die Kleinen, dazu Obstschnitten und etwas zu trinken. Sie sollen sich wohlfühlen, wenn sie sich alleine beschäftigen. Ganz wichtig: auch wenn die Kinder für die Schule lernen, sollte das bestenfalls im eigenen Zimmer stattfinden. Den Schreibtisch schön richten, vorher lüften, Knabbereien – eine schöne Lernatmosphäre schaffen.

Und was mache ich, wenn ich alleinerziehend bin? Je nach Alter, können Sie die Kleinen auch ein Office aufbauen mit Taschenrechner und Belegen, die sie sortieren sollen nach Datum oder Höhe des Einkaufsbetrags. Hier hilft es, kreativ zu sein, allerdings mit klaren Auflagen, wie gesagt: „Ihr/ du spielst jetzt bitte, bis der Wecker läutet. Mama braucht deine/eure Unterstützung.“

3. Netto- Arbeitszeit

Verlagern Sie die Arbeit mehr in die Tagesrandzeiten. Lassen Sie die Kinder ein wenig ausschlafen und erledigen dafür schon zwei Stunden Arbeit in der Früh. Nutzen Sie andererseits die Zeit am späten Nachmittag und Abend ab 18 oder 19 Uhr, um nochmals konzentriert in den Job einzusteigen. Insgesamt lassen sich so vier bis fünf Stunden fokussierter Arbeit pro Tag erreichen.

4. Die Schule

Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen von den Eltern, auch was die Anforderungen seitens der Schule betrifft. Es ist auch verständlich, dass der Unterrichtsstoff selbst Eltern nicht mehr einleuchtet. Was allerdings nicht produktiv ist, wenn in dieser allgemein angespannten Zeit, das System Schule die Familie zum Kippen bringt und noch zusätzlicher Stress entsteht. Es ist für die Kids so oder so eine schwierige Situation, aber vor allem auch für die Eltern. Hier Druck rausnehmen oder auch den Lehrer anschreiben.

5. Rückzugsorte

Freie Auszeiten für jeden, auch für die Eltern! Dazu Rückzugsorte schaffen. Gerade in einer kleinen Wohnung sehr wichtig und möglich! Das kann die Küche, das Schlafzimmer, der Balkon sein. Dekoration, eine schöne Sitzecke, Kerzenlicht, ein kleines Tischchen.

Jedes Familienmitglied hat das Recht, sich zurück zu ziehen und Pausen einzulegen. Es sollte auf keinen Fall durchgearbeitet werden. Ein guter Zeitpunkt ist, wenn die Kleinen den Mittagsschlaf halten. Kinder und Jugendliche dürfen ihre Zimmer schließen.

6. Ideen für die Auszeit

Fassen wir zusammen: die Wohnung glänzt, der Garten ist vorbildlich, das Auto sauber, die Garage aufgeräumt, sämtliche Kochrezepte ausprobiert, die UNO-Karten zum Glühen gebracht, die Kleiderschrank aussortiert, das Büro ausgemistet. Und doch gibt es so unzählig viele Dinge, die uns den Tag mit Freude bereichern. Dinge, die uns wirklich Spaß machen. Was habe ich früher so gerne gemacht? Nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Sie auf, was Ihnen wirklich wirklich Freude bereitet, was Sie motiviert und Ihnen Kraft gibt (innerhalb der vier Wände versteht sich). Sie werden erstaunt sein, wie viel Vergessenes zum Vorschein kommt.

Hier noch ein paar Anregungen…

• Kinderzimmer, Räume neugestalten mit Materialien, die vorhanden sind (Bilder, Kissen, Umstellen, Regale umbauen, Sessel…). Ideen liefert Printerest.

• Aussortieren: Kleider, Schränke, Bücher, Garage, Ordner, Zeitschriften, KrimsKrams…

• Fotos auf dem Handy löschen, sortieren, ausdrucken, aufhängen. Ein Bilderbuch anlegen mit den Lieblingsfotos

• Office: Büroablagesystem, Computerdateien, Dokumente … auf den neuesten Stand bringen

• Kochrezepte einkleben und ausprobieren

• Rituale schaffen (gemeinsames lesen auf der Coach, Kreuzworträtsel, Spieleabend, Sportaktivitäten. Die Uhrzeit sollte laut Tagesplan eingehalten werden. Sich mit einem Lieblingsmenschen verabreden und via Skype oder Facetime telefonieren, dann fühlt man sich noch verbundener.

