In Österreich gekauft? Richtig gut gekauft.

Standort. Der österreichische Handel ist das Rückgrat der heimischen Wirtschaft.Aber das sollte den KonsumentInnen auch etwas wert sein. Eine neue Werbekampagne des Handelsverbands im Schulterschluss mit bedeutenden heimischen Händlerinnen und Händlern möchte mehr Bewusstsein für Steuerfairness, Regionalität und Wertschöpfung in Österreich schaffen.

Die Lebensmittel-Größen Rewe, Hofer, Lidl und Unimarkt sind dabei, aber auch Händler anderer Branchen wie Obi, Hartlauer, Conrad, Mediamarkt, Hervis, Tchibo/Eduscho, Tupperware, Dorotheum, Deichmann, C&A sowie Kastner & Öhler. Zusammen stehen sie für 16 Milliarden Euro an Einzelhandelsumsätzen und setzen ein starkes gemeinsames Signal für den österreichischen Handel, für Regionalität, Arbeitsplätze und die heimische Wirtschaft. Ein Signal der Einheitlichkeit bei aller Vielfalt mit dem Ziel, bei KonsumentInnen mehr Bewusstsein für die Bedeutung des Handels als heimischer Wirtschaftsfaktor und für die Auswirkungen des eigenen Kaufverhaltens zu schaffen.

Warum braucht es die Kampagne jetzt? Erstens: Weil der Handel das Rückgrat der heimischen Wirtschaft ist. Er stellt die Nahversorgung von Millionen Menschen sicher und ist der umsatzstärkste Sektor des Landes, der zweitwichtigste Arbeitgeber und der drittgrößte Lehrlingsausbilder. Als Jobmotor stellt der Handel jeden fünften Arbeitsplatz in Österreich und bildet 15.000 Lehrlinge aus. Er zahlt über 15 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben an den Staat und ist Auftraggeber für viele Sektoren der Wirtschaft. Betrachtet man alle ökonomischen Effekte, sichert allein der Lebensmitteleinzelhandel über 14 Milliarden Euro des Bruttoinlandsprodukts. Der Handel steht für Qualität und Sicherheit: So ist Österreich Weltmeister im Bereich der Bio-Landwirtschaft. Er setzt sich aktiv für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Er belebt Stadt- und Ortskerne, Flaniermeilen, städtische wie ländliche Regionen – kurz, er belebt ganz Österreich. Zweitens: Weil unser Kaufverhalten massive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Der Handel beschäftigt mehr als 600.000 Menschen. Aber bereits jetzt fließen 4,5 Milliarden Euro durch Online- Käufe zu Internetgiganten wie Amazon oder Alibaba und damit ins Ausland ab. Das entspricht rund 25.000 Arbeitsplätzen, die unserem Arbeitsmarkt jährlich entzogen werden. Und das ist nicht der einzige Schaden, denn die Digitalkonzerne zahlen im Schnitt nur 9 Prozent an Gewinnsteuern, während jedes österreichische Unternehmen mit ca. 23 Prozent besteuert wird – Einnahmen, die unserem Sozialsystem fehlen. Drittens: Weil die Kampagne auch ein Appell an die Politik ist, faire Rahmenbedingungen herzustellen. Das geänderte Kaufverhalten ist auch eine Folge der unfairen regulativen Bedingungen, die zu Lasten der beschäftigungsintensiven heimischen HändlerInnen gehen und von digitalen Unternehmen aus Drittländern ausgenutzt werden. Vielfach werden Verbraucherschutz-, Produktsicherheits- und Umweltschutzbestimmungen nicht eingehalten, Zoll- und Mehrwertsteuern umgangen oder Produktfälschungen verkauft. „Im Rahmen unserer FairCommerce-Initiative haben wir bereits internationale Aufmerksamkeit erreichen können. Jetzt ist die Politik gefordert, wirkungsvolle Maßnahmen zu setzen“, so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Die gemeinsame Werbekampagne ist bis dato das stärkste Signal, das der Handel an die österreichischen KonsumentInnen und zugleich auch an die Politik aussendet, um eine Veränderung auf allen Ebenen herbeizuführen.

