Die wahren Kosten sind versteckt!

Was kosten unsere Lebensmittel wirklich?
Bei Einbeziehung der ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Folgekosten müssten die Preise erheblich höher sein, als sie es derzeit sind – Bioprodukte hingegen stünden vergleichsweise besser da.

Eine britische Studie beweist: Zu jedem ausgegebenen Pfund an der Supermarktkassa addiere sich ein weiteres an Folgekosten in Form von Steuern, Abgaben und Krankenkassenbeiträgen.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht haben wir es mit einer beträchtlichen Preis- und Marktverzerrung zu tun“, erklärt der Volkswirt Tobias Gaugler, der die gesellschaftlichen Folgekosten der Tierhaltung in Deutschland im Rahmen eines Gutachtens der Universität Augsburg untersucht hat. Dabei kam heraus, dass allein die Nitratbelastung jährliche Folgekosten von über zehn Milliarden Euro verursacht, das entspricht einem Preisaufschlag von fast 10 Prozent für konventionelle tierische Lebensmittel und von 4 Prozent für tierische Bioprodukte. Bei dieser Schätzung sind weitere Folgekosten noch nicht einmal berücksichtigt. Auch die versteckten Kosten müssen bezahlt werden Zu den „versteckten Kosten“ zählen Gesundheitskosten durch Stickoxide, Feinstaub und Treibhausgase, die bei der Lebensmittelerzeugung entstehen. Aber auch Schäden durch Bodenabbau und-erosion, Überdüngung von natürlichen Lebensräumen, Lebensmittelabfälle, Antibiotikaresistenzen oder Lebensmittelimporte aus wasserarmen Gebieten gehören dazu. Nicht zu vergessen die Regenwaldvernichtung, der Verlust der Biodiversität (Stichwort Insektensterben) und die Klimabelastung. Mit Ansätzen, die eine derartige Fülle an Faktoren in die Gesamtrechnung hineinnehmen, begibt man sich recht weit ins Reich der Spekulation. Dennoch werden sie immer wieder unternommen,so auch in der britischen Studie „The Hidden Cost of UK Food“. Deren Autoren kommen zum Schluss, dass die versteckten Lebensmittelkosten in etwa ebenso hoch sind wie der an der Kasse zu bezahlende Preis: Zu jedem ausgegebenen Pfund addiere sich ein weiteres an Folgekosten in Form von Steuern, Abgaben und Krankenkassenbeiträgen. Ein Teil der ökologischen Auswirkungen wird zudem auf den globalen Süden und die nachfolgenden Generationen „umgewälzt“. Bei der Präsentation der Studie wurde festgehalten, dass jede Bilanz eines Lebensmittelunternehmens erst dann vollständig ist, wenn sie die Kosten der gesellschaftlichen und ökologischen Schäden mit einschließt.

Die Vollkostenrechnung spricht für Bio.
Einer der ersten Unternehmer, die eine solche Vollkostenrechnung für ihren Betrieb angestellt haben, ist der niederländische Bio-Obst- und -Gemüsegroßhändler Volkert Engelsmann. Ihm zufolge ist jedes Kilo seiner Bioäpfel in der Gesamtrechnung 25 Cent günstiger als ein Kilo konventioneller Äpfel, bei denen Bodenabbau, Pestizidanwendung und Wassernutzung negativ zu Buche schlagen. Die oben erwähnte Studie der Universität Augsburg (Gaugler und Michalke 2017) kommt zu ähnlichen Schlüssen: Würde man alle Folgekosten der industriellen Landwirtschaft in die Kalkulation miteinbeziehen, dann wären Bio-Lebensmittel die preisgünstigere Alternative. Ein österreichisches Diskussionspapier (Schader et al. 2013) veranschlagt die geringeren Kosten mit einem guten Drittel. Die heimischen Landwirte wissen das schon lange: Der Anteil der Bio-Betriebe liegt bei 18 Prozent, 23 Prozent der Agrarflächen werden für ökologische Landwirtschaft genutzt: Damit ist Österreich laut Eurostat EU-weit Spitzenreiter. Sowohl der niederländische Großhändler als auch die österreichische Bio-Landwirtschaft weisen jedenfalls den Weg in Richtung mehr Kostenwahrheit auf den Preisschildern.

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