Trinkwasser durch die Kraft der Sonne

Es ist robust und wartungsfrei und vor allem ungemein nützlich für all jene, die es verwenden – und das könnten und sollten viele Millionen Menschen sein. Der Vorarlberger Martin Wesian hat das Messgerät Wadi entwickelt, um es überall dort zu vertreiben, wo verunreinigtes Trinkwasser ein Thema ist. Retail hat ihn interviewt.

retail: Was ist Wadi?
Martin Wesian: Wadi – das Wort steht für Water Disinfection – ist ein Messgerät, das mittels eines Smileys auf dem Display anzeigt, wann verunreinigtes und in eine PET-Flasche gefülltes Wasser mittels Sonnenenergie sauber und trinkbar geworden ist. Außerdem nenne ich es eine „CO₂-Vermeidungsmaschine“, denn jedes einzelne Gerät spart durchschnittlich zwei Tonnen CO₂ pro Jahr ein, die ansonsten durch Abkochen des Wassers am offenen Feuer – die gängigste Form der Wasserdesinfektion – entstehen würden. Hunderte Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Das Wadi schafft hier auf denkbar einfache Weise Abhilfe: Es ist leicht zu bedienen, preisgünstig – 15 Euro Richtpreis – und wartungsfrei. Es hat zwei Jahre Garantie, aber die ältesten Geräte sind jetzt seit sieben Jahren im Feld und funktionieren nach wie vor tadellos. Und es ist annähernd grenzenlos skalierbar: In einer Schule in Uganda beispielsweise ist ein einziges Wadi in Betrieb. Die Schülerinnen kommen in der Früh, jede legt zwei Flaschen – eine für sich, eine für die Familie, ein paar zum Verkaufen – auf, insgesamt liegen da etwa 1.500 Flaschen in Reih und Glied im Schulhof. Während des Unterrichts kann mehrmals gereinigt werden, anschließend nehmen die Schülerinnen ihre Flaschen mit nach Hause.

Wadi “lächelt” sobald das Wasser trinkbar ist. © Helioz

Wie kamen Sie dazu, Wadi zu entwickeln, und wie funktioniert es?
Ich hatte vor vielen Jahren einen Artikel über die SODIS-Methode – was für Solar Disinfection steht – gelesen und wusste daher, dass verunreinigtes Wasser, das man in Plastikflaschen füllt und der Sonne aussetzt, durch deren UV-Strahlung desinfiziert wird. Die Methode war bekannt, aber es gab nur Richtwerte, dass der Vorgang zwischen sechs Stunden und zwei Tagen dauert – nichts Genaues. Mich packte die Idee, ob man ein entsprechendes Messgerät entwickeln könnte, das technisch und wirtschaftlich machbar wäre und auch von den Betroffenen angenommen werden würde. Das erforschte ich im Rahmen einer Masterarbeit im Fach Wirtschaftsingenieurswesen. Danach trat ich in Kontakt mit der ETH Zürich und der Uni für Bodenkultur in Wien, mit Elektronikern, Mikrobiologen, Ärzten, Designern und Anthropologen, und nach zwei Jahren und Hunderten mikrobiologischen Tests war das Wadi so weit fertig, dass wir damit in Produktion gehen konnten. 2010 gründete ich Helioz, seither haben wir etwa 80.000 Stück produzieren lassen.

Wie bringen Sie Wadi unter die Leute?
Zum einen arbeiten wir mit internationalen Organisationen wie der WHO, mit Hilfsorganisationen wie der Caritas, mit NGOs und lokalen und staatlichen Behörden in den betroffenen Ländern zusammen. Aber unsere hauptsächlichen Kunden sind jetzt Unternehmen in der DACH-Region, die sich im Rahmen von CSR-Vorhaben um CO₂-Neutralität bemühen. Bei unserem Projekt mit dem Lebensmittelhändler Hofer haben wir 10.000 Haushalte in Bangladesch, die bis dahin bis zu umgerechnet 15 Euro im Monat für Wasserdesinfektion aufwenden mussten, mit Wadis versorgt. Dieses Projekt spart Tausende Tonnen CO₂ pro Jahr ein, die von Hofer wiederum gekauft werden und so zu dessen CO₂-Neutralität beitragen. ▪ Harald Sager

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