Wer ist österreichischer Händler?

Der Hauptsitz eines Handelsunternehmens spielt für die Initiative keine Rolle, es wird nicht unterschieden, ob es sich um ein deutsches, französisches oder außereuropäisches Unternehmen handelt „Wir holen nationale wie internationale Handelsunternehmen vor den Vorhang, die in Österreich Werte schöpfen, Arbeitsplätze schaffen, ausbilden, hier Steuern und Abgaben abführen und in die Sozial- und Pensionstöpfe einzahlen, die innovativ und nachhaltig agieren und damit unser Land stärken“, stellt Rainer Will klar. „Auch der Vertriebskanal spielt keine Rolle: Wir lieben den stationären Handel, und wir lieben den E-Commerce – aber wir fordern Fairness!“

Das Siegel „Österreichischer Händler“
Das neu geschaffene Siegel „Österreichischer Händler“ dient der Kampagne als Trägerrakete und Multiplikator und steht für Arbeitsplätze, Steuern und Wirtschaftskraft. „84 Prozent der KonsumentInnen kaufen bei gleichem Preis, Service und Leistung lieber bei HändlerInnen aus der Region ein. Webshops aus Drittstaaten sind jedoch oft gut übersetzt, und es werden österreichische Service-Nummern angegeben. Insbesondere bei Waren aus Asien bemerken Online-KäuferInnen den Ursprung der bestellten Ware erst, wenn der Zoll anklopft oder diese um den halben Globus zu retournieren ist. Das Siegel schafft hier Transparenz“, so Rainer Will.

Links: Isabel Lamotte, Partner & Project Manager leitet das Projekt “gut-kaufen”
Rechts: Kimberley Tennant, Parnter & Social Media Manager

Für alle österreichischen Händlerinnen und Händler

Die Gemeinschaftskampagne ist in einem ersten Schritt als reine Außenwerbe- Kampagne konzipiert. Rainer Will: „Für einen wirkungsvollen Start der Initiative setzen wir auf maximale Sichtbarkeit. Bundesweit, in jedem Bundesland, in jeder Region, in Stadt und Land.“ Jeder teilnehmende Händler hat die Möglichkeit, die Sujets für weitere eigene Print- oder digitale Kampagnen individuell zu verwenden. Eingeladen zur Teilnahme sind explizit auch kleine und mittlere Unternehmen, die sich im Rahmen der kostenfreien Initiative www.kmu-retail.at anschließen und die Sujets für eigene Marketinginitiativen sehr erschwinglich erwerben können, die ersten sogar ohne Kosten. Ein weiteres Element ist die Kampagnen- Website www.gut-kaufen.at, auf der sich die Kennzahlen und Fakten zur Bedeutung des heimischen Handels finden.„Gut kaufen bedeutet ein qualitativ hochwertiges Produkt zum fairen Preis dort einzukaufen, wo Steuern und Abgaben an den österreichischen Sozialstaat gehen und damit unsere Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden“, fasst Will zusammen. Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit der Werbeagentur Hello rund um Peter Hörlezeder. Die Sujets berücksichtigen die Eigenständigkeit der Marken, sorgen aber auch für eine große gemeinsame Wirkung.
▪ Harald Sager

Kampagne für Österreich
Seit 8. Juli hat die Werbekampagne „In Österreich gekauft? Richtig gut gekauft!“ mit 15.000 bunten Plakaten und den Logos österreichischer Handelsunternehmen sechs Wochen lang bundesweit das Straßenbild geprägt. Weitere Ausbauschritte sowie eine zyklische Wiederholung sind geplant. Die Kampagne ist für alle Händlerinnen und Händler in Österreich gedacht und gemacht. Daher lädt der Handelsverband alle und insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen ein, sich daran zu beteiligen. Detaillierte Infos und Preise auf der Website www.handelsverband.at, unter anmeldung@handelsverband.at sowie unter www.kmu-retail.at

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