Der Prinz von der Kandlgasse

Porträt. Von Kerala in die Kandlgasse: Prince Pallikunnel hat in den letzten Jahrzehnten eine kleine Multikulti-Welt mitten im 7. Bezirk aufgebaut, zu der neben dem größten exotischen Supermarkt des Landes auch ein Kosmetikgeschäft und ein indisches Restaurant gehören.

Foto: Lukas Ilgner/Verlagsgruppe News/picturedesk.com

Als Prince Pallikunnel im Jahr 1990 nach Wien kam, wollte er eigentlich nur Wirtschafts-informatik studieren. Aber natürlich musste er auch Geld verdienen und jobbte zunächst da und dort, ehe er nach zwei Jahren sein erstes kleines Geschäft eröffnete. Dabei hatte er die goldrichtige Idee, Lebensmittel nicht nur aus dem südindischen Bundesstaat Kerala einzuführen, aus dem er stammt, sondern sozusagen aus der ganzen exotischen Welt, nämlich aus Asien, Afrika und Südamerika. Womit sich nicht nur die potenzielle Klientel vervielfachte, sondern gleich auch ein Name gefunden war: „Exotic World“. Diesem wurde dann noch das Akronym Prosi vorangestellt, was für Politeness, Respect, Obedience, Service und Intimacy steht: Werte, die dem 54-jährigen Prince Pallikunnel wichtig sind, wobei der „Gehorsam“ vermutlich eine Mahnung an die eigenen Familienmitglieder ist, von denen immerhin neun zum Betrieb dazugehören, darunter die Brüder Sijmon und Sirosh. Denn der seinerzeitige bescheidene Laden hat sich in den letzten Jahrzehnten tatsächlich zu einer kleinen Welt ausgewachsen, die ein Gutteil der oberen Kandlgasse einnimmt. Neben dem größten Supermarkt für exotische Lebensmittel in Österreich – es war übrigens auch der erste – gehören die „Cosmetic & Hair World“ für Kosmetik, Ayurveda, Perücken und Haarverlängerungen sowie das Prosi Indian Restaurant für nord- und südindische Küche dazu.

Nicht eine, sondern 150 Communities
Das mit Abstand größte Unterfangen ist aber der „Exotic Supermarket“. „Ich glaube, wir haben ihn schon acht- oder neunmal erweitert und stehen jetzt bei 800 Quadratmetern!“, sagt Prince Pallikunnel. Das Souterrainlokal reicht bis zur nächsten Straßenkreuzung, zusätzlich gibt es fünf Warenlager im Umkreis. In den jeweiligen Communities ist der Supermarkt gut verankert. Pallikunnel: „Menschen aus 150 Nationen kaufen bei uns ein.“ Immerhin ein Drittel der Kunden sind Österreicher, die ja auch oft weitgereist sind und die Atmosphäre zu schätzen wissen: das Neonlicht, die zum Schmunzeln anregenden Wegweiser wie „Indien“ oder „Afrika“ und vor allem das unglaubliche Sortiment – etwa 8.000 Produkte –, wie man es sonst außerhalb der Herkunftskontinente nicht so leicht findet, schon gar nicht in so geballter Form. Prosi bezieht sie vornehmlich von Großhändlern in Großbritannien und Spanien, führt aber auch Direktimporte durch und baut gerade eine Eigenmarke – „Prince“, was sonst? – für Reis und Chips auf. Was wird am meisten gekauft? „Reis – und wir haben davon 20 verschiedene Sorten!“ Der sich, wie in exotischen Geschäften üblich, teils in großen Säcken stapelt. In einem Hinterraum des Supermarkts wird jeden Freitag ein Kochkurs einer exotischen Küche, von Ghanaisch bis Nepalesisch, für nur 39 Euro abgehalten, und davon haben alle etwas: Die Teilnehmer werden auf die jeweilige Küche neugierig, die Kursleiter, die Profiköche sind, gewinnen neue Kunden für ihre Restaurants dazu, und alle kaufen ihre Zutaten bei Prosi ein. Für all jene, die nicht selbst Hand anlegen wollen, hier die „Geheimtipps“: Jeden ersten Samstag im Monat gibt es im Restaurant einen sehr günstigen indischen Brunch. Und einmal im Jahr, jeweils im Juni, wird die obere Kandlgasse in ein „Exotic Festival“ mit Imbissständen und Dutzenden Tanz-, Musik- und Akrobatikgruppen verwandelt.

Kommentar verfassen