Der Weg zum richtigen Online-Shop

Service. Digitalisierung – leicht gesagt, nicht ganz so leicht umsetzbar. Wer einen Online-Shop betreiben will, steht vor vielen Entscheidungen und sollte Geld in die Hand nehmen.

So banal es klingt: Ein Online-Shop muss funktionieren. „Das ist auch im Jahr 2020 leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Das Thema ist keine Raketenwissenschaft, dennoch werden die einfachsten Dinge oft nicht richtig umgesetzt“, sagt Roland Fink. Der Geschäftsführer von Niceshops. at, einem E-Commerce-Spezialisten mit Sitz in Graz und Paldau, weiß, wovon er spricht –sein Unternehmen betreibt 40 verschiedene Online-Shops in mehreren europäischen Märkten. Verkauft wird von Naturkosmetik über Nahrungs mittelergänzung bis hin zu Schwimmbecken und E-Bikes eine bunte Palette. Vor allem in Nischenmärkten kann sich Niceshops.at gegen Große wie Amazon bewähren, 2019 lag der Jahresumsatz bei 55 Millionen Euro. Für 2020 erwartet Fink ein Wachstum auf 70 bis 80 Millionen.

Was muss ein Online-Shop können, um solche Wachstumsraten zu erreichen? Laut Fink sind es wenige, einfache Faktoren. „Das Produkt muss schnell geliefert werden, gut präsentiert werden und einfach bezahlt werden können. Shopbetreiber sollten darauf achten, dass sie genügend Bezahlmöglichkeiten anbieten“, sagt der Gründer und Geschäftsführer, der erst im Vorjahr einen großen Fisch an Land ziehen konnte: Der deutsche Drogerieriese Müller stieg mit 26 Prozent bei Niceshops.at ein. Überzeugt hat den Großkonzern der serviceorientierte Zugang der Steirer. In allen ihren Shops setzen sie auf umfangreiche Servicierung, Beratung und Kundenbetreuung. „Eine spannende Frage ist heute, ob sich stationäre Händler überhaupt noch im selben Maß, in der gleichen Intensität um ihre Kunden kümmern können wie Onliner.

Da merken wir, dass es Schwachstellen im Handel gibt, mit denen man sich im E-Commerce noch immer sehr gutabgrenzen kann“, so Fink. „Wir sprechen 16 Sprachen“ Grenzen überwinden ist andererseits das Gebot der Stunde, wenn man dem Geschäftsmodell von Niceshops.at folgt. Einen nicht unbeträchtlichen Teil des Erfolgs führt Fink auf die Internationalisierung seiner Online-Shops zurück: „Wir sprechen mittlerweile 16 Sprachen, haben also für die Betreuung der internationalen Kunden durchwegs Muttersprachler angestellt.

Das ist zwar personal- und arbeitsintensiv, zahlt sich aber auf jeden Fall aus.“ Wer im Internet einkauft, wolle das vornehmlich in seiner Landessprache tun – inklusive Bezahlung über einheimisches Bankkonto, Lieferung mit heimischem Paketdienst und heimischer Rufnummer,wenn man Fragen an den Support hat. All das hat sich Niceshops.at über die Jahre aufgebaut, ebenso wie das technische System hinter den 40 Online- Shops, die aus der hauseigenen IT-Schmiede stammen.

Nicht jedes Unternehmen kann auf solch technisches Know-how zurückgreifen. Besonders kleine und mittlere Händler, die den ersten Schritt in das Abenteuer E-Commerce wagen, stehen zu Beginn vor einer schier unüberschaubaren Fülle an Shop-Systemen und Anbietern. Orientierungshilfe gibt die E-Commerce- Agentur D-I-S aus Stuttgart seit bereits 20 Jahren. Der Technologiepartner für B2B- und B2C-Projekte begleitet seine Kunden durch die digitale Transformation und berät in der Frage nach dem passenden E-Commerce-Shopsystem. „Der Einsatz eines Shopsystems hängt vor allem von der Größe und der Zielgruppe des Unternehmens ab. Für diese Umstellung muss auch Akzeptanz im Unternehmen geschaffen werden“, sagt Simon Neininger, der sich bei D-I-S mit Online-Shops beschäftigt. Komplexe Entscheidungen Grundsätzlich sei es für Shopgründer zu Beginn wichtig, zu definieren,welche Anforderungen an den eigenen Online-Shop gestellt werden. Zunächst müssten sich die Händler im Klaren sein, wie sich ihre bestehenden Geschäftsabläufe ins Internet übertragen lassen können – reicht es, einfach nur das Produkt möglichst gut abzubilden und zu präsentieren, oder müssen dazu auch noch Serviceangebote verknüpft werden?

Eine weitere Grundsatzentscheidung, die ganz am Anfang des Prozesses steht, dreht sich um die Kooperation mit den großen Online-Händlern: Will man, dass die Produkte auch auf Portalen wie Amazon Marketplace oder Google Shopping platziert werden? „Diese Überlegungen sind sehr wichtig, da einige spezifi sche Anforderungen von bestimmten Anbietern von E-Commerce- Shopsystemen nicht erfüllt werden. Bei manchem Shopsystem ist eine Platzierung bei Google Shopping oder Amazon von Beginn an ausgeschlossen, da sie viel zu komplex sind und zu wenige Schnittstellen enthalten, um alle Marketingmöglichkeiten ausspielen zu können“, sagt Marketingexpertin Vivien Büchner von D-I-S. Sind diese Fragen erst geklärt, stehen die Händler vor mehreren Möglich – keiten. D-I-S unterscheidet zwischen einer Baukastenlösung, die sich als kostengünstige Lösung für kleine bis mittlere Unternehmen anbietet, und dem Open-Source-Shopsystem, das größere Flexibilität, aber auch höheren Bedienungsaufwand mit sich bringt. Die Open-Source- Variante ist meist gratis zu haben, weil sie von einer großen Community an freiwilligen Entwicklern getragen wird. Es braucht aber einiges an technischem Wissen, um die Systeme mit Erweiterungen und Abstimmungen an die individuellen Voraussetzungen des jeweiligen Händlers anzupassen. Spezialisierte E-Commerce-Agenturen können diese Aufgaben übernehmen, verlangen aber natürlich auch gutes Geld für diese Dienste. Baukasten-Shopsysteme hingegen können auch ohne Vorkenntnisse vom eigenen PC aus bedient und befüllt werden, außerdem muss man sich keine Gedanken über das Webhosting oder die technische Wartung machen. Der Wermutstropfen: Diese Systeme sind recht starr, man läuft leicht Gefahr, in Unmengen ähnlich aussehender Shops unterzugehen.

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