• Ein Buch schreiben oder Briefe an Lieblingsmenschen

• Jemanden sagen, wie wichtig er ist (einmal am Tag jemanden dazu kontaktieren)

• Bücher lesen und alte CDs hören

• Viel in der Natur sein, wo keine Menschen sind und Achtsamkeit üben

• Eine Sprache lernen (20 Vokabeln am Tag)

• Das Allgemeinwissen verbessern (Erdkunde, Weltgeschichte, einen Onlinekurs machen) Facebook – Handy – Instagram: Kontakte “aussortieren”

• Neue Kontakte aufbauen (Netzwerken)

• Wir Eltern regen uns über das Schulsystem, den Lernstoff auf. Jetzt haben wir die Möglichkeit den Kindern das beizubringen, was in der Schule fehlt. Beispielweise: Wie funktioniert das Leben nach der Schule? Was sind Steuern? Was ist ein Konkurs? Wie können wir die Umwelt noch besser schützen? Weltgeschichte, Geografie…

7. Rituale und Schönes

Vermitteln Sie bitte keine Angst. Besorgnis ja, aber nur dosiert. Ältere Kinder wissen, was los ist. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, schöne Momente zu schaffen. Qualitätszeit. Kreative Ideen gemeinsam entwickeln, Ostereier bemalen, den Balkon schmücken, Kleider nähen, musizieren, Puzzle-Wettbewerbe, Hörspiel-CDs hören…

Die Kleinen: Briefe schreiben oder Bilder malen und an die Großeltern schicken. Etwas mit der Post zugeschickt bekommen ist etwas ganz Besonderes (Briefmarken im Vorrat kaufen). Vielleicht nutzen Sie die Gelegenheit ebenso und schreiben Ihren Eltern/Elternteil. Ein Dankeschön oder lustige Erinnerungen an einen Familienurlaub. Es gibt sicher vieles zu sagen bzw. zu schreiben, wofür man bisher keine Zeit oder Gelegenheit gefunden hat.

Bewegung und frische Luft ist wichtig. In der Natur durch den Wald spazieren gehen querfeldein, wo keine Menschen sind. Das macht es besonders. In Parks, wenn sie geöffnet sind, unbedingt Abstand halten. Ein kleines Plätzchen gibt es immer.

Für zu Hause, bei Schlechtwetter. Fit mit Kids. Viele Ideen auf YouTube und Instagram.

Schöne Rituale (meist zur gleichen Uhrzeit!)

• Gemeinsam lesen (jeder für sich auf dem Sofa)

• Mittags Kuchen und/oder Eis, was Süßes

• Kreuzworträtsel lösen und Mandalas ausmalen

• Spaziergänge, dort wo keine/kaum Menschen sind

• Picknick an geheimen Orten

• Beauty – Massage- Haar & Make up …

8. Kids-Cooking

Gemeinsam kochen ist für mich persönlich ein großes Thema. Schön sehr früh habe ich meine Kinder ans Kochen und Zubereiten herangezogen, für sich zu sorgen, wenn Sie Hunger haben. Altersbedingt angefangen mit einem Müsli richten, Brot mit Butter und Honig/Schnittlauch. Kleine, einfache Snacks. Dann steigern: Rühreier, Palatschinken, Nudeln. So schaffen Sie eine Grundlage für das Leben: Bewusstseinsschaffung, Genuss, Qualität, Geschmack, Auswahl der Zutaten, Experimente. Dafür ist jetzt Zeit, auch, um danach gemeinsam die Küche aufzuräumen. Holen Sie sämtliche Kochbücher an Bord und lassen Sie die Kids darin stöbern. Jeder darf sich Rezepte aussuchen. Je nach Schwierigkeitsgrad wird dann gestartet, natürlich mit Ihrer Unterstützung. Hier ein paar einfache Rezepte als Inspiration.

Bitte beachten: Was gibt der Kühlschrank her? Es sollte nicht täglich eingekauft werden!!! Hier hilft eine Liste, wo man aufschreibt, was fehlt und dann beim nächsten Einkauf besorgen (5 – 7 Tage). Im Voraus kaufen und auf dem Balkon lagern. Und unbedingt: Schokoladen- oder Fleisch Fondue, Raclette… Menüs, die es sonst meist nur an Feiertagen gibt. Das ist etwas Besonderes und diese Momente lieben die Kinder und auch wir Erwachsene. Ganz nach dem Motto: „Wenn schon anders, dann besser.”

9. Schwäche zeigen

Keine Sorge. Wir müssen nicht alles im Griff haben. Jeder von uns hat seine Stärken und Schwächen und vor allem ein Limit an Geduld. Gehen Sie vor die Türe und atmen Sie tief durch. Es darf auch mal laut krachen. Dann gehört dazu, zu sagen, warum man so reagiert hat. Ein Dankeschön ist auch wunderbar. Ein ehrliches Danke, wenn etwas gut funktioniert. Oder eben auch ein „so kann es nicht weitergehen.“ Teilen Sie sich mit (klare Ansagen). Wertschätzende Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil im Alltag. Auf Augenhöhe, mit Respekt und schönen Worten.

Ganz persönlich

Auch ich, als Work-Life-Balance Expertin und Mami-Coach, komme an meine Grenzen. Dann muss ich den Raum verlassen und tief Luft holen. Dann kann es auch sein, dass ich laut werde und all meine Coachingtools in Vergessenheit geraten. So what! Wir sind alles nur Menschen mit Stärken und Schwächen und einem bestimmten Limit an Toleranz. Und natürlich ist auch jede Situation immer individuell zu betrachten. Die einen Kinder sind handzahm, andere rebellisch.

Viele meiner LeserInnen haben mich kontaktiert und wollten wissen, wie ich das mit der Schule sehe. Ganz ehrlich: ich finde, die Kids haben es eh schon sehr schwer. Hier können wir als Elternteil mit gutem Gewissen Luft rausnehmen. Es wird keiner sitzen bleiben, wenn eine Aufgabe nicht gelöst ist. Das soll kein Freischein sein fürs nichts tun, aber es schafft Erleichterung und nimmt Druck raus, bevor die Familie bzw. Sie mit dieser Situation überfordert sind und nur Stress entsteht. Unter uns: ich kann keine Mathematik mehr in der Oberstufe erklären oder Deutsch-Grammatik. Auch nicht Italienisch. Das sehe ich auch nicht als meine Aufgabe an. Wenn es sein muss, schreibe ich das auch dem jeweiligen Lehrer. Da stehe ich zu meinen Kids.

Auch die Frage, wie viel Fernsehen und Handy ist erlaubt? Ich habe daheim klare Regeln. In der freien Zeit und auch abends dürfen sie gerne mal länger schauen. Das ist altersbedingt bei uns auch o.k. Ich kann nur raten: Wenn Sie Zeit für sich brauchen und gerne einfach nur einmal in Ruhe ein Bad nehmen möchten oder telefonieren, dann dürfen ihre Kinder sich einen Film aussuchen. Ja, klar! Ich kann Sie darin nur bestärken. Sie werden es überleben (die Kids) und Ihnen tut es gut.

Schreiben Sie mir, falls auch Sie Fragen an mich haben. Ich bin gerne für Sie da: info@katharinahoferschillen.com

Über

(c) Katharina Hofer-Schillen

Katharina Hofer-Schillen stellte ihr Leben vor 18 Jahren auf den Kopf, als sie ihren Traumjob beim Fernsehen kündigte und der Liebe wegen nach Kärnten (Österreich) in eine Kleinstadt zog. Sie gilt als die Work-Life-Expertin und Lebensoptimiererin im deutschsprachigen Raum und ist gern gesehener Gast bei Medien, TV und Talkrunden. Ihre Schwerpunktthemen als Vortragende sind: Wie die Work-Life-Balance im Alltag funktioniert, Zielfindung und Entscheidung, Working Parents -entspannt und erfolgreich.

„Die Mami-Challenge” Jetzt bis Ende Juli 2020 zum Sonderpreis von 12 Euro inkl. Versand!

Pressekontakt für weitere Informationen, Interviews und Fotos:

Schillen & Friends, Franziska Apprich +43 (0)650 4356705 info@schillen-friends.com

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Katharina Hofer Schillen entstanden.

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